Ausschlaggebend für die Planung des Fernheizkraftwerks Mellach war der Ausstieg aus der Kernenergie nach der Volksabstimmung zum Kraftwerk Zwentendorf im November 1978. Ein neues Fernheizwärmekraftwerk sollte den Bedarf an elektrischer Energie in den Wintermonaten sicherstellen und zusätzlich Fernwärme für Heizung produzieren.
Projektierung
Die Planungen der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) begannen im Frühjahr 1979. Für den Standort im Süden von Graz sprachen mehrere Punkte. Die Nähe der Mur erlaubte eine Frischwasser-Durchlaufkühlung, das nahe gelegene Fernheizkraftwerk Graz konnte als Verteilpunkt für die Fernwärme genutzt werden, Straßen- und Bahnanschlüsse konnten hergestellt und die elektrische Energie günstig abgeleitet werden.
Nachdem ein Standort in Kalsdorf an einer Beschränkung für die Höhe des Kamins und ein Standort in Werndorf an Naturschutzbelangen gescheitert war, entschloss man sich zur Errichtung des Kraftwerks in Mellach. Die Trassenlänge der Fernwärmeleitung bis Graz betrug für diesen Standort zwar bereits 17 km, allerdings konnten durch die Nachbarschaft zum Wärmeraftwerk Neudorf-Werndorf und zum geplanten Mur-Kraftwerk Mellach infrastrukturelle Vorteile erzielt werden.
Bewilligungsverfahren
Nach der Auswertung eines interdisziplinären Gutachtens fasste man im November 1980 den Baubeschluss, im Frühjahr 1981 folgten die Eingaben an die Behörden. Im April und Mai 1982 erging der Bescheid gemäß Dampfkesselemissionsgesetz (DKEG) und die Widmungsbewilligung, im Mai 1983 folgte die Baubewilligung. Da gegen die positiven Bescheide zahlreiche Einsprüche erhoben wurden, ging das Genehmigungsverfahren in die zweite Instanz. Diese entschied in Bescheiden vom Jänner, April und Juni 1983 nach Erteilung umfangreicher Auflagen, die vor allem die Rauchgasentschwefelung betrafen, ebenfalls positiv.
Es wurde jedoch neuerlich gegen den Bescheid nach dem Dampfkesselemissionsgesetz Beschwerde eingelegt und in der Folge der Bescheid der zweiten Instanz vom Verwaltungsgerichtshof aufgehoben. Die Berufungsverhandlung vom Juli 1984 bestimmte nunmehr die Einhaltung wesentlich strengerer Grenzwerte, die auch die Rauchgasentstickung betrafen, und so musste nachträglich eine Entstickungs-Anlage eingeplant werden. Im Sommer 1986 hob das Höchstgericht den vorliegenden Bescheid nach dem Dampfkesselemissionsgesetz mit der Begründung auf, dass die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) für das Kraftwerk keine gewerberechtliche Genehmigung eingeholt hatte. Die Bescheidauflagen der nachzuholenden Genehmigung orientierten sich nunmehr am Entwurf der dritten Durchführungsverordnung des Dampfkesselemissionsgesetzes.
Ausführung
Gleichzeitig zu den Genehmigungsverfahren führte die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) die Planungsarbeiten für das Kraftwerk so weit als möglich weiter. Nach Durchführung eines Wettbewerbes wurde Architekt Walther Kordon mit der architektonischen Gestaltung des Kraftwerks beauftragt und im Juli 1983 fand der offizielle Spatenstich statt. Ausführende Firma war die Allgemeine Österreichische Baugesellschaft - A. Porr AG. Im Rahmen des Kraftwerkbaus errichtete man eine Brücke über die Mur, auf der ein Teil des Baustellenverkehrs abgewickelt wurde und über die außerdem die Gleise für die Schleppbahn der Kohletransporte führen.
Der starke Eintritt von Grundwasser in die Baugrube machte aufwändige Dichtungsarbeiten erforderlich. Nach dem Unterbau des Maschinenhauses wurde die Errichtung des Stiegenhausturmes - auch "Verkehrsturm" genannt - neben dem Kesselhaus in Angriff genommen. Anfang April 1984 begann die Montage der Stahlfachwerk-Konstruktion des Kesselhauses. Der Kamin wurde 1984 von der Firma Mayreder hergestellt, wobei im Schnitt 4,88 m Kaminwand pro Tag hergestellt werden konnten. In 35 Tagen wurde eine Höhe von 172 m erreicht.
Ab August 1984 wurde der erste Abschnitt der Fernwärmeleitung nach Graz hergestellt. Nach Errichtung der Tiefbunkeranlagen und der Portalbühne für den Kohleabsetzer traf am 10. Juni 1985 der erste Zug mit polnischer Steinkohle im Kraftwerk ein. Ende Juli 1985 wurde die Kondensationsturbine aus der Schweiz angeliefert. Im Herbst desselben Jahres konnte mit der Montage der Umweltschutz-Anlagen begonnen werden. Im Dezember 1986 startete schließlich der Probebetrieb des Kraftwerks.
1986 erhielt die Porzellanfabrik Frauenthal in der Weststeiermark den Umwelt-Oscar für die im Kraftwerk Mellach eingesetzten Katalysatoren. Im Frühjahr 1992 kam es zu einem Bruch des Turbinengehäuses. Anlässlich der während des Sommers vorgenommenen Reparaturarbeiten, bei denen die aufgetretenen Risse verklammert wurden, versah man die Maschine mit Messeinrichtungen. 1993 wurde ein neues Turbinengehäuse eingebaut und gleichzeitig konstruktive Verbesserungsmaßnahmen vorgenommen. Im März 1995 erfolgte eine erste Öko-Auditierung im Rahmen der Europäischen Union nach der Norm EMAS-V. 1996 wurde das Fernheizkraftwerk Mellach als sauberste Anlage Europas mit dem Öko-Audit zertifiziert:
Im März 2003 begann man mit der Errichtung einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage im Fernheizkraftwerk Mellach statt, und im November desselben Jahres konnte der Versuchsbetrieb starten. Nach der Behördenverhandlung im November 2004 und Erteilung eines positiven Bescheides im Jänner 2005 wurde nach etwa sechsmonatiger Bauzeit die Anlage im Oktober 2005 in Betrieb genommen. Im Rahmen des "Fast Forward Awards" erhielt die VERBUND-Austrian Thermal Power GmbH & Co KG (ATP) zusammen mit der Firma Saubermacher Dienstleistungs AG im Juni 2005 den Sonderpreis "Ökotechnik".
Auf dem Gelände der östlichen Kohlelagerhalde plant die VERBUND-Austrian Thermal Power GmbH & Co KG (ATP) die Errichtung eines Gas- und Dampfturbinen-Kombinationskraftwerks (GDK). Zu diesem Projekt wurde 2003 die Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) erstellt, 2005 fand die Behördenverhandlung nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz (UVP-G) statt.