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24. Oktober 2013

Der Strommarkt von morgen

Ulrike Kalliauer berechnet, wie der Strommarkt in ein paar Jahrzehnten aussehen könnte: Sie ist für die energiewirtschaftliche Planung bei VERBUND mitverantwortlich.

Wenn man die Arbeit von Ulrike Kalliauer exakt beschreiben will, prallen Fachbegriffe aus Mathematik, Technik, Informatik und Energiewirtschaft aufeinander. Ihr Job ist es, komplexe Dinge einfach darzustellen und dabei trotzdem die Realität so gut wie möglich abzubilden. Kalliauer arbeitet mit dem Energy Market Model (VEMM), das die europäischen Strommärkte und deren zukünftige Entwicklungen simuliert. Aus Daten über Brennstoffpreise, bestehende Kraftwerke, Netze, Nachfrageverhalten und viele andere Faktoren berechnet das energiewirtschaftliche Modell, wie sich die Strompreise in Europa entwickeln und welche Kraftwerke in Zukunft benötigt werden. Kalliauer beschäftigt sich damit, die verschiedenen Faktoren und ihre Wechselwirkungen in VEMM zu integrieren: „Wir haben zum Beispiel detaillierte Daten über tausende Kraftwerke in Europa. Für das Modell gilt es die entscheidenden Parameter herauszufiltern und die Kraftwerke in verschiedene Typen zusammenzufassen. Zentrales Element des Modellierens ist es, aus komplexen Wirkungszusammenhängen und einer Vielzahl von Informationen ein vereinfachtes, aber realitätsnahes Bild der zukünftigen Entwicklung zu erarbeiten.“ 
Die VEMM-Ergebnisse sind für die energiewirtschaftliche Planung des Konzerns von hoher Relevanz. Sie bilden einen wesentlichen Input für die Festlegung der Konzernstrategie, die jährliche Budget- und Mittelfristplanung sowie für die Bewertung von Investitionen und Akquisitionen.

Die zukünftigen Strompreise und energiewirtschaftliche Entwicklung abzuschätzen ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, denn sie hat einen hohen Einfluss auf das zukünftige Konzernergebnis. Beispielsweise bedeutet ein Plus oder Minus von 1 Euro pro MWh ca. 30 Millionen Euro mehr oder weniger für den Konzern.

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Michael Schauerhuber und Ulrike Kalliauer führen die Berechnungen mit VEMM durch.

VERBUND als First Mover

Zwischen den halbjährlichen Prognosen werden immer wieder aktuelle Analysen angefordert. „Letztes Jahr kam zum Beispiel die Frage auf, welche Auswirkungen es auf den Konzern hätte, wenn Europa völlig auf Atomkraft verzichten würde“, berichtet Kalliauer. Einen großen Teil ihrer Arbeitszeit widmen sie und Schauerhuber der Weiterentwicklung von VEMM. „Es werden laufend Veränderungen und neue Phänomene des Markts in die Analyse aufgenommen“, sagt Kalliauer. „Derzeit stellen wir uns zum Beispiel die Frage, in welcher Form Entwicklungen wie Power to Gas oder Druckluftspeicher in VEMM integriert werden können.“ Schauerhuber ergänzt: „Die Anforderungen an den Umfang und die Detaillierung unserer Preisresultate steigen ständig. Besonders der volatile Einfluss erneuerbarer Erzeugung bedarf stundenscharfer Rechenauflösung. Wenn dann noch Marktveränderungen über längere Zeiträume simuliert werden sollen, muss die Modelllandschaft intelligent strukturiert sein, um mit dem Rechenaufwand und den Datenmengen fertig zu werden.“

Werdegang Kalliauer
Ulrike Kalliauer hat an der TU Wien Technische Mathematik studiert und schloss 2009 als Diplomingenieurin ab. Schon im Studium beschäftigte sie sich mit Preisprognosen und Optimierungsmodellen. Ein Jahr war sie Universitätsassistentin und kam beruflich erstmals mit der Energiewirtschaft in Kontakt. 2010 wechselte sie zu VERBUND und trat damit in die Fußstapfen ihres Vaters, der seit über 40 Jahren im Bereich Energiewirtschaft im Unternehmen tätig ist. In ihrer Freizeit spielt sie gerne Beachvolleyball.