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15. Juni 2012

Tag des Windes bei Flaute

Hannes Raser ist ein Urgestein der Windenergie-Szene. Wir erklimmen mit ihm 279 Stufen auf die WEA1 hoch, die Windenergie-Anlage Nummer 1 in Bruck an der Leitha.

Der Anlass könnte passender nicht sein: seit 2006 ist der 15. Juni von Ökostrom-Initiativen zum „Tag des Windes“ ausgerufen. Anlass genug für den ORF, eine Vor-Ort-Reportage mit dem Team der „Sommerzeit“ zu machen. Wie üblich haben wir bei der Einladung darauf vergessen, die Schwindelfreiheit der Redakteurin abzufragen. Konditionell kann sie jedenfalls mit Hannes Raser mithalten, der Marathon und Mittel-Triathlon betreibt. Darüber hinaus ist er Landwirt, Weinbauer und vor allem „Windmüller“.
Die WEA1 kennt er von der Baugrube an, und er kennt den Rekordhalter des Stiegenlaufes. 1:06 Minuten für 279 Stufen oder 60 Höhenmeter lautet der Rekord, aufgestellt anlässlich der Eröffnung des Windparks Bruck im Jahr 2000.

Das Kamera-Team mit Aufnahmegerät, Scheinwerfer und Akku ist nicht ganz so flott, aber Redakteurin Verena Pawel kämpft sich tapfer die Stufen hinauf und sogar noch sieben Meter über die Leitern in den engen Generator-Raum. Keck steckt sie sogar den Kopf durch die Ausstiegsluke am Dach der Anlage. Der Held hinter der Kamera wurde zuvor von Hannes Raser professionell mit einem Klettergurt gerüstet, denn er muss die Szene von außen einfangen.

Der Windmüller ist die Aufsichtsperson vor Ort. Er passt auf die Windanlage auf, die ansonsten automatisch läuft. Im Störungsfall erhält er eine Verständigung auf sein Handy und schaut nach dem Rechten. Im Notfall steht ihm der Werkskundendienst der Anlage zur Verfügung, oftmals reicht eine einfache Umschaltung aus. Darum ist es aber wichtig, in der Region vor Ort zu sein. Zwischendurch pflügt Raser seine Sojabohnen oder hilft im Weinbaubetrieb seiner Frau.

So sehr die Windverhältnisse die Arbeiten auf der Windradspitze begünstigen, so enttäuschend ist das Dargebot für die Erzeugung des Tages. Ein Windrad produziert im Jahr Strom für umgerechnet 1.000 Haushalte. Aber heute herrscht ironischerweise Flaute.
Eine gute Gelegenheit, das Thema Versorgungssicherheit anzusprechen. Es gibt keine alleinseligmachende Erzeugungsform, es entscheidet der intelligente Zusammenschluss über leistungsfähige Netze. Windmüller Raser lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen: „Wenn der Wind nicht weht, haben wir in Bruck auch eine Biomasseanlage und VERBUND und seine Donau- und Speicherkraftwerke als starken Partner.“

Heute muss Hannes Raser früher weg, denn ab heute hat sein Heuriger im benachbarten Höflein ausg´steckt. Da ist jede hilfreiche Hand willkommen und das Windrad läuft fast ohne seine Hilfe, und falls nicht: er hat ja nicht weit.