Das Mur-Kraftwerk liegt am Nordrand der Stadt Leoben im nördlichen Teil der Murschlinge, etwa 20 m östlich der Wehranlage des abgebrochenen Kraftwerks von Ludwig Krempl.
Vom nördlichen Ufer erfolgt über die Südbahnstraße die Zufahrt zum Krafthaus.
Das Kraftwerk besteht aus dem am linken, nördlichen Murufer situierten Krafthaus mit Betriebsgebäude und der nach einem Trennpfeiler bis zum rechten, südlichen Ufer anschließenden Wehranlage.
- Krafthaus:
Das annähernd Nord-Süd orientierte Krafthaus ist auf einem rechteckigen Grundriss von etwa 21/20 m errichtet und 13 m hoch. Über einem geschlossenen, hohen Sockel aus glattem Sichtbeton sind an beiden Längsseiten und zueinander in der Höhe versetzt schmale Fensterbänder mit horizontalen Lichtschutz-Lamellen angeordnet, darüber folgt an der zum Oberwasser gerichteten Längsseite eine geschlossene Wandverkleidung aus hellgrauen, horizontalen Blechpaneelen. Das Dach ist in einem Segmentbogen geschwungen und gegen die Unterwasser-Seite geneigt. Ein Leitmotiv der Gestaltung war der Einsatz von Schrägen, die sich aus dem Winkel von 71,6 ° ergeben, mit dem sich die Rechenanlage gegen den Fluss neigt. Diese Schrägen wurden bei den Dachstützen, den Belichtungsfeldern und den Außenwand-Verkleidungen aufgenommen. So durchbrechen Schrägen aus dunkelblauen Blechlamellen die Oberflächenhaut an den Stirnseiten, an der südlichen Stirnseite ist zusätzlich ein schräges Fensterband angeordnet ist. Auch die Auskragung des Daches an der Unterwasserseite wird durch geneigte, zarte Rundstützen getragen.
Die 20,50 m lange, 19,30 m breite und 10,7 bis 12,5 m hohe Maschinenhalle wird über ein vierteiliges Falttor und eine angeschlossene Tür an der nördlichen Stirnseite des Krafthauses erschlossen. Die aus glatten Sichtbeton-Wänden gebildete Raumhülle wird in ihrem oberen Bereich von Stahlstützen abgelöst, die in die sichtbar belassenen Stahlbinder mit Seilspannungen des Daches übergehen. Im südöstlichen Bereich der Halle ist ein großflächig verglaster Kubus mit dem Leitstand eingebaut. Auf seiner Decke befindet sich ein Groblagerplatz, der vom Bodenniveau der Maschinenhalle über eine Treppe erreichbar ist. Eine weitere, zweiläufige Stiegenanlage führt von der Maschinenhalle in die Untergeschoße zu den beiden Maschinensätzen. Oberwasserseitig schließt an die Maschinenhalle ein Werkstatt-Raum an, der mit querrechteckigen Fenstern zur Halle hin geöffnet ist.
Der Unterwasser-Seite des Krafthauses sind die beiden Transformatoren-Nischen aus Sichtbeton vorgelagert, die mit einer Schutzumhausung aus Metallgeflecht umgeben sind. Zwischen ihnen ist ein vertikaler Streifen aus rotem Lamellenblech angeordnet.
- Betriebsgebäude:
An der nördlichen Stirnseite des Krafthauses schließt der niedrigere Trakt des Betriebsgebäudes an, das ebenfalls den Neigungswinkel von 71,6° für die Gestaltung aufgreift. Sein Obergeschoß kragt an der Unterwasser-Seite über das Sockelgeschoß aus und ist mit einer zum Unterwasser geneigten Wand abgeschlossen. An der Unterwasser-Seite sind die Außenwände mit dunkelgrauen Metalltafeln verkleidet, deren Teilungen der Neigung der Wandschräge folgen, und ein Fensterband öffnet sich über die gesamte Breite des Obergeschoßes, das über einen Stiegenaufgang von außen erreicht werden kann. Oberwasserseitig sind in die Sichtbetonmauern drei querrechteckige Fensteröffnungen eingelassen. Ein segmentbogenförmiges, von zarten, schrägen Rundstützen getragenes Dach schließt den Bau nach oben ab. Im Sockelgeschoß befinden sich Vorraum und Lager, im Obergeschoß Dienst- und Sozialräume. Beide Geschoße des Betriebstraktes können direkt von der Maschinenhalle betreten werden, in das Obergeschoß führt ein Stiegenaufgang.
- Wehranlage und Kraftwerksbrücke:
Die beiden südlich an das Krafthaus anschließenden Wehrfelder sind je 14,5 m breit und besitzen im Unterwasser abgeschrägte Pfeiler mit lang gestreckten Pfeilerfüßen. Unterwasserseitig dienen die Wehrpfeiler gleichzeitig als Träger einer etwa 100 m langen und 3,5 m breiten Brücke mit Rad- und Fußweg: Schräge, aus den Ausläufern der Wehrpfeiler hochgeführte Scheiben tragen winkelförmige Podeste, zwischen denen die Fachwerkskonstruktion der Brücke aus dunkelblau beschichteten Stahlrohren eingehängt wurden. In die Füllungen des Geländers sind Beleuchtungskörper eingebaut.
Die schrägen Wände und die geschwungenen Dächer der Informations-Stände bei der Brücke beidseitig der Mur nehmen die Formen der Kraftwerksarchitektur auf.
Am nördlichen Ufer wurde ein 390 m langes Umgehungsgewässer als Fischaufstiegshilfe eingerichtet.
Der Stauraum mit einer Länge von 2,2 km besitzt ein Stauziel von 533,60 m. Die Unterwassereintiefung beträgt maximal 3,5 m bei einer Eintiefungslänge von 2,2 km. Am linken Stauraumufer wurde auf einer Länge von 1,2 km eine 4 m breite Vorschüttung zur Aufnahme von Entwässerungskanälen und der Energieableitungskabel vom Krafthaus zum Umspannwerk errichtet. Im Rahmen des Kraftwerksbaues wurden die Murufer neu gestaltet: Am linken Murufer zwischen dem Krafthaus und der Waasenbrücke wurde ein Radweg mit Anbindung an den Radweg über die Mur errichtet, Ausbuchtungen und Biotope angelegt und Böschungsflächen mit Grobschlichtung aus Wasserbausteinen gesichert.