Das Ausleitungskraftwerk Pernegg liegt an der mittleren Mur zwischen dem flussaufwärts situierten Kraftwerk Dionysen und dem flussabwärts folgenden Kraftwerk Laufnitzdorf. Sein Krafthaus befindet sich nördlich der Ortschaft Kirchdorf und wird von Süden mittels einer Stichstraße von der Roseggerstraße aus erschlossen. Die zugehörige Wehranlage Zlatten liegt am oberen Ende des 2,3 km langen Ausleitungskanals bei Murkilometer 229,6.
Das Krafthaus-Ensemble besteht aus dem Krafthaus mit Schalthaus-Trakt, dem Betriebsgebäude, Nebengebäuden für Magazin, Lager und Garagen sowie aus einer Freiluft-Schaltanlage. Östlich der Einfahrt zum Kraftwerk Pernegg befindet sich zunächst das Betriebsgebäude. Etwas zurückversetzt liegt senkrecht zur Achse des Ausleitungskanals das Kraft- und Schalthaus, an dessen Unterwasser-Seite der Übergang "Am Murfeld I" zum nördlichen Ufer des Ausleitungskanals führt. Die Nebengebäude sind östlich des Betriebsgebäudes situiert.
- Kraft- und Schalthaus:
Das Kraft- und Schalthaus besteht aus einem mehr als 96 m langen Bau, der sich aus den Trakten der Umspannhalle, des Wartenturmes und der Maschinenhalle zusammensetzt. Die Trakte besitzen glatte, durch unterschiedlich proportionierte Öffnungen gegliederte Fassadenflächen und sind mit flach geneigten Walmdächern bedeckt. Die südliche Stirnseite und die Unterwasser-Seite sind als Hauptfassade ausgebildet. Oberhalb eines gekehlten Abschlussgesimses befinden sich Wasserspeier mit Ornamenten aus gezacktem Blech.
--Umspannhalle:
Der südliche Trakt des Krafthauses wurde als Umspannhalle erbaut. Der Vorplatz der Stirnseite ist von einem ummauerten Geviert umgeben, in dem ein Freiluftgerüst aus Fachwerkträgern situiert ist. Die Schmalseite der Umspannhalle ist gegen die Kraftwerkseinfahrt gerichtet und bildet zugleich die Stirnfassade des Krafthauses. In einer großen, halbrund abgeschlossenen Torbogennische befindet sich zurückversetzt ein zur Gänze verglastes Torfeld, in welches das Eingangsportal integriert ist. Flankiert wird die Tornische von querrechteckigen Fenstern. Im Obergeschoß befindet sich eine querrechteckige, loggienartige Öffnung, die ursprünglich zur Abspannung der Stromleitungen von der Umspannhalle in die Freiluft-Anlage diente. Die Seitenfassade ist zweigeschoßig ausgebildet: Drei seichte Blendbögen, die jeweils eine Tür und ein darüber liegendes, quadratisches Fenster umfassen, gliedern das Erdgeschoß an der Unterwasser-Seite, im Obergeschoß weisen die Außenflächen beidseits je sechs schmale, hochrechteckige Fenster auf. Das Innere der Umspannhalle, in der sich ursprünglich die Transformatoren befanden, enthält noch die Sammelschienen. Westlich der Umspannhalle wurde 1954 eine Freiluft-Schaltanlage errichtet und auch die Transformatoren dort aufgestellt.
--Wartenturm:
Der an die nördliche Stirnwand der Umspannhalle anschließende Wartenturm besitzt gegen die Unterwasser-Seite eine dreigeschoßige, als Schauseite gestaltete Fassade, deren Öffnungen mit Natursteinen umrahmt und geteilt sind: Über einer querrechteckigen, durch senkrechte Pfosten dreigeteilten Fensteröffnung befindet sich ein schmales, hohes Rundbogenfenster mit Balkon, das von zwei laternenförmigen Beleuchtungskörpern flankiert wird. Unterhalb des flachen Zeltdaches sind drei kleine, kreisförmige Öffnungen angeordnet. Im Inneren befindet sich unter anderem das zweiarmige Stiegenhaus mit ornamentiertem Stabgeländer und der Befehlsraum der Warte, von dem aus der Blick in die Umspannhalle und in die Maschinenhalle möglich ist. An der Oberwasser-Seite ist dem Befehlsraum ein Raum mit einer 20 kV-Anlage vorgelagert.
