Zur Übersicht
21. Februar 2012

Gnadenstoß für das Donau-Eis

Eisbrecher Freyenstein marschiert zur Donauschleuse Freudenau...

Der Winter 2012 ließ Kälterekorde purzeln. Was für den Autofahrer Schneeverwehungen und Glatteis bedeutet, ist für den Donauschiffer das Eis. Nichts ging mehr. Seit 7. Februar kam der Schiffverkehr an der Donau zum Stillstand. Häfen und Schleusenanlagen froren zu.  Erst am 20. Februar stiegen mit der Temperatur auch die Hoffnung auf freie Fahrt. Die VERBUND-Eisbrecherflotte beschleunigte den Eisbruch mit einigen tausend PS. Wir waren unterwegs auf zwei Eisbrechern und schwanken immer noch.

 

Eis ist für die Binnenschiffer schlimmer als Sturm: Zugefrorene Schleuse Freudenau 

 

An jedem Donaukraftwerk liegt zumindest ein Eisbrecher verankert. Die Schiffsmannschaft bedient unter dem Jahr verschiedene Wasserfahrzeuge: vom Schwimmkran bis zur Schotter-Schute reichen umfasst die VERBUND-Flotte fast 30 Boote. Im Fall von Eisbruch wird aus der Bereitschaft eine Besatzung zusammengestellt und je nach Notwendigkeit in Marsch gesetzt- zu Lande. Denn die Eisbrecher verlassen selten ihren angestammten Stauraum.

 

 

Millimeterarbeit im engen Schleusenbereich

Unsere Mannschaft besteht aus vier Niederösterreichern von Amstetten bis Ybbs. Sie waren das Wochenende über in Ruf-Bereitschaft- „wie immer, wenns taut“, so Helmut Widder, der Maschinist, denn: die eingeschlossenen Donau-Schiffer, die seit Wochen in den Häfen von Linz, Krems oder Freudenau liegen, drängen auf die Weiterfahrt. Doch die Sicherheit muss Vorrang haben. „Es bringt nichts, festes Eis während der Frostperiode zu brechen- damit erzeugt man nur noch dickere Eisschollen“, erklärt Kapitän Siegfried Kienberger. Darum wird auch nur nach reiflicher Überlegung von der Via Donau oder dem Infrastruktur-Ministerium ein solcher Einsatz erbeten. Wichtig ist, dass die Eisbrecher stets einsatzbereit sind, dass Maschinen laufen und Mannschaft erreichbar ist.

 

 

Lauscht der Musik des Dieselmotors: Maschinist Helmut Widder

Unser erster Einsatz ist in Wien-Freudenau. Mit gewaltigem Rumoren schaltet Kapitän Kienberger die Unwucht-Maschine ein. Diese Rüttelanlage lässt den Eisbrecher „Freyenstein“ gleichzeitig auf- und ab und seitwärts hüpfen. Trotz spiegelglatter Donau haben wir Seegang wie an der Adria bei Shirocco. Wer nach fünf Minuten nicht seekrank wird, der wird es nicht mehr. „In die Mitte stellen“, raten die Matrosen Gustav Marschalek und Anton Schönberger dem mitgereisten ORF-Kameramann, der sichtlich Mühe hat, sein Gerät am Bug unter Kontrolle zu halten.

 

 

Anton Schönberger  ist am Bug das verlängerte Auge des Kapitäns

Mit seinen 79 Tonnen Eigengewicht wirft sich die „Freyenstein“ auf die Eisplatten und zermalmt sie von oben. Damit könne bist zu 60cm dicke Eisplatten gebrochen werden. Das ist zwar nicht üblich, aber schließlich muss der Eisbrecher auch havarierte Schiffe aus der Donau bergen können.

 

Gustav Marschalek  vor der historischen Schiffsglocke der „Freyenstein“. Maschinen, Navi-Technik und Sicherheitsausrüstung sind wesentlich jünger.

Das Eis widersteht nicht lange. Nach einer Stunde ist die Eisfläche gerade noch geeignet, einen Caipirinha zu verfeinern, aber sicher kein Hindernis mehr für ein Frachtschiff. Weiter geht es per Auto zum Eisbrecher nach Greifenstein. Auch hier soll die Schleuse aufgebrochen werden. Erste Überraschung an Bord der „Samingstein“: in der Kabine ist es angenehm warm. Erklärung: das Boot liegt vertäut und mit einem Starkstromkabel mit dem Kraftwerk Greifenstein verbunden. Sonst würde der scharfe Frost die Leitungen einfrieren und zerstören.  Leider haben die Matrosen wenig davon, da sie bei Wind und Kälte am Deck stehen müssen, um das Eis unter dem Bug zu beobachten.

 

Zweiter Einsatz des Tages in der Schleuse Greifenstein

Uns empfängt eine weite Eislandschaft im Oberwasser des Kraftwerks. Unter der Eisdecke laufen die Turbinen ungestört. Die vereiste Schleuse Greifenstein ist keine Herausforderung für den 700-PS-Motor. Das Eis ist dünner als in der Freudenau, aber immer noch ausreichend, einen Schubverband in Schwierigkeiten zu bringen. Was der stählerne Rumpf nicht zerstört, zerbricht in der mächtigen Bugwelle. Dabei zählen „Freyenstein“ und „Samingstein“ noch zu den Kleinsten der VERBUND-Eisbrecher-Armada. Fingerspitzengefühl verlangt allerdings das Wendemanöver des 30 Meter langen Bootes in der Schleuse.

 

Schiffführer Siegfried Kienberger am Steuer

Beim Ausstieg erst zeigt sich die nachhaltige Kraft der Eisbrecher. Es dauert einige Zeit, sich an festen Boden zu gewöhnen, die Füße wollen nicht aufhören, schweren Seegang auszugleichen.

 

Wärmeren  Zeiten entgegen: die Mannschaft der Freyenstein: Gustav Marschalek, Helmut Widder, Siegfried Kienberger, und Anton Schönberger Wir danken fürs Mitfahren!

 

 

 

Eisbrecher Krämpelstein bracht das Eis auf der Donau in Oberösterreich

Das Eis ist gebrochen! Auch im Donaukraftwerk Abwinden-Asten bricht der Eisbrecher Krämpelstein im Schleusenbereich das  Eis. Das ca. 15 cm dicke Eis ließ sich aufgrund der milderen Temperaturen der letzten Tag relativ gut brechen. Nach gut 2 Stunden war es soweit und die Schleusen waren wieder beschiffbar. Voraussichtlich werden die Eisbrecher bei den Donaukraftwerken Aschach und Ottensheim-Wilhering in den nächsten Tagen ebenso auslaufen.

Fotos vom Eisbrecher Krämpelstein findet ihr in unserer Flickr-Galerie

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer VERBUND-Webseiten. Durch die Nutzung unserer VERBUND-Webseiten erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr über Cookies erfahren Sie hier.