Diese Hilfe und folgende Energieanleihen bringen schließlich Anfang der 1950er-Jahre das nötige Kapital, um große Projekte in Angriff zu nehmen. Am bekanntesten ist wohl das in Salzburg gelegene Speicherkraftwerk Kaprun, dessen Bau unter dem NS-Regime 1938 begonnen und mit Tausenden Zwangsarbeitern, die unter unmenschlichen Bedingungen litten, fortgesetzt worden war. Mit Fortdauer des Krieges kam der Bau jedoch zunehmend zum Stillstand. Auch das Donaukraftwerk Ybbs-Persenbeug in Niederösterreich sowie Kraftwerke an Drau und Enns waren unter Einsatz von Zwangsarbeitern begonnen worden und bis Kriegsende zum Erliegen gekommen.
Zu Jahresende 2000 wurde in Österreich ein "Versöhnungsfonds" zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter geschaffen. VERBUND leistete dazu einen finanziellen Beitrag. Zusätzlich arbeiteten namhafte Historiker mit Unterstützung von VERBUND dieses Kapitel der österreichischen Energiegeschichte in einer Studie umfassend auf.
Anfang der 1950er-Jahre nimmt Österreichs Regierung die Arbeiten an Kaprun wieder auf. Bis 1955 ist die Speicherkraftwerksgruppe am Fuße des Großglockners, Österreichs höchsten Berges, in Betrieb. Die Leistung der Arbeiter wird geradezu glorifiziert; es entstehen eigens Filme und Romane über die "Helden". Im selben Jahr, 1955, erhält Österreich mit dem Staatsvertrag seine Souveränität zurück, die Besatzungstruppen ziehen ab. Kaprun erzeugt jährlich fast 700 Mio. kWh. Österreich kann seinen Strombedarf wieder ausschließlich aus heimischen Quellen decken.
Doch die Wirtschaft beginnt rasant zu wachsen – und mit ihr wiederum der Stromverbrauch: um fast ein Drittel allein zwischen 1955 und 1960. Daran ändert auch nichts, dass in dieser Zeit das Ennskraftwerk Hieflau oder das erste Donaukraftwerk, Ybbs-Persenbeug, sowie das größte Salzach-Kraftwerk, Schwarzach, in Betrieb gehen.