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11. Oktober 2011

Wenn jeder dem anderen helfen wollte ...

... so wäre allen geholfen. Dieses Zitat der Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach ist zugleich das Motto von Andreas Kuchlers Engagement für bedürftige Menschen in der Ukraine.

Bei VERBUND arbeitet er im Bereich Wasserkrafterzeugung, in seiner Freizeit organisiert der gebürtige Kärntner aber mehrmals im Jahr Transporte mit Hilfsgütern – alleine dieses Jahr rund 20 Tonnen – in die ärmliche Karpaten-Region in der West-Ukraine. In seinem Video berichtet Andreas von seinen ehrenamtlichen Hilfsaktionen und beantwortet uns auch gleich ein paar persönliche Fragen.

VERBUND: Andreas, wie kommst du eigentlich zu diesem Hilfs-Engagement?

Andreas: Im Jahr 1989 organisierte mein Vater eine Familienzusammenführung. Die Einreisebestimmungen wurden kurz vor dem Zerfall der Sowjetunion etwas lockerer und wir konnten mit dem PKW anreisen. Meine Großtante – sie wurde nach dem Überfall von Hitler-Deutschland als 16-Jährige von den Nazis als Arbeitssklavin nach Kärnten verschleppt – wollte ihre alte Heimat Ukraine wieder besuchen und traf dort nach 47 Jahren ihre Mutter wieder. Es war eine sehr ergreifende Situation, die Tränen flossen – ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich daran denke. Für uns war der Osten damals noch völliges Neuland. Wir sahen, dass die Menschen an allen Ecken und Enden Hilfe und Unterstützung benötigten – die Sowjetunion und der gesamte Osten lagen in den letzten Zügen. Die Grundversorgung war nicht mehr intakt.

VERBUND: Was uns interessieren würde – wie wird aus einer losen Idee ein so lang andauerndes Hilfsprojekt?

Andreas: Nach dem ersten Ost-Erlebnis ließ uns die Gegend nicht mehr los. Die Kofferräume unserer Autos waren für die Hilfslieferungen bald zu klein. In den 90er-Jahren organisierten wir Kleinbusse von Firmen. Als auch diese Transportmittel zu klein wurden und wir schon längst über die Nachbarschaft hinaus Textilien und Spielzeug und vieles mehr sammelten, ließen wir die humanitären Waren per Sattelschlepper in die Ukraine bringen. Heute bekommen Hilfsbedürftige zwei Mal im Jahr je zehn Tonnen Waren von unserer Hilfsaktion.

VERBUND: Und wie sieht die Hilfe konkret aus?

Andreas: Die Hilfslieferungen sollen bedürftigen Menschen den schweren Lebensalltag erleichtern und Spitäler, Behindertenheime, Kinder- oder Waisenhäuser konstant unterstützen. Das schöne an der Aktion ist, dass wir die Waren größtenteils persönlich an Waisenkinder, Pflegeeltern, Kranke und Bedürftige übergeben. Mittlerweile haben wir sehr gute freundschaftliche Kontakte mit Verantwortlichen vor Ort geschlossen. Etwa mit dem Vizebürgermeister der Stadt Mukatschewo, Michail Michailowitsch Labosch, der zuständig für Soziales ist, oder Swetlana Sokolowa als Vertreterin der Stadt. Sie koordiniert die Verteilung vor Ort und weiß ganz genau, wo Unterstützung gebraucht wird.

VERBUND: Der Zerfall der Sowjetunion ist jetzt über 20 Jahre her. Wie kann man sich das Leben in der West-Ukraine heute vorstellen – hat sich zur Situation damals etwas verändert, verbessert?

Andreas: Ja, in den Städten schon. Da ist der Westen mit Banken, Tankstellen und Modeketten omnipräsent. In den ländlichen Regionen, insbesondere den Karpaten, glaubt man, die Sowjetunion existiert immer noch. Hier sind auf den meist noch überaus schlechten Verkehrswegen noch viele Fuhrwerke unterwegs, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Löhne sind gering.

VERBUND: Und was war dein schönstes Erlebnis in der Ukraine und warum?

Andreas: Es gibt viele wunderbare Erlebnisse. Beim direkten Helfen spürt man, dass Geben glücklicher macht, als Nehmen. Vor allem in den Waisenhäusern haben wir immer ganz rührige Erfahrungen gemacht. Kinder sind ehrlicher, gefühlsintensiver und gehen mit ihrer teilweise schwierigen Situation unbekümmerter um. Das gibt Hoffnung. Auch uns, wenn wir mit starken Eindrücken jedes Mal wieder nach Hause kommen und gleich wieder beginnen, den nächsten Transport zu organisieren.

Wenn ihr noch mehr zu Andreas Kuchlers Ukraine-Hilfe wissen wollt oder euch mit einer kleinen Spende beteiligen möchtet, erreicht ihr ihn unter andreas.kuchler (ät) verbund.com.

Geldspenden sind an folgendes Konto möglich: BLZ 12000, Konto-Nr. 00222 673 535

Andreas Kuchler, 35, arbeitet als Kommunikationsbeauftragter in der VERBUND Hydro Power, unserer Tochtergesellschaft für Wasserkraft-Erzeugung.