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Jeder kennt „Tixo“ und jeder verwendet Konservendosen. Doch welche skurrilen Entstehungsgeschichten hinter diesen Produkten stecken und wo sie ihren Ursprung haben, das wissen die wenigsten.

Viele geniale Erfindungen verdanken sich dem Zufall, geschehen über Umwege oder benötigen einfach einen zweiten Anlauf in der Entwicklung. Wir haben ein paar Beispiele zum Staunen zusammengetragen:

Na Mahlzeit!

In Siegeslaune in den Krieg ziehen und Hunger zu sterben – ein bitterer Brei, der Napoleon Bonaparte nicht schmeckte. Wer hätte aber gedacht, dass gerade dieses Versorgungsdebakel Auslöser für die Erfindung der Konservendose war? Der Kaiser versprach demjenigen 12.000 Goldfrancs, der Lebensmittel für längere Märsche haltbar machte. Der Pariser Zuckerbäcker Nicolas Appert hatte die Idee, Gemüse und Fleisch wie Marmelade einzukochen und erfand kurzerhand „Konservenflaschen“. Der Franzose Peter Durand beantragte 1810 ein Patent auf die Idee, verwendete aber robuste und leichte Eisendosen. Schlechter Beigeschmack: Durch die Bleiversiegelung starben viele Leute schleichend an einer Bleivergiftung.

E-Bikes auf der Überholspur

Sich eine Idee abgekupfert – aber ohne gravierende Folgen – haben sich auch die Hersteller der Pedelec, also jener Fahrräder, bei denen die Muskelkraft durch einen Elektro-Antrieb verstärkt wird. Gleich drei Erfinder wollen die Urheber sein: Philippe Kohlbrenner, der Erfinder des „Flyer“-Rades, die japanische Firma Yamaha und der Schweizer Student Michael Kutter, der 1990 die Tour de Sol mit einem Elektrorad bestritt. Um die E-Bikes massentauglich zu machen, setzte man im Hause Kohlbrenner ab 2003 auf die Zusammenarbeit mit Tourismusverbänden. Doch erst Trittbrettfahrern wie dem deutschen Unternehmen Derby Cycle gelang es mit ausgereifterer Technik, E-Bikes immer populärer zu machen und die eigentlichen Erfinder im (Wind-)Schatten stehen zu lassen.

Hornisse Vorbild für Solarstrom

Geniale Erfindungen rund um erneuerbare Energie entstehen nicht nur durch den Pioniergeist der Menschen, auch die Tierwelt hat einiges vorzuweisen. Die orientalische Hornisse kann mit ihrer speziellen Panzerung Sonnenlicht in elektrische Energie (0,5 Volt) umwandeln und bei Bedarf abrufen. Wissenschaftler der Universität Tel Aviv wollen nun das Farbpigment Xanthopterin der Hornisse genauer unter die Lupe nehmen. Daraus sollen Erkenntnisse für innovative Solaranlagen erlangt werden. Das Sonnenlicht könnte dann nicht nur effektiver sondern auch billiger genutzt werden. Unklar ist allerdings noch, wozu Hornissen Sonnenlicht in Strom umwandeln.

Klebestreifen auf den zweiten Versuch

Auch der Apotheker Dr. Oscar Troplowitz wusste Ende des 19. Jarhhunderts noch nicht genau was er mit seiner Erfindung, dem „Tesa – Film“ (österr. Tixo) anstellen sollte. Fakt war: Es pickt! Eigentlich wollte er für Beiersdorf ein Wundpflaster herstellen, doch die Textur war hautunverträglich und für offene Wunden ungeeignet. Also beschloss er, es als Klebestreifen zum Reparieren löchriger Fahrradreifen zu verwenden. Der Name „Tesa“ entstand später: Die Sekretärin Elsa Tesmer lieh ihre Initialen eigentlich der Benennung einer Zahnpasta-Tube, 1926 wurde der Begriff für Wurstpelle verwendet und erst 1936 erhielt der Klebestreifen den heute so bekannten Namen: tesa®.

 
Die Geschichte zeigt: Viele geniale Erfindungen haben sich erst auf den zweiten Blick als solche entpuppt. Wir dürfen also gespannt sein, auf welche Einfälle Mensch und Natur in Zukunft noch stoßen werden…