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02. Dezember 2011

Freizeit in der VinziRast

Als eine "Bereicherung für das eigene Leben" sieht Andrea Schwager ihr ehrenamtliches Engagement. Seit rund 2 Jahren hilft die VERBUND-Mitarbeiterin als eine von 60 ehrenamtlichen Mitarbeitern im VinziRast-CortiHaus in Wien mit.

Das VinziRast-CortiHaus in Wien bietet eine niederschwellige Notschlafstelle für etwa 50 obdachlose Menschen. Viele sind alkoholabhängig und psychisch krank. VERBUND-Mitarbeiterin Andrea Schwager engagiert sich in ihrer Freizeit dort ehrenamtlich.

Liebe Andrea, was können wir uns unter dem VinziRast-CortiHaus vorstellen?
Andrea: Für zwei Euro erhalten hier obdachlose Menschen einen Schlafplatz, ein Abendessen und Frühstück. Zudem die Möglichkeit, sanitäre Einrichtungen zu benützen. Gäste sind immer willkommen, egal ob Frauen, Männer, Menschen mit Alkoholerkrankung oder anderen psychischen Problemen. Die Gäste des VinziRast-CortiHaus dürfen zum Beispiel auch ihre Hunde - für viele ein treuer und wichtiger Begleiter - mitbringen.

Und was sind deine Aufgaben bei der VinziRast?
Andrea: Circa zwei Mal pro Monat übernehme ich die Nachtdienste in der Notschlafstelle. Der Dienst beginnt um 17.30 Uhr und endet am nächsten Tag um 8.00 Uhr früh. In dieser Zeit teile ich mit einer zweiten ehrenamtlichen Person Betten zu, bin Gesprächspartnerin und passe auf, dass alles in geregelten Bahnen läuft.

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In geregelten Bahnen? Welche Regeln gibt es?
Andrea: Regeln ansich gibt es wenige. Es dürfen zum Beispiel keine harten Getränke oder Drogen konsumiert werden, Gewalt ist tabu und rassistische Äußerungen werden auch nicht toleriert.

Hast du schon einmal eine schwierige Situation erlebt? Wie gehst du, wie gehen die anderen Ehrenamtlichen damit um?
Andrea: Für mich hat es sich gut bewährt, aus dem Bauch heraus auf Situationen zu reagieren und mich nicht immer sofort einzumischen. Viele Probleme klären die Gäste der Notschlafstelle direkt untereinander. Sollte Streit ausbrechen oder jemand zu viel Alkohol getrunken haben, gibt es meist helfende Hände unter den Gästen. Natürlich versuchen wir beruhigend und schlichtend einzugreifen, wenn sich die Situation zu sehr aufschaukelt. Spezielle Schulungen, wie man mit schwierigen Situationen umgeht, gibt es nicht, allerdings wird Supervision angeboten. Nur wenige der ehrenamtlichen Mitarbeiter haben eine Ausbildung im Sozialbereich. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen in der VinziRast arbeiten aber schon seit vielen Jahren in sozialen Einrichtungen und stehen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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Wie ist die Atmosphäre bzw. welcher Umgang herrscht untereinander?
Andrea: Den Menschen, die hier Aufnahme finden, Respekt entgegenbringen, ist der wichtigste Grundsatz bei dieser Tätigkeit. Es gibt Gäste, die wollen einfach einen Schlafplatz und ansonsten ihre Ruhe. Andere wiederum sind froh, mit  jemandem sprechen zu können. Für mich geht es darum, die Leute nicht verbessern zu wollen, sondern sie so zu nehmen, wie sie sind.

Wie bist du zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit beim VinziRast-CortiHaus gekommen?
Andrea: In den Jahren 2007 und 2008 wurde das VinziRast-CortiHaus saniert und umgebaut. Mein Mann betreute damals kaufmännisch den Umbau durch die Firma Strabag und erzählte mir immer wieder von der Notschlafstelle. Das war eigentlich der Grund, dass ich mich mehr für die VinziRast interessierte. Ich wollte mich damals sozial engagieren, dies musste aber mit meinem Vollzeitjob vereinbar sein. Aus einem „Schnupperabend“ ist schnell mehr geworden – mittlerweile bin ich nun mehrmals monatlich im VinziRast-CortiHaus im Einsatz und erfahre daraus viel Positives für mein eigenes Leben.

Ich habe es noch kein einziges Mal bereut, mich dafür entschieden zu haben. Seither sehe ich viele Dinge anders und mir ist durch meine Arbeit in der Vinzirast auch mehr bewusst geworden, wie gut es das Leben eigentlich mit mir gemeint hat!

Mehr Infos zum VinziRast-CortiHaus findet ihr auf der Website unter www.vinzirast.at.

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