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Was haben 500.000 Milchpackerl, 1 Mio. Afrikanische Elefanten und ein Führerschein mit dem VERBUND-Kraftwerk Freudenau zu tun? Die Antworten erfahrt ihr bei einem Ausflug an den Stadtrand von Wien.

Wie eine Pforte zwischen der geschäftigen Industriezone und der naturbelassenen Donauinsel liegt das Kraftwerk Freudenau ruhig an der windigen Donau. Gemeinsam mit einer Schulklasse haben wir uns den "grauen Kasten" genau angesehen und waren begeistert vom bunten Innenleben.

"Die natürlichste Sache der Welt"

Dieser Slogan zur Wasserkraft begleitet die Besucher, wenn sie die Treppen in den ersten Ausstellungsraum runter steigen. Tja, da ist auch was Wahres dran. Und wie man gerade noch über die Wasserkraft nachdenkt, steht man auf einmal in einem Raum – eine Mischung aus futuristischer Unterwasserwelt und blauem Space-Shuttle. Die Schulklasse ist begeistert, denn alles blinkt, leuchtet und es gibt eine Menge Dinge, die man ausprobieren kann.

Elefantenpyramiden und rasende Turbinen

Der sympathische Guide Erich Stadlbauer hat die aufgeweckte Horde schnell im Griff und erklärt uns das Miniatur-Modell des Kraftwerks. Um Informationen anschaulicher zu machen, greift er zu Vergleichen. Sich vorzustellen, dass das gesamte Kraftwerk rund 3,3 Mrd. Tonnen wiegt, ist schwer. Der Gedanke jedoch, wie 1 Million übereinandergestapelte Afrikanische Elefanten aussehen, macht doch gleich mehr Spaß. So erfährt die Schulklasse auch, dass das Kraftwerk 6 Kaplanturbinen mit 7,5 Metern Durchmesser hat, die für eine ganze Umdrehung nicht einmal eine Sekunde benötigen. "Wenn die Turbine einen Führerschein hätte, dann wäre sie mit 90km/h unterwegs", erklärt Stadlbauer. Die Kinder nicken heiter und weiter geht's in den nächsten Raum.

Blauhelme auf Elchtest

Hier erwartet uns eine Präsentation zur Geschichte des Kraftwerks. Die Schüler wissen sofort Bescheid, was VERBUND ist, denn es handelt sich um den Sponsor der Austria, eh klar. Der Guide erklärt den Kids die wichtigsten Teile des Werks, von der Schleuse und dem Krafthaus bis zum Wehr. Auf höchsten Wissensstand gebracht, darf sich die Klasse endlich die blauen Helme aufsetzen und den Kopfschutz auf Herz und Nieren prüfen. Ein cleverer Trick von Stadlbauer, denn einmal ausgeklopft, verliert das Herumrangeln seinen Reiz und die Führung geht friedlich weiter in die Maschinenhalle.

Lautstarke Milchgeschoße

Die Halle ist riesengroß und in den Füßen spürt man ein leichtes Kribbeln. "Unter euch befindet sich eine der Turbinen, die gerade auf Hochtouren läuft. Deswegen kitzelt es auf den Fußsohlen", klärt uns der Werksführer auf.

Nachdem wir die Turbine von oben erlebt haben, wollen wir sie auch von unten erkunden. Ein Lift bringt die Klasse 32 Meter unter den Donauspiegel. Einige halten sich die Nase zu, andere die Ohren. Der maschinelle Geruch kommt vom Hydrauliköl, das bei Hitze zu riechen beginnt. Das Rauschen dröhnt laut von der riesigen Kaplan-Turbine, unter der wir stehen. Je mehr Wasser durchfließt, umso lauter ist es. "Wisst ihr, wie viel Wasser hier drüber knallt?" wird die Klasse von Stadlbauer gefragt. Ratlose Gesichter warten gespannt auf die Lösung, die sie zum Lachen bringt. "Eine halbe Million Liter Wasser. Das ist so, als wenn 500.000 Milchpakerl in der Sekunde über eure Köpfe drüber schießen".

Dolmetsch: Technisch-Deutsch

Nach einem Blick in den engen und feuchten Kontrollgang, erhascht die Klasse einen letzten imposanten Eindruck, bevor es wieder in die Außenwelt geht. Die Schüler sind sichtlich beeindruckt. "Am meisten Spaß macht mir, wenn alle zufrieden nach Hause gehen und daheim davon berichten" sagt Erich Stadlbauer. Auch seinem Chef Herbert Wagner, der den Job seit 20 Jahren macht, liegt die Wissensvermittlung am Herzen. "Ich sehe mich als Übersetzer, der die Technik hinter dem Kraftwerk verständlich rüberbringt. Wir bringen den Leuten bei, dass Strom nicht einfach aus der Steckdose kommt, sondern dass viel mehr dahinter steckt."

Gut zu wissen

  • Führungen finden nach Voranmeldung täglich zwischen 7 und 19 Uhr statt. Dabei sind Gruppen aller Größen und Altersklassen willkommen – vom Kindergarten über die Familie bis zum Seniorenverein. Wer sich wochenends spontan entscheidet, kann an Sonn- und Feiertagen um 14 Uhr an einer Familienführung teilnehmen.
  • Das Besucherzentrum Wien-Freudenau ist mit dem Rad, mit Öffis (Linie U2 bis Donaumarina, dann Bus 80 B bis "Kraftwerk Freudenau") und mit dem Auto gut erreichbar.
  • Weitere Infos findet ihr hier: Kraftwerk Freudenau.

Umgebungstipps

Das Kraftwerk Freudenau liegt direkt am Radweg entlang der Donau – ideal für einen Ausflug. Wer nach der sportlichen Anreise die müden Beine ausruhen will, hat es nicht mehr weit auf die Donauinsel. Dort kann man picknicken, spielen oder einfach die Seele baumeln lassen. Wer Action will, kann am Stadtwanderweg 9 in den Prater düsen und sich dort am Rummel austoben. Wen der Hunger plagt, der kehrt am besten im Landhaus Winter am Alberner Hafen ein. Aber auch die nahe gelegene Gösser Bierinsel in der Freudenau geizt nicht mit heimischen Schmankerln. Viel Spaß und Mahlzeit!