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Ohne ein zuverlässiges Stromnetz gibt es kein Licht, der Kühlschrank läuft nicht und das Radio bleibt stumm. Damit alles einwandfrei funktioniert, sind die Spezialisten unserer Netz-Tochter APG rund um die Uhr im Einsatz.

Kaum jemand kennt das Hochspannungsnetz der Austrian Power Grid AG – kurz APG – so gut wie Stefan Jost. Als System Operator sorgt er zusammen mit seinen Kollegen dafür, dass ganz Österreich rund um die Uhr verlässlich mit Energie versorgt wird. Sein Arbeitsplatz – die Power Grid Control beim Umspannwerk Wien Südost – ist das Nervenzentrum der heimischen Stromversorgung. Mehr als 6.700 Kilometer Leitungen und 60 Umspannwerke werden von hier aus gesteuert.

Strom die Richtung weisen

Zu den 70.000 Steuerbefehlen pro Jahr kommen rund 2.500 „Notmaßnahmen“, mit denen Energieflüsse umgeleitet werden. Denn damit die Stromversorgung funktioniert, dürfen die Kraftwerke nur so viel Energie einspeisen, wie die Kunden verbrauchen. Hinzu kommt, dass der Stromfluss nicht an Landesgrenzen halt macht. „Wenn der Wind im Norden Deutschlands kräftig bläst und 10 Mal so viel Strom aus Windkraft erzeugt wird wie normal, müssen wir gegensteuern. Sonst würden die Leitungen überlastet“, sagt Jost.

 

Hochspannung am Simulator

Um sich auf solche Fälle vorzubereiten, nehmen er und seine Kollegen regelmäßig an Trainings mit Vertretern anderer Netz- und Kraftwerksbetreiber teil. Ähnlich wie an einem Flugsimulator werden reale Situationen an Monitoren „durchgespielt“, vom Ausfall einer Leitung bis zum totalen Blackout. Bis zu 28 Teilnehmer arbeiten gleichzeitig am selben Fall. Sie kommunizieren via Telefon und müssen sich in einer Ausnahmesituation behaupten. „Da geht’s richtig rund“, sagt Stefan Jost. „Kaum nimmt man den Hörer ab, gibt es schon 10 weitere Anfragen in der Warteschleife.“ Was er daraus gelernt hat? „Wie zentral die Kommunikation untereinander ist und dass im Ernstfall jede Sekunde zählt.“

Geplant und organisiert werden die Schulungen von Milorad Markovic, einem Experten für Netzsicherheit bei der APG. Er betont, wie wichtig der internationale Austausch unter den Netzbetreibern ist. „Bei diesen Trainings lernen wir gegenseitig aus Erfahrungen anderer und knüpfen interessante Kontakte. Und wir können natürlich unser eigenes System dadurch immer weiter verbessern.“

Einsatz über Stock und Stein

Als System Operator ist Stefan Jost auch dafür verantwortlich, dass Störungen so rasch wie möglich behoben werden. Fällt eine Leitung aus – beispielsweise durch einen umgestürzten Baum oder eine Mure – verständigt er den Störungsdienst in der Region. Dass ein Gutteil der Leitungen durch unwegsames Gelände führt, stellt das Team vor besondere Herausforderungen. Als im Februar 2012 eine Lawine einen Mast der 220-kV-Leitung zwischen den Umspannwerken Salzburg und Tauern zerstörte, mussten erst 15 Kilometer Wald- und Gebirgswege von Schneemassen befreit werden, um durchzukommen.

Beispiele wie diese zeigen, wie wichtig die Arbeit unserer Netzexperten ist – und wie viel im Hintergrund passiert, damit wir täglich gut mit Strom versorgt sind.