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21. Dezember 2012

Fußabdruck: Unser aller CO2-Rucksack

Die Reduktion der CO2-Emissionen und die Eindämmung der Erderwärmung sind ein großes Thema für die nächsten Jahre. Jeder Einzelne muss motiviert sein, seinen Beitrag zu einer Senkung der CO2-Bilanz zu leisten bzw. mehr darin zu investieren.

"Mein persönlicher CO2-Fußabdruck liegt unter dem österreichischen Durchschnitt“, erzählt die Wiener Businessfrau Ursula Groß aus ihrem Alltag. „Ich bin in der komfortablen Situation, dass ich meinen Arbeitsplatz zu Fuß erreiche. Unsere Wohnung ist südseitig ausgerichtet, wodurch wir weniger heizen müssen. Außerdem konsumieren wir überwiegend saisonale Lebensmittel.“ Der Individualverkehr spielt als CO2-Verursacher für Frau Groß und ihre Familie privat kaum eine Rolle, sehr wohl aber ihre beruflich bedingten Reisen. „Mein CO2-Wert wird sicher von meinen Flugreisen negativ geprägt“, ist Groß überzeugt.

Wie groß ist mein Fußabdruck? 

Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum – diese 4 Faktoren bilden die Basis der CO2-Footprintberechnung. Hier liegen auch die größten Einsparpotenziale. 

Jede Österreicherin und jeder Österreicher trägt derzeit einen CO2-Rucksack von durchschnittlich rund 10 Tonnen pro Jahr. Das ist das 5-fache der langfristig verkraftbaren CO2-Menge. „Wenn wir das 2-Grad-Ziel erreichen wollen, das heißt, die durch den Menschen verursachte Erderwärmung bis 2050 im Durchschnitt auf 2 Grad zu begrenzen, müssen die global verursachten CO2-Emissionen im Vergleich zu heute mehr als halbiert werden“, erläutert Jürgen Schneider vom Umweltbundesamt. „Jedem Bürger muss klar werden, dass sein Lebensstil massive Auswirkungen auf die Umwelt hat“, betont er nachdrücklich.

Das Ausweisen der persönlichen CO2- Emissionen in Tonnen sagt jedoch für den Einzelnen wenig aus. „Ich erkenne dadurch zwar, ob ich über oder unter dem österreichischen Schnitt liege, aber unter 9,2 Tonnen kann ich mir wenig vorstellen,“ schildert Ursula Groß. Hier kommt der CO2-Fußabdruck ins Spiel, der die Klimawirkungen unseres Verhaltens darstellt. Einen ersten Eindruck davon kann man sich über CO2- Rechner machen. 

Sind CO2-Bilanzen vom Lebensstil geprägt?

Wir alle haben Stereotype im Kopf, zum Beispiel, dass ältere Menschen einen geringeren CO2-Fußabdruck haben als junge. Aber stimmt das wirklich? Eine gemeinsame Studie der Karmasin-Marktforschung und des Nachhaltigkeitsinstituts SERI hat gezeigt, dass jede Österreicherin und jeder Österreicher in etwa den gleichen Energieverbrauch und CO2-Fußabdruck aufweist. Der Gesamtenergieverbrauch unterscheidet sich kaum, allerdings setzt er sich je nach Milieugruppe unterschiedlich zusammen. Die Studie unterteilt unsere Gesellschaft in 4 Milieus: Niveau, Harmonie, Selbstverwirklichung und Unterhaltung. 

Niveaumilieu - Modernste Geräte, hohe Energie-Effizienz:

Ältere gebildete Personen bilden das Gros des Niveaumilieus, aber auch die 48-jährige Frau Groß rechnet sich mit ihrer Familie dazu. „Bei mir wird auf Perfektion Wert gelegt, Leistung, Anerkennung sowie Tradition und Bildung spielen eine entscheidende Rolle. Unser Haushalt umfasst eine Vielzahl moderner effizienter Geräte rund um Multimedia, Office, Sanitäres und Kochen. Dafür weisen wir aber eine hohe Wohnfläche pro Kopf auf, was unsere CO2- Bilanz schmälert.“ Die Wohnung von Frau Groß ist zwar gut gedämmt und klimatisch günstig gelegen, durch die große Wohnfläche bleibt der Energiebedarf für das Heizen im Vergleich zu kleineren Wohneinheiten allerdings hoch. Ihr Beruf erfordert von der Businessfrau außerdem viele Flugreisen. 

Harmoniemilieu - Viel Energie für Heizen und Wohnen:

Das Harmoniemilieu ist in der Regel weniger gebildet, eher bescheiden und sehnt sich nach Gemütlichem und Vertrautem. Hier fühlt sich die Mutter von Ursula Groß, Melanie Richter, zu Hause. Durch die geringe Anzahl an Geräten sowie die niedrige Mobilität mit PKW und Flugzeug lebt sie generell energiesparsam. Verbesserungsmöglichkeiten sieht aber auch sie, vor allem hinsichtlich höherer Energie-Effizienz. „Das trifft sicher auf meine Haushaltsgeräte zu, auf die Beleuchtung und auf die thermische Qualität des Wohngebäudes.“ Richter wird dem Image der Harmonie-Orientierten im Wohnbereich gerecht, denn sie wohnt ebenso wie das Gros dieser Gruppe in einem Einfamilienhaus.

