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28. Februar 2012

Mehr Effizienz = mehr Luxus?

Das funktioniert meist nur in der Theorie. Denn in der Praxis nutzen wir eine neue Technologie meist dafür, mit derselben Energiemenge eine höhere Leistung zu erhalten. Das nennt man Rebound-Effekt.

Der Rebound-Effekt: zutiefst menschlich

Man denke etwa an Autos: Die Motoren sind wesentlich sparsamer geworden, die Autos verbrauchen aber heute gleich viel Sprit wie früher. Denn sie wurden gleichzeitig viel schwerer und haben mehr Features eingebaut. Der Effizienzgewinn wurde also nicht in Energieeinsparung umgewandelt – sondern in Luxus. Dieses Verhalten, das in vielen Bereichen zu beobachten ist, ist alles andere als rational. Es scheint aber zutiefst menschlich zu sein. Ökonomen haben ihm auch einen Namen gegeben: „Rebound-Effekt“. Wenn Energie effizienter eingesetzt wird, wird die Energierechnung kleiner. Und diese Verbilligung führt dazu, dass man sorgloser mit der Energie umgeht. Die Folgen sind bekannt: Der Energieverbrauch steigt Jahr für Jahr, obwohl er eigentlich dank effizienterer Technologien sinken sollte.

Sorgsamer mit Energie umgehen: im Interesse Aller

Diese Entwicklung steht in krassem Gegensatz zu allem, was uns die Vernunft gebietet: Alle Experten sind sich einig, dass nutzbare Energie immer knapper wird und die Preise aller Voraussicht nach steigen werden. Es sollte daher in aller Interesse sein, sorgsamer mit Energie umzugehen. Das hat sich nun auch die Politik auf ihre Fahnen geschrieben: In der „EnergieStrategie Österreich“, die im Vorjahr beschlossen wurde, hat Effizienzsteigerung oberste Priorität. Andernfalls sei es unmöglich, den Anteil erneuerbarer Energieträger auf 34 % zu steigern – wozu sich Österreich ja bis zum Jahr 2020 verpflichtet hat. Mit beschlossen wurde gleich auch eine umfangreiche Überschriftensammlung – von besserer Wärmedämmung bis hin zur E-Mobilität. Konkrete Umsetzungsschritte fehlen bisher noch.

Energieverbrauch halbieren: durch Effizienzsteigerung

Halber Energieverbrauch möglich. Die Potenziale zur Effizienzsteigerung sind enorm. Eine Reihe von Studien, die in den vergangenen Monaten veröffentlicht wurden, zeigt einhellig, dass der Endenergieverbrauch Österreichs bis zum Jahr 2050 glatt halbiert werden kann. Die Technologie dafür ist da, und sie wird in den nächsten Jahren noch stark weiterentwickelt werden. Aber die Technologie allein reicht nicht. Zusätzlich muss jeder Mensch seinen Beitrag leisten und die effizienteren Technologien auch im Sinne der Erfinder einsetzen – Stichwort: Rebound-Effekt. Da der Mensch aber ein Gewohnheitstier und Verhaltensänderung eine langfristige Angelegenheit ist, muss man für die unmittelbare Zukunft pessimistisch sein: Das hochgestochene Ziel der Politik, die Effizienz bis 2020 um 20 % zu steigern, wird wohl verfehlt werden. Das ändert nichts daran, dass man das Ziel weiterverfolgen muss. Sichere und leistbare Energieversorgung ist und bleibt eines der größten Probleme der Menschheit. Und die sicherste und billigste Kilowattstunde ist auf jeden Fall die, die man gar nicht verbraucht. Diese Erkenntnis ist so grundlegend, dass sie irgendwann in die Köpfe und Herzen der Menschen sickern wird. Und ihr Verhalten beeinflusst.