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28. September 2011

Nachlese energy2050 Tag 1

Am 1. Tag der Energiekonferenz ging es um den Umbau des Energiesystems und die damit verbundenden Herausforderungen.

Das war der 1. Tag
Wir verabschieden uns für heute, danken für euer Interesse und freuen uns auf morgen, wenn es um den Energiemarkt Europa-Russland-Türkei und smarte Erzeugungstechnologien geht.

16:30 So, die Schlussrunde für heute startet
Thema: Welche Infrastruktur brauchen wir für eine sichere Versorgung? Erster Talkgast ist Manfred Fischedick, Vizepräsident und Forschungsgruppenleiter des Wuppertal Institut. Fischedick wiederholt ein paar Argumente des Vormittags zur Integration der Erneuerbaren und den Ausbau des Netzes. Katze beißt sich in den Schwanz, denn viele heutigen Kraftwerke sind Grundlastkraftwerke. Thurnher: Was tun? Fischedick: Bestehende Kraftwerke optimieren; müssen uns aber von Kraftwerken, die permanent Grundlast fahren, verabschieden. Intelligente Systeme und Speicherungen müssen diese ersetzen. Und neue, flexible Großkraftwerke brauchen wir auch. Thurnher will wissen, woher wir die Technologien bekommen. Fischedick: Können wir noch nicht von der Stange kaufen, aber das wird. Im Jahr 2000 hat auch niemand daran geglaubt, wie schnell die Erneuerbaren-Technologien kommen würden.

Prosuming: Nicht alle wollen intelligente Systeme (Thema Datenschutz, etc.). Fischedick: Lieber erste Gehversuche mit kleineren Kundengruppen machen, auch fortführen, wenn die Ergebnisse nicht gleich zufriedenstellend sind.

Zweiter Talk-Gast kommt: Peter Breuss, Technischer Direktor der REWE International (Billa, Merkur). Thurnher fragt nach Kühlhäusern und seine Gedanken dazu. Breuss: Wir haben keine Kühlhäuser, aber Kühlzellen. REWE hat bereits überlegt, zur Mittags-Stromspitze Stromverbrauch zu reduzieren (z. B. Kühlung der Regale für eine halbe Stunde einstellen); Problem: Temperaturen werden überschritten, daher lässt sich das nicht umsetzen.

Thurnher: Wo sind bei REWE Effizienz-Potentiale? Breuss: Heute 54 % des Energieverbrauchs einer Filiale gegenüber 2006 eingespart. REWE verbraucht 0,8 % des gesamten österreichischen Stromverbrauchs. 2/3 davon gehen in Kälteproduktion. REWE hat schon mal überlegt, das Billa-Sackerl durch Windrad zu ersetzen. Ja, dezentrale Stromerzeugung ist auch bei REWE ein Thema, vor allem Photovoltaik.

Dritter Talkgast ist Max Oberhumer, Geschäftsführer der Sappi Austria. Papier- und Zellstoffindustrie verbraucht ca. 5 % des österreichischen Stromverbrauchs; erzeugen aber selbst viel Strom in eigenen Kraftwerken; Branche ist - auf Wärme bezogen - autark. Potentiale in dieser Branche zur Erreichung der Klimaziele vorallem durch Effizienz. Konkret z. B. hat die Branche mehr als 1 % Energie pro Jahr eingespart, laut Oberhumer durch Prozessoptimierungen.

Jetzt gibt's eine Art Millionenshow-Quiz ...
Jeder im Saal darf mitvoten.
Thurnher bringt etwas Comic hinein.

Jetzt meldet sich ein EON-Manager und prophezeiht dem Strom eine sehr rosige Zukunft, da er in den Verkehrs- und Wärmebereich vordringt. Fischedick sieht das nicht genau so. Zitiert eine Studie, die für EON gemacht wurde und glaubt, dass Stromverbrauch leicht sinken wird. Diskussion wird jetzt sehr detailliert und intensiv, können wir hier so nicht mehr richtig wiedergeben ...

Thurnher unterbricht und geht zum 2. Voting über: Welche Technologien sollen bis 2030 hauptsächlich zur Stromerzeugung in Österreich installiert werden. Votum des Publikums: Photovoltaik 14 %, Wasserkraft 33 %, Wind 24 %, Biomasse 8 %, Gaskombikraftwerke 18 %, Kohle 1 %. Thurnher befragt Fischedick zu Wasserkraft, der für Deutschland keine großen Potentiale sieht.

