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02. Februar 2012

Kraftwerke als Lebensräume

Jedes Jahr am 2. Februar erinnert die UNESCO mit ihrem "Tag der Feuchtgebiete" an die große Bedeutung dieser Landschaftszonen. Nur wenige wissen hingegen, dass dazu auch Kraftwerksareale zählen.

Am 2. Februar 1971 beschlossen die Delegierten in Ramsar, einer mittelgroßen iranischen Stadt am Kaspischen Meer, ein wegweisendes Abkommen über Feuchtgebiete, insbesondere als Lebensraum für Wasser- und Watvögel. Einer der Anlässe dazu war eine großräumige und überregionale Wasservogelzählung, die eine starke Abnahme der Arten auswies. Das Ramsar-Abkommen sollte Staaten dazu veranlassen, dem entgegen zu wirken und zählt damit zu den ältesten völkerrechtlichen Verträgen zum Schutz der Natur. Es trat 1975 in Kraft.

Zu den wichtigsten Themen des Abkommens zählen der Schutz von Feuchtgebieten, die Förderung der internationalen Zusammenarbeit beim Schutz von Feuchtgebieten, die Förderung des Informationsaustausches über Feuchtgebietsschutz und Unterstützung der Arbeit der Konvention.

Feuchtgebiete rund um Kraftwerke
Weniger bekannt ist, dass auch die Gebiete rund um unsere 124 Wasserkraftwerke in Österreich und am bayerischen Inn wichtige Feuchtgebiete für Flora und Fauna sind - und davon insgesamt 30 % nachträglich unter Naturschutz gestellt wurden. Diese Erkenntnis ist auch für uns erfreulich, zeigt sie doch, dass unsere, zum Teil sehr kostspieligen Maßnahmen zum Naturschutz bzw. zur Renaturierung funktionieren.

Wir haben für Euch einige Beispiele der letzten Jahre herausgesucht, die auch wissenschaftlich fundiert untersucht wurden.

Feuchtgebiete bei Kraftwerken als Hort der Artenvielfalt
Das Biotop Föderlach beim VERBUND-Draukraftwerk Rosegg-St. Jakob in Kärnten ist das jüngste Naturschutzgebiet. 2009 hat es VERBUND um ein 10 Hektar großes Flachwasserbiotop ergänzt. Im 18 Hektar großen Flachwasserbiotop Neudenstein beim Draukraftwerk Edling wurde erstmals seit mehr als 100 Jahren in Kärnten wieder der Biber gesichtet. Stammgast ist der Biber auch bei den Donaukraftwerken Freudenau, Greifenstein und – seit 2010 – Melk.

In Melk steht auch die vorläufig größte Fischwanderhilfe an der Donau, die im Rahmen des Vernetzungsprojektes Donau-Ybbs geschaffen wurde. Ökologen der Wiener Universität für Bodenkultur sind überaus zufrieden mit den Untersuchungs-Resultaten.

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Unsere Bemühungen um den Lebensraum an der Donau gehen mit der Renaturierung der Traisen-Mündung an der Donau nahe dem Kraftwerk Altenwörth weiter. In Österreichs größtem Renaturierungsprojekt wird in den kommenden Jahren mit Unterstützung der EU eine 11 Kilometer lange Aulandschaft neu entstehen.

Schatzkästlein an der Salzach

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Beim Salzach-Kraftwerk Kreuzbergmaut finden sich, zehn Jahre nach Fertigstellung, 24 geschützte Pflanzen- und Tierarten, die erst nach dem Anlagenbau zugewandert sind. Wer den Forschungsbericht dazu liest, glaubt kaum, dass die Fläche vor dem Kraftwerksbau als Maisfeld genutzt wurde.

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An der Mur wurden in den vergangenen Jahren zehn Kraftwerke mit neuen Fischwanderhilfen ausgestattet. Die Kombination aus technischen und naturnahen Bauten erleichtert die Wanderung von Fischen und bildet zusätzlich Lebens- und Laichraum für Nase und Äsche. Jüngstes Beispiel für die vorbildliche Zusammenarbeit von Kraftwerksplanern und Fischökologen ist das Kraftwerk Leoben mit seiner Fischwanderhilfe.

Artenvielfalt im Hochgebirge
Feuchte Lebensräume gibt es auch im Hochgebirge: VERBUND-Ökologen staunten nicht schlecht, als sie auf 2.300 Metern Seehöhe am Reißeck (Kärnten)  Europas höchste Erdkrötenkolonie entdeckten. Selbstverständlich mussten dort geplante Felslagerstätte und eine Baustraße diesem Fund ausweichen. Das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II wird diese kleine Maßnahme verkraften.

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Weitere Informationen zur Artenvielfalt findet ihr auf unserer Website im Bereich Umwelt. Forschungsergebnisse gibt es auch in den Schriftenreihen.