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10. November 2013

Als Strom die Welt revolutionierte

Licht an, Licht aus – Was für uns ganz normal ist, war im Jahr 1883 noch Magie. Die Besucher der Internationalen Elektrischen Ausstellung in Wien kamen nicht mehr aus dem Staunen heraus.

Vor 130 Jahren begann ein neues Zeitalter für die Menschheit: Die Elektrik fand Einzug im öffentlichen Leben und verwandelte die Wiener Gemütlichkeit schlagartig in ein rasantes Treiben. Im August 1883 eröffnete Kronprinz Erzherzog Rudolf die "Internationale Elektrische Ausstellung" im Wiener Prater. Nach Paris und München brachten 575 internationale und heimische Aussteller nun auch das Wiener Publikum zum Staunen. Ihre Innovationen änderten den Puls der Zeit.



Hello, this is Vienna calling
Die Wiener Ausstellung deckte 18 Themengruppen ab, angefangen von dynamo-elektrischen Motoren, bis hin zu Telefonen. In den Telefonzellen konnten die Besucherinnen und Besucher nicht nur telefonieren, sondern auch Opernaufführungen und Konzerten aus der Staatsoper lauschen. Darum wurden die Telefone auch "Theatrophone" genannt. Der berichtende Journalist der Zeitung "Neue Freie Presse" stand dieser rapiden Entwicklung zwar skeptisch gegenüber, dennoch erkannte er schon damals, dass das Telefon "ansteckt wie ein Fieber". Ob er geglaubt hätte, dass wir uns heute ein Leben ohne Mobiltelefon kaum mehr vorstellen können?

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Offizielles Plakat der Internationalen Elektrischen Ausstellung in Wien

Fiat Lux - es werde Licht
Nur einmal eine Glühbirne ein und ausschalten, dafür standen die Besucher bei der Ausstellung stundenlang Schlange. Was heute zum Alltag gehört, hatten die Wiener zuvor noch nie gesehen. Natürlich mussten sie den Zauber sofort selbst ausprobieren. Die Innenbeleuchtung der Rotunde war ein Spektakel. Die Haupt-Laterne hatte eine Strahlkraft von 40.000 Kerzen. Auch die Galerie wurde von 20 Lampen mit 4.000 "Kerzenstärken" ausgeleuchtet. Manche Leuchten waren eine Mischung aus Gas- und Glühlampen, was selbst heute eine Kuriosität darstellt. Die Leuchtkraft war einmalig, und die Masse fasziniert vom Kunstlicht.

Einsteigen bitte!
Teil des etwa 3-stündigen Rundgangs war die Präsentation der Österreichischen Eisenbahnen. Dort bekamen die Besucherinnen und Besucher eine Straßenbahn mit elektrisch beleuchteten Waggons und Eisenbahnsignal zu Gesicht. Der Zug fuhr mit 150 Volt Gleichstrom im Inneren der Rotunde umher. Damals kam der Strom noch aus den Schienen. Am Ende der Ausstellung wurde die Bim dem öffentlichen Verkehr übergeben. Eine Erfindung mit Folgen: Heute sind die Straßenbahnen aus dem Wiener Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

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Die erste elektrische Bim in Wien.


Wer weiter in die Ferne reisen wollte, schipperte mit einem Elektroboot die Donau entlang. Das Boot wurde von 78 Akkus betrieben, an Bord hatten 40 Personen Platz. Die Fahrt von Wien nach Bratislava dauerte rund 4 Stunden. Bahnbrechend war auch der bei der Ausstellung vorgestellte elektrische Personenaufzug. Damals musste noch ein eigener Aufzugsführer mitfahren. Der Betrieb war darum sehr kostspielig. Diese Erfindung hatte erheblichen Einfluss auf die Architektur und die Städteplanung. Nur dank der Aufzüge ist ein Leben in einem Hochhaus heute möglich.

Auf Grund des starken Andrangs wurde die Elektrische Ausstellung um einen Monat verlängert. Bis Ende Oktober 1883 nahmen mehr als 870.000 Personen teil. Die präsentierten Erfindungen bilden den Grundstein für unser heutiges Leben. Ab dieser Zeit wurden Fahrzeuge und Arbeitsprozesse dank Strom schneller, bequemer und effektiver. Wenn wir bedenken, wie viel sich seither geändert hat, sind wir schon gespannt, was die nächsten 130 Jahre bringen werden.