Um die abfließenden Gewässer des Reißeck-Massivs unterhalb des Seen-Plateaus energietechnisch nutzen zu können, war bereits in den frühen Planungen von Franz Friedrich Wallack in den 1920er-Jahren eine Laufwerkstufe Reißeck vorgesehen. Nachdem sich das Projekt während der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich verändert hat, übernahm mit der Gründung der Österreichischen Draukraftwerke AG 1947 Wilhelm Steinböck die Projektleitung des vormaligen Kelag-Projektes (Kärntner Elektrizitäts-AG). Er plante die Fassungen von Mühldorfer-, Riecken-, Zwenberger- und Kaponigbach an der nördlichen Talflanke und die Ableitung der Wasser in das Krafthaus Kolbnitz, wo später auch die Machinensätze des Jahresspeicherwerkes Reißeck und des Tagesspeicherwerks Kreuzeck untergebracht werden sollten. Die Beileitung des Kaponigbaches scheiterte letztlich an einem zu langen Zuleitungsweg und der stattdessen vorgenommenen Zuleitung zum Mallnitz-Kraftwerk der Österreichischen Bundesbahnen. Die später als Alternative geplante Beileitung des Gößbaches nördlich des Reißeck-Plateaus war ebenfalls nicht möglich, da dieses Gewässer für das ab 1970 errichtete Kraftwerk Malta-Hauptstufe vorgesehen war.
Der im Kelag-Projekt vorgesehene Tagesspeicher am Nebelkofel oberhalb von Mühldorf konnte aus topografischen Gründen nicht errichtet werden, weshalb man als Ersatz einen Tagesspeicher auf der Gondelwiese westlich davon errichtete.
Die meisten Stollen für die Druck- und Beileitungen wurden in den Jahren 1949 bis 1951 ausgebrochen, lediglich der Zwenbergstollen konnte erst 1957 fertiggestellt werden. Bereits in der Bauzeit wurde der Seeanstichstollen des Großen Mühldorfer Sees ausgebrochen, um den Speicherinhalt in den Mühldorfer Bach abzulassen, wo dieser über die Bachfassung in den Speicher Gondelwiese gelangte. Auf diese Weise war bereits während des Baus des Tagesspeicherwerks Reißeck eine Nutzung des Wassers vom Seenplateau möglich.
Die Fertigstellung der Triebwasserwege und eines Teiles der Bachfassungen erfolgte im Herbst 1950, sodass am 23. November bereits der erste Maschinensatz in Betrieb gehen konnte. Die Errichtung der Mühldorfer Bachfassung und des Freispiegelstollens konnte im Frühjahr 1951 erfolgen. Materialengpässe und Lieferschwierigkeiten in der Nachkriegszeit verzögerten den weiteren Ausbau, sodass die Arbeiten mit der Inbetriebnahme des zweiten Maschinensatzes erst Ende April 1952 abgeschlossen werden konnten.