Das jüngste VERBUND-Projekt ist auch gleichzeitig der einzige Neubau in einem sehr bedeutenden historischen Umfeld. Im Jahr 2004 entschloss sich die Verbund Austrian Hydro Power AG, unterhalb der unter Denkmalschutz stehenden Schemerl-Brücke von Otto Wagner, erbaut 1894-1899 im Jugendstil, ein überströmtes Hydromatrixturbinen-Kraftwerk im Tosbecken der historischen Wehranlage zu errichten, um das Dotationswasser des Donaukanals energietechnisch zu nutzen.
Durch den Bau des Donaukraftwerks Freudenau 1992-1998 wurde der Wasserspiegel der Donau beim Wehr Nußdorf um 4,6 m angehoben, sodass man hier schon 1994 an die Errichtung eines Kleinkraftwerkes dachte. Erste Ideen bezogen sich auf zwei Rohrturbinen im Bereich der beiden Donaukanal-Schleusen. Hohe Errichtungskosten bei damals noch geringen Förderungen rechneten damals einen Kraftwerksbau jedoch noch nicht. Erst ein neues Förderungssystem durch die Ökostrom-Regelung von 2002 sowie die Neuentwicklung von effizienteren Hydromatrixturbinen erlaubten 2003 den Planungsbeginn.
Bereits in der Planungsphase wurde das Bundesdenkmalamt in die Vorbereitungen einbezogen, um in direkter Nachbarschaft des denkmalgeschützten Jugendstilensembles Nußdorfer Wehr, bestehend aus einer Brückenanlage mit zwei monumentalen Brückenköpfen und in die Brücke integrierter Schützen-Hebehydraulik sowie zwei historischen Jugendstilgebäuden, einen schonenden Umgang mit diesen zu garantieren. Alle vier Behördenverfahren (Wasserrecht, Schifffahrtsrecht, Energierecht und Denkmalschutz) konnten in fünf Monaten abgeschlossen werden.
Bei den Vorarbeiten im Februar 2004 musste zuerst die Baugrube im Donaukanal abgedämmt und trockengelegt werden. Nach Entfernung der alten Tosbeckensteine der Wehranlage wurden die Fundamente betoniert, sodass im August die Grundsteinlegung stattfinden konnte. Nach dem Einbau der 12 Hydromatrixturbinen in die Kanalsohle Ende November 2004 konnten die Zwischenräume mit Ortbeton vergossen werden. Im Dezember errichteten die beteiligten Baufirmen den Wartungsgang über den Turbinen mit der Verbindung zum Treppenhaus auf der anderen Seite der östlichen Wehrwange sowie die Außenwände des Überlauf-Hohlwehres. Bereits drei Monate später konnten die Rechenreinigungsanlage und die Wehrklappe montiert werden, sodass die Anlage Ende August 2005 offiziell in Betrieb ging.