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13. Juli 2012

Kaprun als Anziehungspunkt für Maler

Dieser Gastbeitrag unseres ehemaligen Mitarbeiters Wilhelm Nemetz erinnert an die Bedeutung des Mythos Kaprun auch für die Malerei des 20. Jahrhunderts.

Das Kaprunertal hat für die Maler besondere Anziehungskraft. Um 1900 war z. B. der bekannte englische Bergmaler Edward Theodore Compton im Tal. Seine Bilder und Illustrationen wie auch Postkarten fanden als erstes in Bergsteigerkreisen ein interessiertes Publikum. E.T. Compton sollte mithelfen das Kaprunertal mit den neuen Hotels Kesselfall und Mooserboden bekanntzumachen. In den letzten Jahren sind gleich mehrere Bildbände über E.T. Compton erschienen, was seine Wertschätzung bestätigt.

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Auch während der Zeit des Kraftwerksbaues kamen die Maler nach Kaprun. Nach dem Krieg waren es z. B. Rudolf Hafner und Luigi Kasimir, die das beeindruckende Baugeschehen im Hochgebirge festhielten. Einer von den Künstlern war auch Karl Stark, der sich mit seinem Salzburger Kollegen und Freund Rudolf Hradil eine Woche am Mooserboden in einer Baracke einquartierte. Dem Baugeschehen galt ihr besonderes Interesse.

Stark schuf zwei Ölgemälde, Hradil arbeitete an Zeichnungen und Lithografien. Ein Ölgemälde von Stark - und zwar das hier abgebildete - gehört zweifellos zu den künstlerisch besten Arbeiten über Kaprun und wird nun von VERBUND für das Salzburg Museum im Rahmen der Ausstellung "Die Hohen Tauern – Malerei und Alpinismusgeschichte" zur Verfügung gestellt.

Die Ausstellung wird am 12. Juli 2012 eröffnet und zeigt historische Gemälde aus dem Ende des 18. Jahrhundert wie z. B. von August Naumann (1749-1795), der im Dienste des Salzburger Landesherrn Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo stand, bis zum zeitgenössischen Bergmaler Helmut Ditsch. Die Palette der Motive reicht von den Krimmler Wasserfällen und der Dreiherrenspitze im Westen bis zum östlichsten Dreitausender, dem Großen Hafner. Helmut Ditsch hat das Bild vom Großen Hafner eigens für die Ausstellung geschaffen.

Der Maler Karl Stark (1921-2011)
Er  wurde in der Oststeiermark geboren, besuchte in Graz die Bildhauerklasse und beendete seine Ausbildung an der Wiener Akademie. Der für die Ausstellung zuständige Kunsthistoriker Nikolaus Schaffer erklärt: "Zu einem stärkeren Aufkommen von Künstlern im Oberpinzgau führte der Bau der Talsperren im Rahmen des Kapruner Kraftwerksbaues. Die Maler suchten dabei nicht den Anschluss an das Bergbild traditioneller Prägung, sondern betrachteten die Konfrontation von Hochgebirgsnatur und Technik als eine willkommene Herausforderung. An erster Stelle ist Karl Stark zu nennen, der hier keineswegs einen brutalen Eingriff sieht und malt, sondern die Staumauern mit ihrer Umgebung in einer bewegten Pinselschrift zu einer geradezu harmonischen Einheit zusammenwachsen lässt, wobei schon seine Palette einen affirmativen Grundton – ganz im Sinne der Wiederaufbauzeit – anschlägt. Stark, der sich später als Sachverwalter des österreichischen Spätexpressionismus verstand und einen emphatischen Kolorismus vertrat, ist auch später noch mit Tauernbildern hervorgetreten, so z.B. Innergschlöss mit Großvenediger (1995)."

Der Autor dieses Beitrags, Wilhelm Nemetz, kam nach Abschluss der HTL in Salzburg 1953 zu den ehemaligen Tauernkraftwerken und wurde als Monteur für das Kraftwerk Limberg aufgenommen. Schon 1954 trat er in die Abteilung Elektrobau ein, die für die elektrische Ausrüstung der Kraftwerke zuständig war. Sein Anfangsgehalt waren 1.000 Schilling Brutto, ein interessanter Vergleich – die nach 2 Jahren angeschaffte Fotokamera Retina IIC kostete damals 2.650 Schilling. 1975 wurde Wilhelm Sicherheitsingenieur des Unternehmens und war für den Bereich der Kraftwerke und auch Baustellen im Einsatz. Ab 1986 wurde ihm auch die Leitung des Bereiches Öffentlichkeitsarbeit übertragen. In dieser Funktion organisierte er 1994 die Ausstellung "50-Jahre Tauernstrom" in Kaprun. Noch im selben Jahr wurde im ORF Landesstudio Salzburg die Ausstellung "Künstler sehen Kaprun" gezeigt. Bei dieser Arbeit wurde er mit dem ehemaligen Chefredakteur der Salzburger Nachrichten Karl Heinz Ritschel bekannt, der ihn zum Museumsverein des Salzburg Museums brachte. Den Maler Karl Stark konnte Wilhelm noch persönlich kennenlernen - damit schließt sich der Kreis um das Bild von Kaprun.

Die Hohen Tauern - Kunst und Alpingeschichte
Aus Anlass des 150-Jahr Jubiläums des Österreichischen Alpenvereins widmet das Salzburg Museum eine große Sonderausstellung den Hohen Tauern. Alle Infos dazu findet ihr unter
http://www.salzburgmuseum.at