Das Kraftwerk Gerlos liegt am südlichen Ende der Ortschaft Rohrberg im Zillertal am Steilhang des Rohrerberges und wird durch eine Zufahrt von Norden erschlossen.
Die Anlage besteht aus dem Krafthaus mit anschließendem Unterwasserbecken, dem Schalthaus mit vorgelagerter Freiluft-Schaltanlage für 110 kV und Nebentrakten für Werkstätten, Schaltanlagen und Garagen. An die Freiluft-Schaltanlage des Kraftwerks schließt im Süden das Umspannwerk Zell am Ziller an. Gegen Norden ist der Neubau des Kraftwerks "Gerlos II" situiert.
Die Gebäude sind über rechteckigem Grundriss errichtet und werden von Walmdächern und glatten Außenflächen charakterisiert. Die annähernd in Nord-Süd-Richtung parallel angeordneten Baukörper von Krafthaus und Schalthaus werden untereinander durch einen Torbogen mit darüber führendem Gang verbunden. Die Einfahrt zur Maschinenhalle liegt an der Westseite und ist als rundbogiges Tor gestaltet. Die etwa 44 m lange, 12 m breite und 13 m hohe Halle erhält ihr Licht durch vier schmale, hochrechteckige, durch Sprossen geteilte Fensterfelder, die in der Achse der vier Hauptmaschinensätze platziert sind. Sie werden von je zwei kleinen, hochrechteckigen Lüftungsfeldern begleitet.
Oberhalb der Kranbahn sind kleine, quadratische Fensteröffnungen angeordnet. Im Raum der Maschinenhalle dominieren die Zylinderumhausungen der Generatoren, deren Spitzen nahezu bis zur Kranbahn reichen. Diese ruht auf den Konsolen der Stahlbetonpfeiler und bildet ihrerseits das Auflager für die Binder der Rippendecke. An der Decke sind in zwei Reihen längsrechteckige Beleuchtungskörper angeordnet.
Der Längsseite der Maschinenhalle ist gegen den Vorplatz ein ebenerdiges Gebäude vorgelagert, das eine 10 kV-Schaltanlage enthält. Südlich an das Krafthaus anschließend befinden sich Trakte mit Garagen und einer 25 kV-Schaltanlage. Der Verbindungsgang und das Schalthaus werden durch klein dimensionierte Fenster belichtet; der Eingang zum Schalthaus ist als Rundbogentor ausgeführt. Im Erdgeschoß sind Büroräume und zwei Zellen mit Transformatoren untergebracht. Im Obergeschoß befindet sich die Schaltwarte, von der aus die 110 kV-Anlage und die 25 kV-Anlage bedient werden können. Ein Balkon gegen Süden ermöglichte dem Schaltwart die visuelle Kontrolle der Freiluft-Schaltanlage. In einer späteren Bauphase wurde an das Schalthaus im Westen ein zweigeschoßiger Trakt angebaut.
Neben dem Werkstättengebäude führt an der Bergseite eine Seilbahn zum Wasserschloss Hochried.
Abtransport von Triebwasser
Nach der Abarbeitung wird das Wasser über einen betonierten Unterwasserkanal dem Gerlosbach zugeführt.
Gerlos II
Der nördlich an das Kraftwerk Gerlos anschließende Neubau für "Gerlos II" ist rechtwinklig zum Krafthaus Gerlos, an der Stelle der alten Werkseinfahrt, angeordnet. Das neue Krafthaus setzt sich aus drei quaderförmigen, mit Flachdächern gedeckten Baukörpern zusammen, deren westliche Stirnseiten an die Zufahrt zum alten Krafthaus angrenzen.
