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19. Dezember 2011

Sinn stiften und Zuversicht schenken

Nicht alle Menschen können einfach kommunizieren - manche brauchen dazu ein bisschen Technik, die leider teuer ist. Daher spenden wir zu Weihnachten zusätzlich 30.000 Euro an den Empowerment Fund der Diakonie, um genau dabei zu helfen.

Der Hintergrund
Seit 1. Dezember 2009 unterstützt der VERBUND Empowerment Fund der Diakonie Menschen mit körperlicher und/oder geistiger Beeinträchtigung in Österreich. Mit sogenannten "Assistierenden Technologien" erhalten Menschen überhaupt erst oder deutlich verbesserten Zugang zu Kommunikation und damit die Möglichkeit, am öffentlichen Leben teilzunehmen und damit ein selbstbestimmtes Leben zu gestalten.

Notwendig sind dafür vor allem spezielle technische Hilfsmittel, die jedoch in kleiner Zahl gefertigt werden und dementsprechend teuer und für viele nicht leistbar sind. Daher haben wir uns entschlossen, dieses Jahr 30.000 Euro zusätzlich an den Empowerment Fund zu übergeben - stellvertretend für unsere Kunden in Österreich.

LifeTools

Parallel zur finanziellen Unterstützung hat sich im letzten Jahr auch eine Initiative entwickelt, die die inhaltliche Kommunikation fördert. Unser Kollege Bernhard Heiller (rechts im Bild) ist einer von mehreren VERBUND-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die Teil der Initiative "Freunde bei VERBUND" sind. Er erzählt uns mehr über diese Kooperation und warum er und andere Kolleginnen und Kollegen viel fürs eigene Leben gelernt haben:

 

Freunde bei VERBUND
"Wer als an sich gesunder Mensch schon einmal in der Situation war - z. B. nach einer Verletzung oder Operation -, sich nur durch die Hilfe anderer Menschen fortbewegen, ernähren, pflegen oder verständlich machen zu können, wird dieses Gefühl des Angewiesen-Seins kaum je vergessen.

Doch viele Menschen sind - ob von Geburt an oder durch eine Unfallsfolge - nicht bloß vorübergehend eingeschränkt bewegungs- und handlungsfähig: Sie könnten ihr Leben ohne die praktische Hilfe und emotionale Zuwendung anderer Menschen überhaupt nicht bewältigen und können aus eigener Kraft keinen Lebensunterhalt erwerben.

Der "Digitalen Revolution" ist es zu verdanken, dass es für diese Menschen heute „Assistive Technologies“ gibt, die nahezu Unglaubliches leisten: Vom Wangensensor, mit dem ein selbstfahrender Rollstuhl gesteuert wird, über Sprachausgabe per Tastatur, zu sprachgesteuerter Haustechnik und zum augengesteuerten Schreiben am PC.

Aufgrund ihrer kleineren Serien und Spezialfunktionen ist diese Hardware für die meisten Betroffenen immer noch (zu) teuer – auch hier geht es nicht ohne die Hilfe Dritter ab. Deswegen unterstützen wir mit der Diakonie Österreich finanziell die Anschaffung von Assistive Technologies, vor allem die sogenannte Unterstützte Kommunikation - UK.

UK macht’s möglich: eine virtuelle Gemeinschaft entsteht
"Freunde bei VERBUND" - das ist der etwas sperrige Titel der heute um so lockerer kommunizierenden "geheimen" Plattform auf Facebook, durch die der "VERBUND Empowerment Fund" seit einem knappen Jahr auch die "Software" zur Hardware liefert: Kolleginnen und Kollegen engagieren sich in diesem Projekt zusätzlich zu den materiellen Hilfeleistungen auch durch Menschlichkeit, Wärme und Freundschaft.

Denn was nützen die besten technischen Möglichkeiten zur Kommunikation im Internet, wenn "auf der anderen Seite“ niemand zum Kommunizieren da ist? Dieser Gedankengang stand am Ursprung der von freiwilligen VERBUND-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeitern getragenen Aktion, sich gemeinsam in einer virtuellen Gruppe zum gegenseitigen Gedankenaustausch mit Menschen mit Behinderungen zu treffen.

Durch die engagierten Betreuerinnen und Betreuer der Diakonie-Tochter „LifeTool gemeinnützige GmbH“, die mit ihrem Spitzen-Know-how beraten und immer neue „LifeTools“ entwickeln, wurden Betroffene mit dem Handling vertraut gemacht, einige Regeln erklärt – und schon ging’s los! Binnen kurzer Zeit und einigen gegenseitigen Vorstellungs-Postings liefen schon die ersten „Threads“ zu Themen des Alltags ohne und mit Behinderungen - ob sich diese nun kognitiv oder körperlich ausdrücken. Und von Anfang an zog sich ein ungemein positiver Grundton durch alle Wortmeldungen – hüben und drüben: Hobbies und Faibles wurden bald genauso ausgetauscht wie Vorlieben für Essen, Musikstile und Jahreszeiten.

