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29. September 2012

"Es ist noch kein Messias mit einem Raumschiff vom Himmel gefallen!"

Lässt sich aus dem Weltall Energie gewinnen? Manfred Posch, Leiter der Sternwarte Klagenfurt und Amateur-Astronom, über die Kraft der Sonne, Ufos und das Leben auf anderen Planeten.

 

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Nächste Woche erscheint die neue Ausgabe des VERBUND-Magazins flow. Ihrem dortigen Artikel messen Sie der Sonne eine entscheidende Rolle in Sachen Energiegewinnung aus dem Weltall zu. Was ist die Sonne eigentlich für ein Stern und wie könnte ihre Energie künftig genutzt werden?

 

 

Manfred Posch_

Die Sonne ist einer von 300 Mrd. Fixsternen in der Milchstraße, die wiederum nur eine von 100 Mrd. Galaxien ist. In der Sekunde produziert die Sonne direkt so viel Energie wie etwa 400 Mrd. Solar-Kraftwerke auf der Erde. Wissenschaftler wollen diese gewaltige Energie künftig bereits im Weltall abfangen. Mit Hilfe riesiger Sonnensegel mit hauchdünnen Spiegeln soll die Energie durch Mikrowellen an die Erde geschickt werden. Ein solches Kraftwerk hätte die achtfache Energieeffizienz eines Kraftwerks auf der Erde. Aber der Kostenfaktor sowie der technische Aufwand überschatten die Realisierung.

 

 

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Könnte man auch andere Formen von „außerirdischer“ Energie nutzen?

 

 

Manfred Posch_

Das Weltall steckt zwar voller Energie, doch die Energiegewinnung durch Kometen und dergleichen ist utopisch. Die Menschen nutzen zwar die Kraft des Mondes in sogenannten Gezeitenkraftwerken. Es gibt auf der Erde aber nicht viele Stellen, an denen sich so ein Kraftwerk ökonomisch auszahlt. Zudem kann die Leistung, durch die Zeitspannen zwischen Ebbe und Flut, nicht gleichmäßig aufrechterhalten werden. Dafür bedient man sich besser Binnengewässern mit sauberer Wasserkraft – oft auch in Verbindung mit tollen Renaturierungsprojekten.

 

 

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Wie sieht es derzeit mit der bemannten und unbemannten Raumfahrt aus? Wie ist da der Stand der Dinge?

 

 

Manfred Posch_

Die unbemannten Missionen sind auf einem sehr hohen Level. Aber wir stehen noch ganz am Anfang, denn das Sonnensystem ist größer als vermutet. Derzeit macht ja gerade der Roboter der NASA „Curiosity“ den Mars unsicher. Seine primäre Aufgabe ist es, die Beschaffenheit und Lebensfreundlichkeit des Mars zu erforschen.

 

 

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Ist der Mars denn lebensfreundlich oder gibt es andere Planeten, die für ein überstellares Leben geeignet wären?

 

 

Manfred Posch_

Es gibt ungefähr 1.000 Planeten, auf denen ein Leben theoretisch möglich wäre. Besser gesagt, diese Planeten liegen in der „habitablen Zone“, wo es weder zu warm noch zu kalt ist. Darüber hinaus müssen weitere Parameter mitspielen, wie die Beschaffenheit der Atmosphäre und die Umlaufbahn des Planeten. Es ist aber nur mehr eine Frage von Jahren, bis man einen solchen Planeten findet. Der Nachweis, dass es dort bereits Leben gibt, wird dennoch dauern.

 

 

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Also besteht die Möglichkeit von Lebensformen auf anderen Planeten?

 

 

Manfred Posch_

Wenn die Wissenschaftler ein Molekül finden würden, was ja nur die Vorstufe zum Leben ist, wäre das der Hammer. Würden sie richtiges Leben finden, wäre das der Überdrüber-Hammer. Aber ob das passiert, steht noch in den Sternen.

 

 

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Wird man sich demnach mit der Tatsache abfinden müssen, dass es wahrscheinlich keine anderen Intelligenzen gibt, die mit ihren Ufos quer durch die Galaxis flitzen?

 

 

Manfred Posch_

Dafür sprechen zu viele Argumente. Ich werde einmal wöchentlich von Leuten angerufen und über Ufo-Sichtungen informiert. Meistens handelt es sich dabei um Lichteffekte aus Diskos oder Wetterballons. Die Wissenschaft kann weltweit 97 % der Vorkommnisse erklären. Zugegeben: 3 % bleiben wirklich unerklärbar. Ich belächle diese Leute nicht, denn sie haben ja wirklich etwas gesehen. Es ist wie wenn man zum Kardiologen geht, der keine Ursache fürs Herzweh findet. Der Schmerz ist dennoch da. Würde man Leben finden, ändert sich auch die Vorstellung von Philosophie, Geschichte und Religion. Aber noch ist kein Messias mit Hilfe eines Raumschiffs vom Himmel gefallen.

 

 

flow_

Wie schätzen Sie die momentane Energie-Situation der Menschen ein?
Einerseits bin ich froh, dass Menschen wieder zum „sauberen Strom“ wie Sonnenenergie oder Wasserkraft tendieren. Allerdings kritisiere ich den verschwenderischen Umgang damit. Die Energiemenge, die für unnötige Beleuchtung vergeudet wird, ist der helle Wahnsinn. Gerade in Städten herrscht ein irrsinniger Elektrosmog. Allein in Österreich sterben im Jahr 400 – 500 Mrd. Insekten durch Beleuchtungsanlagen. Astronomen können nur weitab der Städte forschen, denn durch den Licht-Dom kann man das Himmelsgestirn in der Stadt nicht mehr erblicken. Auch der Mensch selbst leidet unter den hellen Nächten: die Melatonin-Ausschüttung in seinem Körper wird gestört und der natürliche Biorhythmus kommt ins Schwanken. Für die Zukunft und zum Wohle für uns alle wünsche ich mir einen vernünftigen Umgang mit Energie.

 

 

Lust auf mehr? Im aktuellen flow (Erscheint am 5. Oktober) setzt sich Manfred Posch mit dem Sinn des Universums und der Lösung der Energiefrage auseinander.

 

 

 


Die Sternwarte Klagenfurt: Hier arbeitet und forscht Manfred Posch. © Archiv AVK