Meldung aus dem Publikum (Mitarbeiter von Österreichs Energie): 13 TWh Potential für Wasserkraft in verträglichen Gebieten in Österreich. Bis 2020 sollen 7 TWh verwirklicht werden. Thurnher fragt, wie realistisch das ist, denn sie hat in ihrem Job grundsätzlich Zweifel an solchen "Umsetzungsenergien". Meldung aus dem Publikum: In Österreich fehlt Umsetzungsakzeptanz für Wasserkraft, das muss sich ändern.

Weitere Meldung aus dem Publikum (Donau-Uni Krems): dankt der Industrie, die in Österreich produziert und trotzdem versucht, Energieverbrauch zu senken. Weist auf eine Studie hin, laut derer der Energieverbrauch Österreichs um 40 % höher wäre, würden jene Waren im Land gefertigt, die wir heute aus dem Ausland importieren.

Thurnher fragt Oberhumer von Sappi nach einer möglichen Abwanderung wegen Energie-Thema. Oberhumer: Drohung bringt nichts. Aber: es braucht ordentliche Rahmenbedingungen, vor allem durch Politik forciert. Energie ist für Sappi ein Kernproduktionsfaktor. Wenn Rahmenbedingungen sich negativ entwickeln, gibt es keine Investitionen mehr. Oberhumer weist auf Einstellung der Papiererzeugung in Hallein hin.

Thurnher startet mit dem 3. Voting: "Wie werden sich die Energiekosten in Österreich und Europa bis 2030 entwickeln, wenn Strom nur mehr aus Erneuerbaren kommen?"
1 % Preise für Öl, Gas und Strom fallen parallel
39 % Preise für Öl, Gas und Strom steigen parallel
16 % Preise entwickeln sich gegengleich
42 % Preise für Öl und Gas steigen und es gibt viele verschiedene Strompreise

Die Diskussion geht um Strompreise und die Frage, ob Konsumenten bereit sind, mehr für ein gutes Gewissen zu zahlen. Breuss von REWE meint ja und verweist auf die Bio-Marke Ja!Natürlich, die einen Anteil von 5-10 % hat. Meldung aus dem Publikum: 1 % seiner Kunden ist bereit, mehr für Ökostrom zu zahlen.

Meldung aus dem Publikum: Politiker tauchen auf solchen Konferenzen auf, geben Statements ab und sind dann verschwunden, wenn wissenschaftliche Statements kommen. Vorschlag, Veranstaltungen so zu organisieren, dass Politiker diese wichtigen Inputs auch mitbekommen.

Fischedick: Es gibt ständig gegen alles Widerstand. So kann man nichts umsetzen. Zugleich braucht es einen gesellschaftspolitischen Konsens, denn man kann nicht Projekte gegen die Bevölkerung durchsetzen. 

15:55 Kaffeepause - Gleich geht's weiter
In der Zwischenzeit werfen wir einen Blick in die klassischen Medien. Die Salzburger Nachrichten berichten vom Auftakt der Energiekonferenz, auch Der Börsianer.

15:40 Diskussionsrunde Nummer 2
Thurnher fragt nach der Rolle von Putin für die Energiebranche. Mangott: Putin hat Energie privatisiert. Nur Gazprom (einer von drei russischen Gaskonzernen) darf das Ausland versorgen. Jetzt startet die Fragenrunde mit dem Publikum.

Frage nach UNO-Zielen: Wie stellt sich die internationale Gemeinschaft das vor, was kann Österreich dafür machen?
Nakicenovic will Best-Practice-Beispiele und Aktionsplan. Und: Investitionen können nicht nur von Staaten kommen, es braucht dazu industry leader, die Projekte pushen.

Van Son spricht über Position Österreichs: Österreich ist heute Drehscheibe für Gas und könnte ebenso Drehscheibe für Strom werden, vor allem wenn man auch an die Anbindung des Mittleren Ostens (auch Saudi-Arabien) denkt.

