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30. Mai 2012

Wie man die Energiewende gemeinsam schafft

Mit der Energiewende steht die Energiewirtschaft heute vor ihrer größten Herausforderung. Bei einer Live-Simulation versetzten sich Studierende in die Rolle verschiedener Stakeholder und verhandelten gemeinsam die Energiewende.

Mittwoch, 30. Mai 2012, Urania, Wien, 15:32 Uhr. Rund zwei Dutzend Studierende unterschiedlichster Fachrichtungen sitzen - in mehrere Gruppen aufgeteilt - in einem großen Saal. Fast geheimniskrämerisch wird hier wie dort gesprochen, evaluiert, hastig niedergeschrieben. Zwischendurch gibt man eine erste Pressemeldung ab, die für Raunen bei den anderen Gruppen sorgt. Doch es gilt keine Zeit zu verlieren, die nächsten Verhandlungen stehen bereits an.

Was hier nach einem Wirtschaftskrimi à la Hollywood klingt, ist eine Live-Simulation eines fiktiven Ereignisses mit ganz handfesten Hintergründen. Europa befindet sich, wie in der Realität auch, mitten in der Energiewende. Deren Intensität und Verlauf und Bedingungen sind dort wie da oft unklar. Ziel ist es, Europa in naher Zukunft zu 100 % aus erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne und Wasser zu versorgen.

Stakeholder im Dialog
Die Studierenden vertreten in dieser Simulation einen von 5 Stakeholdern, also Gruppen mit speziellen Interessen, wie das Land Niederösterreich, das Wirtschaftsministerium, die NGO Klimabündnis, die Industriellenvereinigung und das Unternehmen VERBUND. In ihrer Rolle müssen die Studierenden nun versuchen, intern (in der Gruppe) eine einheitliche Position zu finden und ihre Ziele mit den anderen Interessensgruppen verhandeln.


Hitzige Diskussionen enden auch hier mit professionellem Händeschlag

Was einfach klingt, ist in der Praxis oft genau das Gegenteil. Auch wenn es nur Kolleginnen und Kollegen aus der Uni sind, mit denen verhandelt werden muss, gehen auch hier die Ansichten schnell auseinander.

So diskutiert die Gruppe Land Niederösterreich schon einmal, wie das mit dem Schiefergas funktioniert und was dafür und dagegen spricht. Und stellt diskussionsfrei fest, dass es kein weiteres Laufkraftwerk an der Donau braucht.

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Eigene Standpunkte müssen klar kommuniziert werden

Dem Klimabündnis ist dagegen wichtig, dass die als Zukunftslösung gepriesene Elektromobilität auch wirklich aus erneuerbaren Energien gespeist wird, da sonst moderne, fossil betriebene, aber effiziente Autos deutlich sinnvoller wären.

Dem Wirtschaftsministerium wiederum geht es darum, dass VERBUND die Versorgungssicherheit garantiert, notfalls mit einer längeren Laufzeit von Wärmekraftwerke. Drängt aber gleichzeitig darauf, sich mit der OMV zusammenzusprechen und das Tankstellennetz für die Elektromobilität auszurüsten.

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Auch wichtig beim Verhandeln: Zuhören und sein Gegenüber verstehen

Entscheidungen bedeuten auch Verantwortung
Sabrina Novalin (rechts im Bild als Vorstandsvorsitzende von VERBUND) kommt in ihren Verhandlungen schnell zu folgendem Schluss: "Man muss wirklich aufpassen, was man wem sagt. Schließlich kann das dann im nächsten Moment gegen einen verwendet werden. Nur nicht zuviel versprechen ..."

Und ein Kollege aus ihrem Team, ebenfalls in der Rolle von VERBUND, ergänzt: "Als VERBUND spielen wir eine entscheidende Rolle bei der Energiewende. Aber die Gespräche zeigen, dass es dazu auch Rahmenbedingungen braucht - und die verhandeln wir hier."

Einfühlungsvermögen und Kompromissbereitschaft
Es ist nicht immer leicht, es allen recht zu machen - vor allem, wenn man seine eigenen Interessen durchsetzen will: Das ist das Fazit der Studierenden an diesem intensiven Nachmittag. Wie auch in der realen Wirtschaft braucht es Kompromissbereitschaft und dazu gehört, sich in die Rolle des Gegenübers hineinversetzen zu können. Etwas, das den Studierenden bei diesem Event erfolgreich gelungen ist.