 

Was teilen die "Freunde bei VERBUND" einander mit?
Der junge Patrick (Namen geändert) spricht kaum etwas, wie wir von unseren LifeTool-Freunden erfahren haben. Doch seit einiger Zeit teilt er uns Facebook-Freunden immer öfter seine kleinen Vorhaben mit, kommentiert andere Beiträge - und zeigt auch zusehends Emotionen: vor und nach Sportevents und Kinobesuchen. Er schreibt meist nur wenige Wörter – doch, dass er sie nun schreibt, damit sie von anderen wahrgenommen werden, bedeutet wohl mehr, als wir uns wirklich vorstellen können.

Peter hingegen ist äußerst mitteilsam. Seit er auch ein iPad sein eigen nennen kann, meldet er sich noch öfter – aus der Arbeit in der geförderten Diakonie-Werkstätte wie auch am Feierabend oder vom Urlaub bei der Familie.

Ulla zeigt uns Fotos von ihren Besorgungen beim „Postpartner“, von ihrer Betreuerin und der netten Verkäuferin. Das junge Mädchen im Rollstuhl lacht fast auf jedem ihrer Fotos und vermittelt uns über die Monate hinweg ein geradezu unbekümmert sorgenfreies Gemüt.

Anlässe und gern wiederkehrende Themen der Postings sind die Freude über: Sonnenschein und gutes Wetter, gute Stimmung, Besuche in der Behindertenwerkstatt, gute Therapiestunden, Neuigkeiten beim Wohnen und von den BetreuerInnen, kleine Erlebnisberichte und Veränderungen in Arbeit und Alltag. Viele der LifeTool-Freunde haben Angehörige mit Behinderungen, einige sind selbst von Einschränkungen betroffen und auch genau deswegen als Technik-Berater für LifeTool tätig. Daher kommen auch von unseren Freunden bei LifeTool viele schöne und interessante Postings zu ihren Erlebnissen, Aufgaben und Erfolgen.

 

Viele Freunde leben mit dem "Rolli" – das ist der gängige Begriff für den Rollstuhl, den geliebten unentbehrlichen persönlichen Mobilmacher, und wenn Testtage mit einem neuen Rolli-Modell anstehen, so ist das ein auf facebook freudig angekündigtes Ereignis. Aber auch technische Pannen und menschliche Sorgen finden hier ihren Weg „nach außen“, um schnell von vielen Hilfeangeboten und von tröstenden Worten „fürsorglich zugepostet“ zu werden.

Immer öfter werden auch Fotos gepostet: vom leckeren Mittagsteller, von Ausflügen oder Besuchern. Zuletzt überraschte uns eine sensationell aufwändige Profi-Fotoserie mit Inszenierungen, die einige der mit Behinderungen lebenden Freunde von all dem umgeben zeigen, was ihnen besonders am Herzen liegt. Vor Traumlandschaften oder von Szenerien umgeben, die Mädchen und Frauen schön geschminkt, flott frisiert und gestylt, posieren unsere Freunde in der EDV-Werkstätte in Hagenberg jeweils einzeln in tollen Fotoramas. Dann folgten sogar noch die Making-Ofs zu jeder der vor/arbeitsreichen Fotosessions, die in bezaubernder Weise die Freude an dieser tollen Aktion festgehalten haben.

 

Was hat sich seit dem Start der Plattform vor knapp einem Jahr geändert?
Unsere Sprache im Alltag ist vermutlich verständnisvoller und rücksichtnehmender geworden, wenn es um Menschen „mit besonderen Bedürfnissen“ geht. Die Begriffe „normal“ und „gesund“ sowie „behindert“ und „krank“ sind nicht mehr „logische“ Gegensatzpaare. Die Sensibilität für und das Einfühlungsbedürfnis in Menschen mit einem Leben unter besonderen Umständen sind zweifellos deutlich gewachsen. Und die Freude an der Freude anderer Menschen ist vermutlich für viele Mitglieder in dieser sehr besonderen Gruppe ebenso mitgewachsen.

„Entschleunigung“ – so lautet das Zauberwort in der Kommunikation, weil diese trotz der "Unterstützten Kommunikation" mit Hürden verbunden ist, die Menschen ohne Beeinträchtigungen kaum wirklich nachvollziehen können. Dass in dieser Verlangsamung auch eine unbestreitbare Qualität liegt, ist einer der wesentlichen „Gewinne“ aus dieser geteilten Erfahrung.

Sonnenstrahlen aus dem Bildschirm
Die Möglichkeit, einander barrierenüberwindend über Bildschirm und Lautsprecher liebe Grüße, schöne Gedanken und Musiktipps via Youtube zu senden, ist so etwas wie virtueller Sonnenschein, der in allen Empfängerinnen und Empfängern zu strahlen beginnen kann. Ob wir nun mit Behinderungen leben oder nicht – im Gefühlsleben haben wir doch weitgehend dieselben Bedürfnisse. Und das verbindet ungemein.

Es wird dafür kaum je eine Statistik geben, aber wahrscheinlich ist „Freunde bei VERBUND“ am Weg zu einer der „meistgelächelten“ Internetplattformen."


Bernhard Heiller ist VERBUND-Mitarbeiter im Bereich Geschäftssteuerung und Marketing und Teil der Initiative "Freunde bei VERBUND". Weitere Informationen zu diesem Projekt findet ihr übrigens unter LifeTool.at.

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