1991 stimmen drei Viertel der Wiener Bürger bei einer Volksbefragung dem Donaukraftwerk Freudenau zu. Das mit hohen Umweltauflagen errichtete Kraftwerk geht 1998 ans Netz. 1995 läutet die EU-Mitgliedschaft Österreichs eine neue Ära auch für VERBUND ein. Er nutzt die sich daraus ergebenden Chancen, restrukturiert sich zu einem modernen Unternehmen und internationalisiert sein Geschäft.
Nach dem "Aus" für das Projekt Hainburg dauert es Jahre, ehe VERBUND wieder ein Großwasserkraftwerk umsetzt: das Donaukraftwerk Wien-Freudenau. Vor Baubeginn wird das Projekt allerdings einer Volksbefragung unterworfen: Drei Viertel der abstimmenden Bürger Wiens sagen 1991 „Ja“. Das unter vielen Umweltauflagen errichtete Donaukraftwerk geht 1998 ans Netz – und gilt noch heute als eine der modernsten derartigen Anlagen in einer Millionen-Metropole.
Dem EU-Beitritt Österreichs folgt die Lieberalisierung des österreichischen Strommarktes und die Entflechtung von Geschäftsbereichen
Schon während des Baues erlebt VERBUND die wohl bedeutendste Zäsur seiner Geschichte. 1995 tritt Österreich der Europäischen Union bei, die ein Jahr später die Liberalisierung des Strommarkts startet.
VERBUND sieht sich nach Jahrzehnten in einem fast völlig regulierten Markt plötzlich harter Konkurrenz ausgesetzt, reagiert aber rasch und konsequent. Das Unternehmen konzentriert sich aufs Kerngeschäft „elektrischer Strom“, gibt sich eine neue Struktur, wobei die Aktivitäten unter einer strategischen Holding in Geschäftsbereichen – Erzeugung, Handel, Übertragung und Beteiligungen – gebündelt werden, startet die Internationalisierung des Geschäfts, beginnend mit Deutschland, baut sozialverträglich und ohne Kündigungen mehr als die Hälfte an Personal ab.
VERBUND nimmt auch künftige EU-Vorschriften vorweg, wie die gesellschaftsrechtliche Entflechtung der Geschäftsbereiche „Erzeugung“ und „Übertragung“ von Strom. Schon vor der Jahrtausendwende ist VERBUND gut aufgestellt für die völlig Öffnung des Strommarkts, die Österreich 2001 umsetzt und der EU-weit 2007 Realität wird.
Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts scheint sich der Trend zur Entkoppelung von Wirtschafts- und Stromverbrauchswachstum fortzusetzen: Der Stromverbrauch steigt in diesen zehn Jahren lediglich um rund ein Sechstel, während Österreichs Bruttoinlandsprodukt um die Hälfte zunimmt.