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06. April 2012

Hüter der Geschichte: Archivar in KAPRUN

Reinhard Fremuth ist Herr über das Archiv in Kaprun. Im Keller der Werksgruppenleitung hütet er Schätze, die das Herz jeder Historikerin und jedes Historikers höher schlagen lassen. Die Dokumente gewähren einen Einblick in die Geschichte der Wasserkraft in Kaprun, die teilweise noch in die Zeit des Habsburgerreiches zurückreicht.

Anfänge der Stromerzeugung in Kaprun

Bereits ab 1895 bot das Kesselfall Alpenhaus eine besondere Attraktion: Mit einer Dynamomaschine wurden 250 Glühlampen und zehn Bogenlampen betrieben. Die Bogenlampen dienten der elektrischen Beleuchtung des Wasserfalls, einer damals beliebten Tourismusdestination. Schon lange vor den Hochgebirgsstauseen gab es auch am Mooserboden ein kleines Kraftwerk. Mit seinem Strom wurde auch ein elektrischer Backofen im Mooserboden-Hotel betrieben. Die so auf 2.000 Meter Seehöhe hergestellten Brote und Salzstangerl waren eine gefragte Besonderheit, denn sie wurden mit Fuhrwerken ins Tal befördert und dort verkauft.


 

Größenwahn

Zahlreiche Dokumente belegen die vielfältigen und teils gigantomanischen Ideen zur Wasserkraftnutzung in den Hohen Tauern. Vor allem die Schriftstücke und Pläne aus der Zeit des aufkeimenden Nationalsozialismus belegen, dass Deutschland große Hoffnungen in die Stromversorgung des Reiches aus Kaprun setzte. Dass diese Pläne ebenso kontrovers wie emotional diskutiert wurden, belegen die gesammelten Briefwechsel eindrucksvoll. Dass das System aus Hangkanälen, einer Art Dachrinnensystem und Stollen zur Überleitung von Wasser in einen Stausee nicht errichtet wurde, lag nicht an der Größe des Vorhabens, für das Leitungen von 1.200 Kilometern hätten errichtet werden müssen. Viel mehr zeigte sich, dass ein zu Testzwecken errichteter Hangkanal nicht recht funktionierte.

 

Wiederaufbau in Bild und Ton

Reinhard Fremuth ist selbst begeisterter Fotograf. Umso mehr gilt sein ganzer Stolz der umfangreichen Sammlung von Glas-Dias, Negativen, Fotos und Tonfilmrollen. Sie dokumentieren neben den Anfängen der Stromerzeugung in Kaprun auch Aufbruch und Wiederaufbau der Republik. Der Film „Das Lied von Kaprun“ mit Waltraud Haas und Joachim Fuchsberger ist nur ein Kinofilm, der den Bau des Kraftwerkes in Kaprun in der Zeit des Wiederaufbaus zum Inhalt hat.

 

Entwicklungshilfe

Neben den Dokumenten, die einen Einblick in die Geschichte der Wasserkraft bieten, steht eine Metallkiste aus den USA im Archiv in Kaprun. Ihr Inhalt sind Bücher, die der intellektuellen Entwicklungshilfe nach dem Nationalsozialismus dienen sollten.

 

Laufende Dokumentation

Zu glauben, das Archiv in Kaprun würde lediglich Unterlagen bis zur Inbetriebnahme der Kapruner Anlagen in den 1950er Jahren beherbergen, wäre falsch. Raimund Fremuth selbst ist stets bemüht, den Umfang zu erweitern und die Weiterentwicklung der Werksgruppe zu dokumentieren. Zuletzt bot das 400-Millionen-Euro-Projekt Limberg II zahlreiche Gelegenheiten zur Dokumentation. So lässt sich auch im Archiv erkennen: Wasserkraft hat Zukunft.