Weitere Frage an Van Son: Potentiale für Windenergie in Maghreb so hoch, dass daraus 10 mal der Verbrauch Europas gedeckt werden könnte. Warum wird immer so stark auf Solar fokussiert? Wenn Zeit drängt, warum auf das Embryo setzen, statt auf das Rennpferd? Warum legt man nicht los?
Van Son: Stimmt. Wind ist derzeit das Interessanteste für Marokko, etc. Wichtig ist, dass Desertec jene Technologie vorantreibt, die noch Unterstützung braucht. Van Son bringt eine Metapher: Ein Vater hat drei Kinder; eines lernt sehr gut (Wind); eines ist noch in der Lehre (Photovoltaik); und eines tut sich noch schwer (Solarthermie). Desertec ist also auch ein Stück Systemintegration.

Haider: In Jordanien spielt Wind bereits dieselbe Rolle wie Solar.

Publikumsfrage: Warum wird Wasserstoff nicht mehr diskutiert? Was ist da passiert?
Nakicenovic: Wie bei vielen anderen Sachen: Für Wasserstoff braucht es ein neues Geschäftsmodell. Wasserstoff kann nicht einfach Gas ersetzen, dazu ist die Produktion zu hoch. Nach 2050 spielt Wasserstoff für Nakicenovic eine größere Rolle, denn dann soll sich der Übergang von Erdgas auf Wasserstoff vollziehen.

15:20 Bernhard Haider

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Bernhard Haider arbeitet für PWC am Aufbau einer Energieversorgung in Ramallah im Westjordanland. Haider will zeigen, warum gerade Maghreb-Staaten, die oftmals große Ressourcen an Öl und Gas besitzen, auf Erneuerbare umstellen wollen.

Z. B. 95 % des Energiebedarfs in Marokko müssen derzeit importiert werden, obwohl die Voraussetzungen für Wind- und Solarenergie kaum besser sein könnten. Ähnlich die Situation in Libyen. Auch Saudi-Arabien subventioniert die eigene Energieerzeugung. Viele dieser Länder wollen daher in die Erneuerbare-Erzeugung einsteigen. Aber: Ohne entsprechende Anschubfinanzierungen und Subventionen sind viele Projekte nicht realisierbar.

Das Westjordanland wäre ideal für Solarkraftwerke, allerdings fehlt es dort am Backbone: Es gibt keine Hochspannungsleitungen und kein Verteilnetz.

15:00 Paul van Son

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Zur Vorbereitung ein paar Links: Interview in der FAZ und Kopf des Tages in der FTD.
Jetzt geht's um Desertec: Nach "Arab Spring" entdeckt Europa auch ein bisschen, dass es einen Nachbar im Süden hat. Die Bevölkerung des Maghreb wächst stark und braucht auch selbst mehr Energie. Es braucht also zunächst einmal mehr Interesse für diese Region. Fukushima ist wie ein Geschenk des Himmels für Projekte wie Desertec. Atomkraft ist eine veraltete Technologie.

Alle Technologien haben eine Lernkurve: Zunächst sind sie unbezahlbar, aber irgendwie findet eine Technologie einen Weg, auch durch Stimulierung (z. B. staatliche Anreize), danach geht es in den Innovationsbereich über und erreicht damit den Markt. In 10-20 Jahren soll Energie aus der Sahara im Markt wettbewerbsfähig sein.

Desertec ist ein Unternehmen, das das klare Ziel hat, Geschäft zu machen. Die Frage ist jetzt: Was kann man mit den Ländern des Maghreb gemeinsam machen, um für alle Beteiligten Nutzen zu erreichen. Nur Studien alleine helfen niemandem; Desertec möchte daher möglichst bald ein Demoprojekt starten und damit beweisen, dass es funktionieren kann. Und: Desertec zählt auf viele verschiedene Partner und Verbände.

Zwischendurch: Details zum Desertec-Projekt in der Wikipedia und auf der Website.

Desertec ist offen gegenüber den Technologien, die dann zum Einsatz kommen sollen. Interessant z. B. die Koppelung von Gaskraftwerken und Solarkraftwerken.

14:40 Gerhard Mangott

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Gerhard Mangott spricht über das Thema Gas und Europa. Gas, das haben wir am Vormittag bereits gehört, gewinnt an Bedeutung aufgrund neuer Gaskraftwerke. Europa selbst besitzt aber wenig eigene Gasreserven. Die wesentlichen Gasversorger der EU sind Russland, Norwegen und Algerien. Russland ist besonders wichtig, bisher kommt alles Gas über die Ukraine. Nordstream soll das ändern, wenn erstmals direkt von Russland nach Deutschland Gas fließt. Southstream soll dagegen eine südliche Verbindung von Russland nach Europa bilden.  