--Maschinenhalle:
Anschließend an den Wartenturm folgt gegen Norden der Trakt mit der Maschinenhalle, der etwa drei Viertel der Kanalbreite einnimmt und 18,25 m über die Unterwasser-Plattform aufragt. Ein dreigeschoßiges Zwischenjoch vermittelt zwischen der Fassadengliederung des Mittelteiles und der Maschinenhalle, die über eine Durchfahrt und ein zweiflügeliges Schiebetor mit integrierter Doppeltür von der Umspannhalle aus erschlossen wird. Die Maschinenhalle ist 42,5 m lang, 12,2 m breit und 15,7 m hoch und ruht auf einer massiven Unterkonstruktion aus schalreinen Ortbetonmauern, welche die Gehäuse für die Maschinensätze aufnimmt. Vier große, rundbogige Sprossenfenster von 6 m Höhe versorgen die Halle an ihrer Unterwasser-Seite mit Tageslicht. Durch die unter der Traufkante angeordneten, acht quadratischen Öffnungen wird der Eindruck der Zweigeschoßigkeit erzeugt, die geschlossene Mauerfläche zwischen den Geschoßen ist durch die Lage der Kranbahn in der Maschinenhalle bedingt. Im Inneren nehmen die drei leuchtend rot beschichteten, hoch aufragenden Generatorengehäuse das Zentrum der Maschinenhalle ein und stehen zugleich in der Achse der großen Rundbogenfenster an der Unterwasser-Seite. An der gegenüber liegenden, oberwasserseitigen Längswand gliedern Blendbögen, die den Rundbogen der Fenster entsprechen, die Fläche. Hinter dem vierten Rundbogenfenster ist an der südlichen Stirnwand ein Abstellplatz angeordnet, von dem eine zweiarmige Treppe zum Hallenfußboden führt. Ein Tor mit Sprossenteilungen verbindet den Abstellplatz mit dem Stiegenhaus, zu dem sich die Stirnwand der Halle auf drei Geschoßen mit axialsymmetrisch komponierten Dreiergruppen von Fenstern öffnet. Die nördliche Stirnseite wird durch ein azentrisch angeordnetes, spitzwinklig vorkragendes Erkerfenster durchbrochen, zu dessen Podest man über einen kurzen Stiegenaufgang gelangt: Von hier aus ist die Bedienung des Leerschützes unter Haltung des Blickkontaktes möglich.
Ein mit Rundbogen abgeschlossener Leerschuss verbindet den Bereich des Krafthauses mit dem rechten Kanalufer. Im Oberwasser-Bereich sind der Feinrechen und die Brücke für die Rechenreinigungs-Maschine angeordnet. Nach dem Feinrechen und den Nuten für die Dammbalken folgt das Wasserschloss, das als längsrechteckiger Gang an der Oberwasser-Seite des Krafthauses anschließt und die Turbinen-Einlaufschütze beherbergt. Der Unterbau des Wasserschlosses wird durch einen Wartungsgang erschlossen. An der Unterwasser-Seite befindet sich eine Dammbalken-Versetzeinrichtung. Der Unterwasser-Kanal, der die Verbindung zum Flussbett herstellt, wurde bis zu 15 m Tiefe eingeschnitten und besitzt eine Länge von 0,3 km.
- Betriebsgebäude:
Das zweigeschoßige, auf einer Fläche von 24,70/12,20 m errichtete Betriebsgebäude ist etwa 8 m hoch, das Erdgeschoßbefindet sich etwa 1,50 m unter Bodenniveau. Die glatt verputzten Außenflächen sind mit dicht gereihten, hochrechteckigen Fensteröffnungen versehen. Die Erschließung erfolgt durch eine Eingangstür an der westlichen Längsseite, die zu einem zweiarmigen Stiegenhaus führt.