Zur Übersicht

Das Jahrhundert-Hochwasser an der Donau hat gravierende Auswirkungen. Was die Wassermassen am Grunde der Donau hinterlassen haben, überprüft VERBUND mit seinen Messbooten. Wir waren mit unterwegs auf „Herbert“, einem von vier dafür speziell ausgerüsteten Spezialmessschiffen.

 „Die Donau ist ein lebendiger Fluss“, erklärt und Christian Stäuble, Leiter des Donau-Vermessungsteams bei VERBUND. Regelmäßig vermessen seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Stauräume unter Wasser, so auch heute im Stauraum des Kraftwerks Ottensheim-Wilhering. Die Bedingungen sind ausgesucht schön: warmes Wetter und nahezu windstill. Der Grund der Donau, die Sohle, muss nach dem Jahrhunderthochwasser vom Juni neu vermessen werden, um wichtige Fragen zu klären. Ist die Schifffahrtsrinne beim Kraftwerk noch tief genug? Haben sich Schlammablagerungen gebildet? Wurde Material ausgeschwemmt? Die Daten werden mit den Aufnahmen vergangener Jahre verglichen und daraus analysiert, wie die ungeheure Kraft des Wassers am Grund der Donau wirkt.

  Christian Lanschützer und Christian Stäuble erläutern dem ORF die Profilmessungen vom Donaugrund

Dazu braucht es exakte Messdaten, die helfen sollen, die Ereignisse aufzuarbeiten und sich auf das nächste Hochwasser vorzubereiten. Das „Single Beam“- Echolot, das Christian Lanschützer bedient, liefert genau diese Daten. Unmittelbar nach dem Hochwasser lag der Fokus vor allem auf die Sicherheitsinspektion der Kraftwerksanlagen, nun werden die Stauräume inspiziert.

  Bootsführer Leopold Lichtenschopf am Steuer des „Herbert"

Präzise Messungen gelingen nur, wenn Bootsführer Leopold Lichtenschopf sein Gefährt schnurgerade über den Stauraum steuert. Wellengang durch den lebhaften Industrie- und Ausflugverkehr auf der Donau sind da äußerst hinderlich. Das Manövrieren erfordert äußerste Konzentration, und das stundenlang. Das 8,5 Meter lange Schiff mit seinen 200 PS ist übrigens winzig im Vergleich zu den Schubverbänden und Passagierkreuzern, die bei Kaiserwetter über die Donau ziehen.

 Daniele Luger misst vom Begleitweg aus

Orientierung bieten die sogenannten „Hektometerplätze“- für die Touristen am Treppelweg unscheinbare Betonmarkierungen, die aber exakt vermessene Haltepunkte bilden, nach denen „Herbert“ den Stauraum abfährt. Unterstützung vom Land kommt durch Daniela Luger. Sie ist im ersten Ausbildungsjahr zur Vermessungstechnikerin. Mit GPS-Unterstützung stimmen die Positions- und Tiefendaten mit einer maximalen Abweichung von etwa 2 Zentimetern.

 GPS-Sender beim Kraftwerk Ottensheim-Wilhering

Für den 16 Kilometer langen Stauraum werden die Arbeiten wohl eine Woche dauern, wenn die Bedingungen so gut bleiben. Die Daten werden nach Bewertung durch die Fachabteilung Bau-Niederdruckanlagen dem Aufsichtsorgan, der Obersten Wasserrechtsbehörde beim Lebensministerium vorgelegt. Dargestellt wird wo in welchem Ausmaß sich die Stromsohle verändert hat, ob  dies Einfluss auf spätere Hochwässer darstellt, oder Bedarf nach Baggerarbeiten im Fluss besteht.

  Freunde am Fluss: Das Messboot „Alpha“ der via

Bei unserer Fahrt kreuzt sich der Weg mit dem Messboot „Alpha“ der staatlichen Wasserstrassengesellschaft  Via-Donau. Auch diese vermisst den Donaugrund, allerdings hier mit einem anderen Messverfahren (Flächensonar) und mit einem anderen Fokus, nämlich der Sicherheit der Schifffahrt. Die unabhängig ermittelten Daten sind für die Behörde eine zusätzliche Kontrolle bei der Aufarbeitung der Jahrhundertflut.

 Unermüdlich zieht „Herbert“ seine Linien auf der Donau