14:15 Jetzt geht's um die Transformation des Energiesystems
Ingrid Thurnher weist auf zwei Dinge hin: den tollen interaktiven Tisch im Foyer und auf die E-Autos vor dem Tagungszentrum, die es in dieser hohen Dichte immer noch selten bei uns gibt.

Nebojsa Nakicenovic spricht jetzt über moderne Energieträger für alle, die die Grundlage für Entwicklung darstellen. 1,2 Mrd. Menschen weltweit kochen mit Biomasse (Holz). Neben Energieeffizienz ist Klimaschutz die zweite große Herausforderung. 

12:38 Wir machen Mittag und starten hier wieder um 14 Uhr mit der Session 2.

11:30 Erste Diskussionsrunde

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Ingrid Thurnher moderiert den Talk mit Anzengruber (VERBUND), Roiss (OMV), Höhn (Bündnis90/Die Grünen), Hesoun (Siemens) und Berlakovich (ÖVP).

Für Berlakovich ist der Atomausstieg in Deutschland bemerkenswert, aber längst fällig: Obwohl uns Tschernobyl gelehrt hat, dass diese Technologie nicht sicher ist und auch die Endlagerung des Atommülls nicht gelöst ist, gab es bisher keine wirklichen Konsequenzen. Europa braucht eine sichere Energieversorgung. Für Berlakovich ist Energieeffizienz das Um-und-Auf, auch auf regionaler und lokaler Ebene, er zeigt das am Beispiel Güssing.

Thurnher: Anzengruber könnte sich doch mit seiner Wasserkraft beim Thema Klimaschutz zurücklehnen, oder? Anzengruber will sich nicht zurücklehnen; für ihn haben auch geschlossene Grenzen keinen Sinn (Energieautarkie), sondern er möchte sinnvolle wirtschaftliche Projekte umsetzen, und zwar auch auf lokaler Ebene. Thurnher will wissen, ob VERBUND die kleinen Stromerzeuger Angst machen. Anzengruber: Nein, denn es braucht sowohl die großen Konzerne als auch die dezentralen Erzeuger, es braucht leistungsfähige Übertragungsnetze ebenso wie intelligente Verteilnetze.

Anzengruber will bei der Wahrheit bleiben: Energie ist begrenzt verfügbar, Verbrauch steigt, daher steigen Preise. Aber: Konsument muss nicht automatisch mehr zahlen. Wenn durch Energieeffizienz der Verbrauch signifikant sinkt, die Preise moderat steigen, kann zahlt der Konsument letztlich nicht mehr. Man muss auch dafür sorgen, beim Thema Energie eine Marktwirtschaft zu erhalten (keine sinnlosen Anreize für unausgereifte Technologien). Es braucht Wettbewerb und auch Rendite, sonst fehlen der Energiebranche die dringend nötigen Investoren.

Roiss: 1998 hatte die OMV Peak-Produktion erreicht, seitdem geht es "bergab". Gas ist Zukunft und es sind Milliarden-Investitionen nötig, bis neue Gasfelder erschlossen sind und das Gas bei uns ankommt. Das Produkt der OMV ist nicht Öl, nicht Gas, sondern die Versorgungssicherheit.

Hesoun: Für Siemens sind sowohl die fossile als auch die grüne Seite interessant. Mit Forschung und Entwicklung sorgt Siemens dafür, dass Energie technisch state-of-the-art erzeugt wird. Z. B. mit der neuesten Generation von Siemens Gasturbinen, deren Entwicklung mehrere Jahre und zweistellige Millionenbeträge benötigt. Ebenso arbeitet Siemens bereits an umfassenden Energiemanagementsystemen, die aber noch Zeit brauchen und auch ihre Grenzen haben werden.

Thurnher will von Höhn wissen, was sie den Demonstranten in Fuschl (Gegner der 380-kv-Leitung) heute gesagt hätte. Höhn erzählt von Erfahrungen in Deutschland: Zunächst braucht es einen Plan, der klärt, wo die Leitungen verlaufen sollen. Dann muss man zu den Leuten gehen und sich mit ihnen die genaue Trasse ansehen und eine Lösung finden. Es muss aber auch allen klar gemacht werden, dass es eine Lösung und Entscheidung braucht. In 50 Jahren gibt es für Höhn keine Grundlast mehr, alles läuft über Erneuerbare.

