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09. März 2012

Barrierefreies Wandervergnügen für Fische

Damit Kraftwerke keine unüberwindbaren Barrieren darstellen, sorgen moderne Fischwanderhilfen dafür, dass heimische Fische wie der Huchen entlang der Flüsse wandern können.

Flussbarbe und Huchen auf Wanderschaft

Elegant gleitet die Flussbarbe durch das Wasser. Auf dem Weg zu ihren Laichgründen hat sie schon an die 100 Kilometer zurückgelegt. Nun nähert sie sich einem Flusskraftwerk.

An und für sich wäre die Konstruktion aus Turbinen, Pfeilern und Betonwänden ein unüberwindbares Hindernis. Bei der Planung des Kraftwerks wurde aber auch der Wandertrieb der Fische berücksichtigt: Eine Pumpe erzeugt eine künstliche Strömung, welche die Barbe zu einem "Vertical-Slot-Pass" lockt. Durch diese, auch „Schlitzpass“ genannte Konstruktion,
 kann der Fisch das Kraftwerk passieren und seine Wanderung hinter dem vermeintlichen Hindernis fortsetzen.

 
Der Huchen

Der Vertical-Slot-Pass

Ein Vertical-Slot-Pass ist ein Betongerinne mit Querwänden aus Holz oder Betonfertigteilen. Dadurch entsteht eine stufenartige Anordnung von Becken, die es auch kleinen oder schwachen Fischen ermöglicht, die Höhenunterschiede, die sich bei Flusskraftwerken ergeben, zu überwinden.

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Naturelemente und moderne Technik

Der Vertical-Slot-Pass wurde in Nordamerika entwickelt und ist eine von mehreren Technologien, die wir bei VERBUND bei unseren Wasserkraftwerken in Österreichs Gewässern einsetzen, um Fischen eine möglichst ungestörte Wanderung zu ermöglichen.

Die Fischwanderhilfen erweitern wir kontinuierlich und modernisieren sich zudem nach den aktuellen Kenntnissen der Wasserökologie.

Die Fischwanderhilfe beim Kraftwerk Villach an der Drau beispielsweise verbindet naturnahe und technische Elemente. Eine neue Lockstrompumpe zeigt den Fischen den Weg zu dem Vertical-Slot-Pass, als naturnaher Teil wurde der bestehende Aichholzgraben integriert.

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Lockstrompumpe

Auch beim Bau des Kraftwerks Werfen/Pfarrwerfen an der Salzach wurde unter ökologischer Bauaufsicht eine moderne Fischwanderhilfe errichtet, die natürliche Ressourcen mit High- Tech kombiniert. Neun Meter Höhenunterschied müssen Fische auf Wanderung bei diesem Wasserkraftwerk überwinden. Dabei hilft ein naturnaher Gerinneabschnitt, der durch zwei Vertical- Slot-Passagen und eine technische Flachpassage ergänzt wird.

fischwanderhilfe kraftwerk werfen pfarrwerfen

Ein Novum ist der Bau einer Bypass-Leitung mit Fischleitanlage, die den Fischen auch eine Abwärtsbewegung direkt beim Kraftwerk ermöglichen soll. Das 1982 in Betrieb gegangene Donaukraftwerk Melk wurde 2007 um eine neue, fast zwei Kilometer lange Fischwanderhilfe erweitert. Der naturnahe Umgebungsbach wurde dem Vorbild voralpiner Zubringerbäche nachempfunden. Im Hochwasserfall sorgt ein Vertical-Slot-Pass für ausreichende Wasserführung im Umgehungsbach. Aus einem nebenbei liegenden Altarm, dem Luberegger Altarm, wird zusätzlich Wasser in den Umgehungsbach geleitet, damit eine ausreichende Lockströmung entsteht.

 Fischwanderhilfe Kraftwerk Melk

Weitere Wasserkraftwerke, die über eine neue bzw. modernisierte Fischwanderhilfe verfügen, sind unter anderem die Standorte Spielfeld an der südlichen Mur und Hieflau an der Enns. Ob die Fischwanderhilfen optimal funktionieren und von den Fischen auch verwendet werden, prüfen Wissenschafter in einem sogenannten Monitoring. Und wenn zu enge Platzverhältnisse das Anlegen von gerinneartigen Aufstiegshilfen verhindern, können Fischlifte errichtet werden: Wandernde Fische werden in einem mit Wasser gefüllten Container ins Oberwasser befördert und können nach der kurzen Liftfahrt ihre Reise wieder fortsetzen.

fischwanderhilfe melk 


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