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14. August 2013

Sounddesign für E-Autos

Ist das leise Surren der Elektroutos wirklich gefährlicher für den Fußgänger als der Klang des Verbrennungsmotors? Wie laut oder leise sollen Autos mit Elektroantrieb sein? Und: Wie klingt der optimale „E-Sound“? Eine Analyse.

Derzeit scheiden sich die Geister an der Frage, ob Elektroautos mit künstlich erzeugten Geräuschen ausgestattet werden sollen oder nicht: Schwärmen die einen von einem zukünftig leiseren Verkehr, so weisen die anderen auf eine „gefährliche Geräuscharmut“ von E-Autos hin. Kann es sein, dass wir in Zukunft unsere Sinne schärfen und nur genauer hinhören müssen? Der Weisheit letzter Schluss dürfte noch nicht gefunden worden sein.

Gesucht: der optimale Klang
Obwohl in Europa derzeit nichts auf eine erhöhte Unfallgefahr durch das Überhören von E-Autos hindeutet, experimentieren die Autohersteller dennoch intensiv an Akustik-Klängen für ihre Elektroflotten. Bei Audi beispielsweise versucht man der „e-tron“-Modellreihe eine spezifische Klang-Ästhetik zu verpassen. Aus den Parametern Drehzahl, Last und Geschwindigkeit wird der jeweilige Sound über einen Lautsprecher am Fahrzeugboden ausgesandt.

Wie soll ein Elektroauto klingen? „Der Sound eines Autos hat Ähnlichkeiten mit Musik,“ umschreibt Audi-Akustik-Ingenieur Rudolf Halbmeir die Herausforderung des optimalen Elektro-Autoklangs: Tiefe Frequenzen vermitteln dem Verkehrsteilnehmer Kraft und Gelassenheit. Mittlere Frequenzen dokumentieren Sportlichkeit und Dynamik. „Emotionale Fahrsignale“ begleiten mittlerweile auch E-Autos von Peugeot und Mitsubishi.

Wie wir auf Töne reagieren
Für die Entwicklung künstlicher Geräusche des derzeit meistgebauten Elektroautos, des Nissan Leaf, wurde das Verhalten sehbehinderter Verkehrsteilnehmer analysiert. Die Akustik-Designer von Nissan haben dabei mit Psychologen und Experten für Psychoakustik zusammengearbeitet, um die Reaktionen der Menschen auf unterschiedliche Töne zu ergründen. Im Zusammenspiel von Geschwindigkeit, Beschleunigung und Bremsung erzeugt das Soundsystem höhere oder niedrigere Töne. Ab 30 km/h, wenn die Reifen ein gut hörbares Abrollgeräusch erzeugen, schaltet sich das Klangsystem ab.

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Der Klang des Verbrennungsmotors gilt für den Fußgänger zwar als Signalquelle, von einem Dauerton bei E-Autos raten die Wissenschaftler vom Center of Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen aber ab. Schließlich sei die geringe Lärmemission ein Vorzug und kein Nachteil. Wie eine CAR-Studie ergeben hat, sind Elektroautos für blinde Menschen nicht gefährlicher als normale benzinbetriebene Fahrzeuge.

Derzeit gibt es keine qualifizierten Studien, inwieweit geräuscharme E-Autos einhergehen mit einer erhöhten Gefahrensituation für Verkehrsteilnehmer. Dennoch sind in den USA und Japan bereits Gesetze zur Erzeugung künstlicher Geräusche für Elektrofahrzeuge in Kraft getreten. Und auch die EU arbeitet an einer Verordnung für E-Autoklänge. Es bleibt also abzuwarten, wie Elektroautos in Zukunft „klingen“ werden.