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18. Dezember 2013

Großvorhaben in Greifenstein

In der Öffentlichkeit ist es etwas still um das Projekt LIFE+ Netzwerk Donau. Das beispielgebende Programm der Fischpassierbarkeit von vier Donaukraftwerken und der Vernetzung bestehender ökologischer Zonen entlang der Donau schreitet aber zügig voran. Eine Maßnahme ist die Fischwanderhilfe in Greifenstein, wie wir bei einem Lokalaugenschein festgestellt haben.

Hoher Besuch in Greifenstein: Dr. Felix Bergmann. Er überprüft im Auftrag der Europäischen Kommission den Fortgang von LIFE+ geförderten Ökologie-Projekten und ist auch zuständig für das LIFE+ Projekt Netzwerk Donau, zu dem die EU 40% der Kosten beisteuert. Seine heutige Aufmerksamkeit gilt der geplanten Fischwanderhilfe beim Donaukraftwerk Greifenstein.

life-netzwerk-donau-greifenstein-02Projektleiter Helmut Wimmer, Ökologe Thomas Kaufmann und Felix Bergmann brauchen einen großen Tisch, um den Plan der Fischwanderhilfe ausbreiten zu können:

Während die Au im Herbstschlaf dämmert und kein Windhauch die Donau trübt, laufen hinter den Kulissen die Arbeiten für die Genehmigung des gewaltigen Projektes auf Hochtouren. Noch vor Jahresende sollen naturschutz- und forstrechtliche  Unterlagen zur Bewilligung eingereicht werden. Das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren fand bereits im August statt. Die Aufgabe ist herausfordernd: das Kraftwerk Greifenstein soll einen naturnahen Umgehungsbach für Fische erhalten. Dieser wird nach derzeitigem Planungsstand fast 4 Kilometer lang sein und muss eine Höhe von 12 Metern überwinden.

„Größte Herausforderung ist der Mündungsbereich der Fischwanderhilfe: dort, wo die Fische in die Passage einschwimmen“, erläutert der Projektleiter Helmut Wimmer. Die Strömung muss die Fische anlocken und von den Turbinen des Kraftwerks ablenken. Dafür muss sie möglichst nahe am Kraftwerk selbst sein. „Die harte Uferbefestigung mit ihren großen Steinen wird aufgebrochen und für Fische ein Ort werden, den sie auf ihrem Weg donauaufwärts  nutzen“, ergänzt Ökologe Thomas Kaufmann. Die größte Herausforderung  in der Planungsphase war das typische Donauverhalten: große Wassermengen, aber auch starke Schwankungen des Wasserspiegels übers Jahr. Trotz mehrerer Meter Pegel-Schwankung soll die Fischwanderhilfe mindestens 300 Tage im Jahr funktionieren.

life-netzwerk-donau-greifenstein-03Unscheinbar die Stelle oberhalb des Kraftwerks, wo der Umgehungsbach beginn:

Die Planung des Umgehungsbaches selbst war dagegen eine vergleichsweise einfache Aufgabe: wertvolle Trockenrasen mit heimischem Orchideenvorkommen schonen, sparsam durch den Wald und weiter zum Anfang des Umgehungsbaches stromauf des Kraftwerks. Tatsächlich ist die Landschaft direkt um das KW Greifenstein, die heute so viele geschützte Arten der Roten Liste beheimatete, beim Bau des Kraftwerks als Hochfläche künstlich angelegt worden. Was vor 35 Jahren als Vorzeige-Projekt galt, ist heute durch den Stand der Wissenschaft überholt. So vielfältig die Natur ist: das Kraftwerk ist für Fische nicht passierbar. Das wird sich im Rahmen von LIFE+ Netzwerk Donau bis Ende 2015 ändern.

Als kleines Zuckerl des Ausflugs konnte Felix Bergmann auch noch einen Blick in das Innere einer Kaplan-Rohrturbine werfen, die in Greifenstein gerade noch zur Revision stillsteht.

life-netzwerk-donau-greifenstein-04Kein alltäglicher Anblick: mit Revisionsmeister Christian Skof beim Laufrad einer Kaplan-Turbine im Donaukraftwerk Greifenstein