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08. Februar 2012

Tiefgekühlt in Töging

Was nach dem Titel einer fiktiven Tatort-Sendung in Oberbayern klingt, hat ganz handfeste physikalische Ursachen: Die sibirische Kälte lässt den bayerischen Inn zufrieren.

Der Rekord-Winter lässt auch den Inn in Bayern nicht kalt. Erstmals seit 1997 ist der Innkanal bei Töging zugefroren. Für Ortsunkundige: der Inn wurde bereits in den 1920er Jahren mit enormem Arbeitsaufwand zur Stromerzeugung genutzt, indem er durch einen Kanal zweigeteilt wurde. Die Restwasserstrecke blieb naturnah, der Kanal leitet das Wasser direkt auf die 14 Francis-Turbinen des Kraftwerks Töging.

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Derzeit staut sich das Eis vor dem Kraftwerk mehr als 1,2 Kilometer lang. Eine friedliche, breite Eisbahn zieht sich durch die Landschaft. Aber die Ruhe ist trügerisch: Der Eisstoß entwickelt enorme und sogar hörbare Kraft. Die scheinbar solide Eisdecke birgt tückische Spalten und Schollen. Betreten ist lebensgefährlich und strengstens verboten- jeder Rettungsversuch wäre aussichtslos, weil unter der Eisdecke der Inn nach wie vor mit hohem Tempo fließt und jeden unvorsichtigen Eisläufer sofort unter Wasser ziehen würde. Jeder Retter brächte sich hier selbst in Todesgefahr.

Wenn das Eis schon nicht für die Freizeit taugt, dem Lauf des Wassers tut es keinen Abbruch und so erzeugt das Kraftwerk weiterhin Strom. Auch nicht schlecht, wie wir finden.