Das Kraftwerk Egglfing-Obernberg liegt am unteren Inn zwischen dem Oberlieger-Kraftwerk Ering-Frauenstein und dem flussabwärts folgenden Kraftwerk Schärding-Neuhaus. Die Zufahrt erfolgt vom linken Ufer über eine Stichstraße.
Das Kraftwerk ist senkrecht zur Flussachse situiert und besteht aus einem am linken Flussufer anliegenden Krafthaus und einer bis zum rechten Ufer reichenden Wehranlage. Über Krafthaus und Wehr führt die Bahn der Portalkräne. Am linken Ufer befinden sich ein Schalthaus, eine Freiluft-Schaltanlage und Nebengebäude.
In Egglfing-Obernberg kamen zum Schutz gegen Luftangriffe besondere Bauweisen zum Einsatz. Als Schutz vor Minen errichtete man im Oberwasser einen Vorrechen und stattete die Montagehauben über den Maschinensätzen mit Stahlbetonplatten aus. Der Hauptbedienungsgang wurde zur Sicherung gegen Bordwaffenbeschuss und Splittereinwirkung an die Oberwasser-Seite verlegt und mit künstlicher Beleuchtung sowie mit Belüftungseinrichtungen ausgestattet. Im Unterwasser erbaute man vor den Turbinenausläufen eine 1 m starke Mauer. Da bei Wassermangel der obere Teil der Mauer sichtbar ist wurde sie von den Kraftwerksleuten "Hungerbalken" getauft. Schließlich gestaltete man die Fenster und Lüftungsöffnungen in der Form von Schießscharten.
- Krafthaus:
Das in Flachbauweise ohne Maschinenhalle ausgeführte Krafthaus beherbergt sechs Maschinensätze und ist ohne Montageräume mehr als 110 m lang und 16,60 m breit. Bei einer Gesamthöhe von etwa 23 m ragt es im Durchschnitt 14 m über dem Spiegel des Unterwassers auf, sein Flachdach ist in die Kraftwerksbrücke integriert.
Die Unterwasser-Seite ist als Hauptansicht gestaltet. Im Unterbau liegen zwischen Betonpfeilern die Turbinenausläufe, die in der Mitte jeweils durch eine Trennwand geteilt sind. Ein auf den Pfeilern ruhender Übergang führt vom linken Ufer zum Trennpfeiler. Auf dem Unterbau erhebt sich die lang gezogene Fassade des Krafthauses mit Flächen aus schalrein belassenem Beton. Die glatte Fassade wird auf zwei Ebenen durch hochrechteckige, schießschartenartige Fensteröffnungen mit Steinumrahmungen durchbrochen. Die Traufenzone ist mit einem zweifach abgestuften Gesimse mit kantigem Unterprofil gestaltet. Im Flachdach sind oberhalb der Montageräume und Maschinensätze Montagehauben angeordnet.
Eine zweiflügelige, neben der Kranbahn liegende Tür erschließt den oberwasserseitigen Hauptbedienungsgang, weitere Zugänge sind über das Schalthaus möglich. Der obere Wandabschluss des glatt verputzten und weiß gestrichenen Hauptbedienungsganges ist mit einem einfach abgeschrägten Gesimse versehen. An seiner Unterwasser-Seite liegt am linken Ufer zunächst ein Montageraum.
Anschließend folgen die Einhausungen der Maschinensätze, deren Ebenen mittels Treppenauf- und -abgänge zugänglich sind. Unmittelbar oberhalb der Generatoren befinden sich die zweiteiligen, flachen Montagehauben. Zwischen den Maschinensätzen sind auf der Ebene des Hauptbedienungsganges die Reglerräume und die Erregerräume der Generatoren angeordnet, die sich in ihrer ganzen Breite gegen den Gang öffnen, Betonpfeiler und Wände tragen die Betonbalkendecke. An der Unterwasser-Seite ist im Erdgeschoß der Kabelgang und im Obergeschoß der Gang für die Stromschienen situiert.
- Trennpfeiler:
Der lang gezogen Sporn des 5,30 m breiten Trennpfeilers ist oberwasserseitig halbrund, unterwasserseitig bugförmig abgeschlossen. Das Innere des quaderförmigen Trennpfeilers enthält ein zweiarmiges Stiegenhaus und wird durch schießschartenartige, hochrechteckige Fensteröffnungen belichtet.