Diskussion zwischen Anzengruber und Höhn: Anzengruber will nicht, dass der Staat wieder Kraftwerke baut. Es braucht Wettbewerb und einen funktionierenden Markt. Für Höhn sind Stromkonzerne große Tanker, wo sich Dinge nur langsam ändern. Daher braucht es kleinere Unternehmen wie Stadtwerke, die vorzeigen, was mit Erneuerbaren möglich ist.

11:00 Bärbel Höhn

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Bärbel Höhn von den Grünen (Deutschland) ist frisch aus Deutschland eingeflogen und startet jetzt mit ihrem Vortrag (statt Jürgen Trittin, der verhindert ist). Deutschland muss den Kraftwerkspark ersetzen durch Erneuerbare 

Im 1. Halbjahr 2011 hat Deutschland mehr Strom exportiert als importiert - trotz dem Abschalten der ersten AKWs. Deutschland bedient sich also nicht mit dem (Atom-)Strom aus Frankreich.

20 % Erneuerbare-Anteil am Strommix in Deutschland. Laut Bundesregierung soll das auf 35 % bis 2020 ausgebaut werden. Dazu braucht es Übertragungsnetze, wie auch Studien belegen (z. B. DENA-Studie). Ca. 1.500 km neue Übertragungsnetze nötig. Braucht auch Strategien, wie das mit der Bevölkerung umgesetzt werden soll. Höhn sieht sich als Grüne prädestiniert, mit Bürgerinitiativen gemeinsam schnell Lösungen zu finden. Grundsätzliche Entscheidungen mit der Bevölkerung treffen und daraus folgt eine konkrete Planung. Bis 2020 soll auch der Stromverbrauch um 10 % sinken (Energie-Effizienz).

"Was kostet der Spaß": Je nach Institut und Umfang kostet das Deutschland 130 Mrd. bis 170 Mrd. Der Ausbau von 1.500 km Netz würde eine Steigerung des Strompreis je Haushalt und Monat um 60 Cent bedeuten.

Deutschte Stadtwerke sind bereit, 7 Mrd. Euro in neue Gaskraftwerke zu investieren. Von 2005 bis heute Preissteigerung des Stroms um fast 40 % in Deutschland - dafür sind aber nicht die Erneuerbaren-Umlagen verantwortlich.

Warum geht der Netzausbau in Deutschland nicht voran? Einerseits lokaler Protest der Bevölkerung, andererseits sind die Betreiber der Netze ein Stück weit überfordert (Netze wurden von den großen Konzernen verkauf bzw. ausgelagert). Investitionen in Netze waren in der Vergangenheit eher gering.

Grüne wollen, dass Stadtwerke und Kommunen stärker einbezogen werden in die Stromerzeugung, Konzerne verlieren ihre hohen Margen - dient dem Wettbewerb. Die Frage ist auch, wie integrieren sich die Erneuerbaren in den Markt und damit Wettbewerb. Es braucht daher neue Marktsysteme. Idee: Markt für kurzfristige und langfristige Stromspeicherung. Und: Es muss investiert werden.

10:29 Ingrid Thurnher moderiert Außenminister Spindelegger an

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Michael Spindelegger, Außenminister der Republik Österreich, erzählt von seinem UNO-Treffen in der letzten Woche in New York. Fossile Energien sind heute mit 81 % global dominant; Die Europa-27 importieren mehr als die Hälfte ihrer Energie: 84 % des Erdöls, 62 % des Erdgas. Bis 2050 verdoppelt sich die Energienachfrage. Gleichzeitig müssen wir CO2-Emissionen reduzieren, in der OECD sogar um 80 %. Dazu Herausforderungen des Klimawandels generell. Auch das Thema Atomkraft fordert, seit Fukushima wieder stärker. Ausstieg von Deutschland ist zwar erfreulich, aber was bedeutet das für den Strompreis? Woher kommt die Energie dann? Wie gehen wir die Herausforderungen an? Nuklearsicherheit ist für Österreich wichtig, da soll es auch keine Zugeständnisse geben. Wir brauchen internationale Sicherheitsstandards, die angehoben und lückelnlos umgesetzt werden müssen. Verbindliche Haftungsregeln ohne zeitliche und monetäre Begrenzungen sind ebenso nötig. Auch der Gerichtsstand sollte dort sein, wo Menschen betroffen sind, und nicht dort, wo die Unternehmen sitzen.

