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21. Oktober 2013

Macht euren Strom selbst – doch warum?

Energieunternehmen wollen Strom verkaufen – aber wieso ruft VERBUND seine Kundinnen und Kunden dann zur Eigenproduktion und zu mehr Effizienz auf? Wir gehen für euch dieser Frage nach.

Stellt euch Folgendes vor: Ihr erzeugt euren eigenen Strom mit Solarenergie und versorgt euch selbst mit grüner Elektrizität. Wenn ihr einen Überschuss produziert, verkauft ihr ihn einfach an den Netzbetreiber für bares Geld. Ein Horrorszenario für die Energieindustrie – oder etwa nicht?

 

Von der Kilowattstunde zum Servicepaket
Warum ruft gerade ein Energieunternehmen zur Strom-Selbstversorgung auf?  „Es gibt zwei Hauptgründe, wieso wir den Kunden aktiv in das Energiegeschäft einbinden wollen“, erklärt Bertram Weiss, Innovationsmanager bei VERBUND. „Auf der einen Seite schreiben uns strengere Gesetze vor, dass unsere Kundinnen und Kunden künftig weniger Energie verbrauchen. Zum anderen sehen wir darin als Stromunternehmen eine Chance: Wir unterstützen sie mit intelligenten Services, damit sie Strom effizienter und nachhaltiger nutzen können.“

Produkte wie das Solar-Strom-Paket PLUS sollen die Nutzerinnen und Nutzer zur Eigenproduktion bewegen: Eine Fotovoltaikanlage erzeugt tagsüber Elektrizität; überschüssiger Strom fließt in einen Speicher und so kann auch nachts der eigenproduzierte Strom genutzt werden. Erst wenn der Speicher voll ist, wird die Energie ins Netz eigespeist und vergütet. Auch in weiteren Bereichen – wie E-Mobilität oder Heizen durch den effizienten Einsatz von Strom – wird VERBUND künftig mit interessanten grünen Angeboten punkten. Doch werden solche Produkte überhaupt angenommen? Immerhin richten sie sich in einem ersten Schritt nur an Besitzerinnen und Besitzer von Einfamilienhäusern, die auch diese Technologien und Services finanzieren werden.

 

Ängste nehmen, Reize schaffen
„Das Boot hat gerade erst abgelegt“, sagt Weiss. „Vorerst sprechen wir die Technologie- und Öko-Begeisterten an. Wir wollen den Kundinnen und Kunden jedoch die Angst nehmen und ihnen zeigen: Hier könnt ihr selbst aktiv werden, etwas für die Umwelt tun und auf längere Sicht Geld sparen.“  Im besten Fall haben sie den gleichen Komfort, mehr Service und verdienen auch noch Bares nebenbei. Ein ehrgeiziges Ziel, denn die breite Masse verzichtet nun mal nicht gerne auf gewohnte Standards.

Wie es mit der dezentralen Stromversorgung weitergeht, steht noch in den Sternen. „Ich glaube, dass wir auf kurz oder lang ein neues Marktsystem brauchen, das den neu entstehenden Rollen am Strommarkt gerecht wird“, meint Weiss. „Als Energieversorger müssen wir uns intensiv mit spannenden Themen wie Flexibilität, Speicherung oder Datenmanagement auseinandersetzen – sonst machen das andere Branchen.“ Big Player wie Google haben etwa bereits viel Erfahrung mit dem Handel großer Datenmengen. Weiss ist sich jedoch sicher: Ein Wandel wird passieren. Die Frage ist nur, wann und wie tiefgreifend er erfolgen wird.