- Wehr:
Die fünf Wehrfelder besitzen eine lichte Weite von je 23,5 m und sind 13,5 m hoch. Die 6 m starken Wehrpfeiler erheben sich auf flachen Pfeilerfüßen, die an der Oberwasser-Seite halbrund, an der Unterwasser-Seite bugförmig abgeschlossen sind. Die quaderförmigen Aufbauten der sechs Wehrhäuser sind mit flach geneigten Walmdächern gedeckt und enthalten die elektrisch gesteuerten Wehrantriebe. Sie besitzen Oberflächen aus gestocktem Sichtbeton und eine leicht vorkragende Traufenkante. Die Windenhäuser in Egglfing-Obernberg besitzen keine Fenster, lediglich das rechtsufrige Windenhaus ist mit zwei quadratischen Fensteröffnungen versehen.
An der Unterwasser-Seite ist eine Wehrbrücke mit einem geschlossenen Brückengang situiert, in dem die Kabel- und Versorgungsleitungen untergebracht sind.
- Kraftwerksbrücke:
Die Brücke wird von zwei Portalkränen bestrichen. Am linken Ufer ruht die Kranbahnverlängerung auf sichtbar belassenen Betonpfeilern mit Ausfachungen. Der dazwischen situierte Montageplatz ist mit Stahlhauben abgedeckt.
- Schalthaus und Betriebsgebäude:
Das zweigeschoßige, mit einem Flachdach versehene Schalthaus mit Betriebsgebäude schließt im Unterwasserbereich rechtwinklig an das Krafthaus an. Es enthält Büros und Sozialräume, sowie im Obergeschoß den Wartenraum. Die Außenflächen sind glatt verputzt und weiß gestrichen. Die zum Wasser gerichtete Längsseite besitzt pro Geschoß nur vier hochrechteckige und schmale, schießschartenartige Fensteröffnungen, während die Fenster an der Landseite üblichen Proportionen für Bürofenstern entsprechen und im Erdgeschoß quadratisch, im Obergeschoß hochrechteckig ausgebildet sind. Zugang erhält man über eine zweiflügelige Tür an der Landseite. Die Fassadenöffnungen am Schalthaus sind mit Natursteinen gerahmt. Das Traufgesimse des Krafthauses wird an der Traufe des Schalthauses weitergeführt. An der unterwasserseitigen Stirnseite schließt auf erhöhtem Niveau die Freiluft-Schaltanlage an, die vom Wartenraum überblickt und durch eine zweiflügelige Tür erschlossen wird.
- Schalthaus-Anbau:
An die oberwasserseitige Stirnseite des Schalthauses anschließend wurde nachträglich ein zweigeschoßiger Trakt mit Werkstätten, Büros und Sozialräumen angebaut, der die Stützpfeiler der Kranbahnverlängerung in seinen Baukörper integriert. Der mit Schalthaus und Kranbahn in einer Höhe abschließende Anbau ist mit einem Flachdach gedeckt. Die zweiflügeligen Fenster sind im Erdgeschoß hochrechteckig, im Obergeschoß annähernd quadratisch ausgebildet, die Erschließung des Inneren erfolgt über zweiflügelige Türen. Die Außenflächen sind glatt verputzt, die Fenster besitzen leicht vorkragende Sohlbänke. Vom Schalthaus und von der Kranbahn wird die Form des Traufgesimses übernommen und weiter geführt.
Am linken Ufer liegt östlich neben der Zufahrtsstraße eine Werkskolonie mit sechs Doppelhäusern.
Der 12,7 km lange Stauraum ist Teil des Naturschutzgebietes Unterer Inn. Er erhielt auf der bayerischen Seite einen etwa 10,5 km langen Staudamm, auf österreichischer Seite erstreckt sich ein 7,5 km langer Damm von Graben bis an die Achenmündung. Das Gelände der Mühlheimer Niederung hinter dem rechtsufrigen Mühlheimer Damm wird durch das Pumpwerk Mühlheim entwässert, am linken Ufer werden die Gewässer durch bestehende Altarme ins Unterwasser abgeleitet.