EU-Projekte wie Southstream und Nabucco sind Projekte, die schwierig sind, aber wichtig für Europa werden. Politik und Wirtschaft müssen hier an einem Strang ziehen. Bei Southstream gibt es große Interessen von Russland, aber auch wir sollten unsere Interessen durchsetzen.

Umbau des Energiesystem in Österreich - was wird gemacht: Verordnung für Stromkennzeichnung ist wichtig, weil viele Bürger keinen Atomstrom wollen. Dagegen ist die Strom-Transparenz in Europa noch lange nicht gewährleistet, denn die Herkunft von 95 % des Stroms in Europa ist heute nicht gekennzeichnet.

In Österreich haben wir einen 70-%-Anteil an Erneuerbaren Energien am Strommarkt, bis 2020 wollen wir das auf 80 % steigern. Wie? Z. B. durch den Ausbau der Wasserkraft. Ein großes Ziel: 2050 soll in Österreich so viel Energie aus Erneuerbaren erzeugt werden, wie wir verbrauchen. Das braucht aber konkrete Taten. Und wir sollten uns nicht zufrieden geben mit dem, was wir erreicht haben. Z. B. Planungsverfahren beschleunigen. Braucht auch klare Entscheidungen, nicht ständig Entscheidungen verschieben  (z. B. UVP-Verfahren beim Projekt GKI dauert bereits 30 Monate). Investitionen in die Energieinfrastruktur sind entscheidend. Ausbau muss zügig vorangetrieben werden. "Wasser predigen, Wein trinken" ist nicht die Lösung, besser wäre "Wasser predigen, Wasserkraft beschließen".

Best-Practice so far: Thermische Sanierung ist ein großer Erfolg. 35 Mio. Förderung für Photovoltaik. Zukünftig: "My home is my power plant". E-Mobility wird signifikant, ob wir Ziele im Klimaschutz erreichen. Jeder 20. Job in Österreich ist heute ein Green Job. Bis 2020 wollen wir weitere 100.000 Beschäftigte in diesem Zukunftssektor.

Welche Probleme haben wir noch: Als Vorreiter müssen wir auch lernen, dafür Lösungen zu finden. Photovoltaik und Windparks müssen ihren Strom auch einspeisen können. Infrastrukturprojekte sind daher nötig. Finanzierungsfragen: Wie viele Anreize verträgt der Mark und wie lange? Auf Dauer muss man für Wettbewerb sorgen. In Europa muss Energie dort genutzt werden, wo sie am besten funktioniert: Wind im Norden, Sonne im Süden, Wasserkraft in den Alpen. EU-Kommission schätzt den Finanzierungsbedarf zum Umbau des Energiesystems auf 270 Mrd. Euro jährlichen Investitionsbedarf, klingt viel, sind aber nur 1,5 % des BIP der EU.

09:57 Begrüßung durch David Brenner
David Brenner, Landeshauptmann-Stellvertreter von Salzburg, begrüßt die Teilnehmer. Energiewende wird es nicht zum Nulltarif geben - sondern nur, wenn wir hinter dem Ausbau der Erneuerbaren stehen. Auch wenn einmal weniger Wasser in der Salzach fließt, muss sichergestellt sein, dass Strom aus z. B. dem Burgenland oder Europa in Salzburg ankommt - und umgekehrt. Prosumer und Smarte Netze werden in Zukunft eine wichtige Rolle gewinnen. Dieser Wandel braucht Know-how auf allen Gebieten - Politik, Wirtschaft, Wissenschaft. Brenner zitiert eine Studie, der zufolge der Umbau des Energiesystem in Europa bis 2030 rund 500 Mrd. Euro kosten wird. Stellt auch bewusst die Frage, wer diese Kosten tragen soll. Zusammenfassend weist auch Brenner daraufhin, dass diese Energiewende nur in einer großen europäischen Gemeinschaft zu realisieren sein wird.

10:00 Begrüßung durch Wolfgang Anzengruber

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Wolfgang Anzengruber, Vorsitzender des Vorstands der VERBUND AG, begrüßt die Teilnehmer und spricht über die wichtige Rolle Europas in der Energiewende. Bis 2050 wird Elektrizität im Energiemix eine immer bedeutendere Rolle erhalten. Nationen wie China und Indien brauchen heute schon große Energiemengen, dafür muss es in Zukunft nachhaltigere Lösungen als fossile Brennstoffe geben. Heute haben 1,5 Mrd. Menschen keinen Zugang zu Elektrizität.


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