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03. Oktober 2012

220 Gramm Textil = 11 Kilogramm CO2

Wie viel Energie wird aufgewendet, um ein Shirt herzustellen? Wie steht es um Ressourcenverbrauch und ökologischen Fußabdruck bei der Produktion eines T-Shirts?

Ökologischer Fußabdruck eines T-Shirts

 

Das international agierende CSR-Beratungshaus Systain Consulting aus Hamburg hat eine interessante Studie in Sachen „Carbon Footprint“ bei der Bekleidungsproduktion erstellt. Dabei wurde für die Otto Group der ökologische Fußabdruck von drei Textilien ermittelt. Miteinbezogen wurde der gesamte Lebensweg: Rohstoffe, Herstellung, Transport, Distribution, Verpackung, Gebrauchsphase und Entsorgung.

Ziel der Studie war es, den CO2-Ausstoss der mit Herstellung, Transport und Gebrauch von Textilien einhergeht transparent zu machen. Außerdem belegt die Studie eine genaue Rückverfolgbarkeit innerhalb der gesamten Produktionskette. Grundlage der Messung bildeten die ISO-Normen der Produktökobilanzen.

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CO2-Emissionen eines Damenlongshirts weiß, 100 % Baumwolle, Größe 40-42

Am Beispiel eines weißen Damen-Longshirts aus Baumwolle mit Nettogewicht 220 Gramm, Größe 40 – 42, wurde deutlich gemacht, dass der ökologische Fußabdruck das 50-fache(!) des Eigengewichts entspricht. Insgesamt 10,75 % beträgt der Carbon Footprint eines weißen Longshirts aus Baumwolle. Herstellung und Gebrauch bilden mit fast einem Drittel den höchsten Emissionsanteil.

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Betrachtet man den Baumwollanbau, so fällt die Hälfte der Treibhausemissionen auf Lachgase bei den Düngermitteln zurück. Die andere Hälfte betrifft den Energieverbrauch bei der Bearbeitung der Felder und Entkörnung der Saatbaumwolle.

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Spannend auch die Ermittlung des CO2-Ausstosses des Longshirts beim Transport. Immerhin 35.000 km hat das Shirt von der Baumwollproduktion in den USA über Bangladesch nach Deutschland per Schiff zurückgelegt, dennoch ist die Transportemission von 290 Gramm CO2 dabei überraschend gering ausgefallen. Käme das fertige Bekleidungsstück dagegen nicht mit dem Schiff sondern dem Flugzeug, würden die Emissionen sogar auf 4 kg CO2 ansteigen.

Sehr intensiv ist auch der CO2-Ausstoss beim Transport innerhalb des Zielmarktes Deutschland, bescheinigt die Studie der CSR-Beratung Systain. Versand, Lagerung und Retouren lassen 870 Gramm CO2 entstehen. In Bangladesch sind es gar 3 kg CO2-Ausstoss, entstanden in erster Linie durch die Stromerzeugung der Produzenten. Aufgrund instabiler Stromversorgung im Land decken die meisten Produzenten Bangladeschs ihren Bedarf mittels Generatoren selbst.

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Ungewöhnlich hoch ist auch der Emissionswert der Näherei. Fast 600 Gramm gehen dabei in der Konfektion auf das abschließende Bügeln zurück. Vor allem hier hat das Systain-Team rund um Norbert Jungmichel großes Potenzial zur Energieeffizienz entdeckt.

Geht man abschließend davon aus, dass das Shirt 55 Mal gewaschen wird bevor es entsorgt wird, geht ein erheblicher Anteil des ökologischen Fußabdrucks auf die Gebrauchsphase zurück. 3,3 kg CO2-Ausstoss wurden dabei errechnet. Sollte nach jedem Waschgang das Teil auch noch in den Trockner gesteckt und gebügelt werden, so verdreifacht sich der Carbon Footprint auf 10,7 kg CO2.

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Fazit: Studien, die den ökologischen Fußabdruck von Textilien transparent machen schärfen mit Sicherheit das Bewusstsein des Konsumenten. Und nur durch Druck der Verbraucher auf Produzenten und Markenunternehmen wird ein Umschwung in Richtung Ressourcenschonung zukünftig möglich sein. „Eco & Fair Fashion Made in Bangladesch“ – eine schöne Vision...