Selbstverwirklichungsmilieu - Smartphone, PC und Flugreisen:

Jüngere gebildete Personen wie den Jungunternehmer Alexander Hanzlik, für die Individualität und Freiheit an oberster Stelle stehen, zählt die Studie zum Selbstverwirklichungsmilieu. Sie haben meist viele elektronische Geräte, jedoch mit einer hohen Effizienz. Die eher große Wohnfläche in Mehrfamilienhäusern kommt beim CO2-Fußabdruck nicht so sehr zum Tragen, die Ursache für einen hohen Energieverbrauch ist zumeist die Mobilität. Diese Personengruppe weist die meisten Flugreisen und die höchste Anzahl an PKW pro Erwachsenem auf. Mit 21,3 Tonnen CO2 allein für die Fortbewegung spiegelt Hanzlik das Mobilitätsmuster der Selbstverwirklicher wider.

Unterhaltungsmilieu - Spaß und Mobilität: 

Ein junges Publikum findet sich auch im Unterhaltungsmilieu, wo es das starke Bedürfnis nach Aufregendem, Schnellem und Schrillem gibt. Konservatives wird abgelehnt. In dieser Gruppe trifft man auf die Jus-Studentin Rika und ihren Partner, den Psychologie-Studenten Roman. „Kommunikation muss cool und modern sein. Wir wollen Spaß“, ist ihr Anspruch. Diese Gruppe ist viel mit dem Flugzeug unterwegs. Viele Aktivitäten für Unterhaltung und Action sind außerdem mit einem hohen indirekten Energieverbrauch verbunden. Dazu zählt der Besuch von Spielhallen, Volksfesten oder Bräunungsstudios ebenso wie die Sportszene. Auch Pop- und Rockkonzerte sowie Diskotheken werden gerne frequentiert. 

Lebensstil ändern. 

„Diese Studie ist sehr interessant“, kommentiert Umweltbundesamt-Experte Jürgen Schneider. „Daraus darf aber nicht der Schluss gezogen werden, dass es auf individueller Basis keine Unterschiede gibt und dass Einflussmöglichkeiten generell fehlen. Mit Verhaltensänderungen kann der eigene Fußabdruck rasch und einfach deutlich vermindert werden.“ Die Reduktion der CO2-Emissionen und die Eindämmung der Erderwärmung sind das große Thema der nächsten Jahre. Jeder Einzelne muss motiviert werden, seinen Beitrag zu einer Senkung der CO2-Bilanz zu leisten bzw. mehr darin zu investieren. „Um das Bewusstsein über den persönlichen CO2-Fußabdruck weiter zu stärken, ist es wichtig, besser zu informieren“, fordert Schneider. „Zugegeben, wenn ich jeden Tag vor Augen habe, welchen negativen Einfluss meine Aktivitäten auf die ökologische Bilanz haben, bin ich viel eher motiviert, mein Verhalten schrittweise zu verändern“, erklärt auch Ursula Groß. Nötig sind dafür der richtige Kommunikationsweg für Informationen rund um die persönliche CO2-Bilanz in den 4 Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum sowie Tipps und Tricks für einen nachhaltigen, aber dennoch komfortablen Lebensstil. „Wenn ich nie ins Internet einsteige, werden Online- News wenig Überzeugungsarbeit leisten können“, sagt Schneider. Studien über zielführende Kommunikationswege gibt es bereits. Das Unterhaltungs- und das Selbstverwirklichungsmilieu reagieren demzufolge vor allem auf moderne Kommunikationsmedien wie Internet oder SMS, aber auch auf Postwurfsendungen, Prospekte, Plakate oder Tageszeitungen. Vertreter des Niveaumilieus nutzen vorwiegend Plakate und Tageszeitungen. Das Harmoniemilieu spricht vor allem auf Wochenzeitungen und Fernsehen an. „Der Weg zu einer verbesserten CO2-Bilanz ist frei. Man muss ihn nur einschlagen – sobald als möglich,“ appelliert auch Ursula Groß, die künftig für Kurzstrecken die Bahn nutzen möchte.

Co2-Rechner & Co. Klimaschutz-Helfer im Web

Wer seinen persönlichen CO2-Fußabdruck berechnen lassen möchte, dem stehen im Internet eine Reihe von CO2-Rechnern zur Verfügung. Die Rechner arbeiten allerdings in unterschiedlichster Qualität und mit verschiedenen Datengrundlagen. Bei der Wahl des CO2-Rechners muss sich der Suchende immer die Frage stellen: Was möchte ich mit der Aussage erreichen? Für die meisten Bürger geben Onlinerechner gute erste Anhaltspunkte. Sie lassen erkennen, in welchen Bereichen – Ernährung, Mobilität, Wohnen und Konsum – die meisten CO2- Emissionen auftreten. Man sollte sich aber nicht auf die Kommastellen verlassen. 

Hilfreiche Links

www.co2-rechner.at (CO2-Rechner)

www.topprodukte.at (Gerätevergleich)