Der Bau ist auf einer Fläche von etwa 36,5/43 m errichtet und insgesamt mehr als 32 m hoch. Die Höhe des mittleren Quaders, der die Maschinenhalle beherbergt, beträgt oberhalb der Unterwasser-Plattform etwa 23 m. Er überragt die beiden Seitentrakte und ist mit anthrazitfarbenen Betonplatten verkleidet. Über zwei schmalen, querrechteckigen Fensterfeldern ist im linken, unteren Bereich der westlichen Stirnwand eine große, quadratische und durch Sprossen unterteilte Fensteröffnung angeordnet, die den hohen Luftraum über dem Vorplatz zur Maschinenhalle belichtet. Gleichzeitig ist sie auf die Achse des Maschinensatzes und auf die Öffnung des Turbinenauslaufes zum Unterwasserbecken ausgerichtet. Die niedrigeren Seitentrakte sind mit einem grauen Vollwärmeschutz verkleidet, auf dem Rankgitter montiert wurden. Eine schmale, hochrechteckige Öffnung, die vom Eingangsniveau bis in das Obergeschoß reicht, gliedert die Stirnfassade des nördlichen Seitentraktes, während jene des südlichen Seitentraktes vor dem Umspanner-Raum eine quadratische Öffnung aufweist. An den Längsseiten der Trakte sorgen querrechteckige Fensteröffnungen für die Belichtung des Inneren. Die für Efeu und wilden Wein vorgesehenen Berankungsgitter sind teilweise über die Fensteröffnungen hinweggeführt.
Auf einer Rampe erfolgt von Norden die Zufahrt zum neuen Krafthaus. Vom Einfahrtstor gelangt man zum Vorplatz der Maschinenhalle, über dem sich ein hoher Luftraum befindet. Über ein zweiflügeliges Tor ist der Umspanner-Raum im südlichen Seitentrakt erreichbar. In den Räumen der Tiefgeschoße, des Erdgeschoßes und des ersten Obergeschoßes sind die Kugelschieber, der Maschinensatz und technische Nebenräume untergebracht. Der über die Seitentrakte hinausragende Teil wird von der etwa 30 m langen, 13,50 m breiten und 8,30 m hohen Maschinenhalle eingenommen. Die als Konsole in den Raum vorkragende Kranbahn verläuft unterhalb der querrechteckigen Fenstern an beiden Längsseiten, an der östlichen Stirnseite ist ein weiteres querrechteckiges Fensterfeld situiert. Zwischen den Sichtbeton-Stegen der Deckenuntersicht sind die Akustikplatten weiß beschichtet, die Wände der Maschinenhalle sind in betongrau gehalten, der Boden mit schwarz-weiß gesprenkeltem Belag versehen. Die beiden Seitentrakte enthalten jeweils ein zweiarmiges Stiegenhaus, den Leitstand, Lüftungsräume und weitere technische Einrichtungen. Sämtliche Architektur-Oberflächen und die Teile der technischen Ausstattung sind nach einem Farbkonzept der Architekten gestaltet.
Südlich des neuen Krafthauses schließt das ebenerdige, mit einem Satteldach gedeckte Gebäude der Maschinenwerkstätte an. Es wurde an Stelle des alten Werkstättengebäudes errichtet und bildet die Verbindung zwischen Neu- und Altbau. Seine glatten Außenflächen sind verputzt, gelb beschichtet und nach Westen mit hochrechteckigen Fensteröffnungen sowie zwei Toren geöffnet.
Zwischen neuem Krafthaus, altem Krafthaus und Schalthaus wird ein rechteckiger, gegen Nordwesten orientierter Platz gebildet, an den das neue Unterwasserbecken anschließt.
Triebwasserzufuhr
Das Triebwasser aus dem Speicher Gmünd wird über eine etwa 90 m lange Druckrohrleitung, die an den bestehenden Triebwasserweg angeschlossen ist, zum Krafthaus geführt.
Abtransport von Triebwasser
Nach Abarbeitung fließt das Wasser in das Unterwasserbecken mit einem Nutzinhalt von etwa 25.000 m³ und einem Stauziel von 574 m Seehöhe. Vor der Einmündung des Unterwasserbeckens in den Gerlosbach befindet sich ein Entlastungsbecken, das den Abflussschwall regelt.