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24. Dezember 2013

Der Strom fließt auch an Heiligabend

An Weihnachten sorgen auch die Wasserkraftwerke an der bayerisch-österreichischen Grenze zwischen Oberaudorf-Ebbs und Jochenstein für hell erleuchtete Häuser. Weil man sie damit nicht alleine lassen kann, sind unsere Mitarbeiter Erwin Stauber und Bastian Dorfner auch an Weihnachten in der Schaltwarte in Simbach im Einsatz.

Sie überwachen die Kraftwerke Oberaufdorf-Ebbs, Braunau-Simbach, Schärding-Neuhaus, Passau-Ingling und Jochenstein. Denn der Inn fließt trotz Weihnachten weiter, und der Strom sollte es auch.

 „Es ist ein bisschen ein komisches Gefühl, wenn alle zu Hause Weihnachten feiern während ich im Kraftwerk sitze, wo es an Tagen wie diesen sehr still ist. Aber sonst ist es ein Tag wie jeder andere für mich“, erzählt Stauber. „Das Wasser fließt immer und der Strom sollte es auch, damit die Menschen draußen angenehme Festtage feiern können. Das ist unser Job.“

Rund um die Uhr besetzt: Die Kraftwerkswarte in Töging

Erwin Stauber und Bastian Dorfner sind ausgebildete Elektriker und Schaltwärter in der Warte des Kraftwerks Braunau-Simbach. Am 24. Dezember 2013 startet Stauber seine Schicht um 14 Uhr und übergibt um 22 Uhr an seinen Kollegen Dorfner, der bis 6 Uhr früh Dienst hat, bevor der nächste Kollege die Schicht übernimmt. Die Warte ist ständig besetzt. Von dort aus erfolgt die Überwachung und Fernsteuerung der Kraftwerke, die auf Bildschirmen und Monitoren abgebildet und so für den Schaltwärter auf einen Blick erfassbar sind.

Der Inn fordert Aufmerksamkeit

Die Aufgabe des Schaltwärters verlangt vollste Konzentration, denn im Falle einer Störung muss sofort gehandelt werden. Dabei wird er vom Bereitschaftsdienst unterstützt und auch pro Kraftwerk ist zumindest ein Kollege in Rufweite. „Das Wetter und die Wasserführung im Inn haben immer Überraschungen parat, das geht sehr schnell“, so Stauber. „Eis im Oberwasser-Bereich, Schnee, starke Regenfälle… Alles ist möglich. Viele Eindrücke, die mit einbezogen werden können und müssen.“ Computerprogramme und automatische Regler helfen zwar, doch ist immer der Mensch, seine Übersicht und Intuition gefragt.

Die ruhige Wasserfläche täuscht: der Inn kann mitunter heftig und rasch ansteigen.

Eine stille Nacht im Kraftwerk

Bleibt es eine stille Nacht, kommen höchstens ein paar kleinere Störmeldungen herein, die sich mit wenigen Mausklicks beheben lassen. "Das Hauptaugenmerk bei unserer Überwachung ist der Wasserhaushalt. Der kommt von der Priorität her noch vor der Stromerzeugung. Wir erzeugen nämlich nur so viel Strom wie Wasser da ist, die Verteilung wird nicht bei uns geregelt. Jeder Stauraum hat eine eigene Wehrbetriebsordnung, die muss penibel eingehalten werden. Wir regeln das Oberwasser im Stauraum auf eine Genauigkeit von plus oder minus zehn Zentimeter", erklärt Bastian Dorfner, der den Nachtdienst übernimmt.

Aber meistens ist es ruhig in der Warte an Heiligabend. Und ganz alleine ist Dorfner nicht: In der stillsten Nacht des Jahres ruft er seine Kollegen von VERBUND an, die ebenfalls Dienst haben. Zum Beispiel im benachbarten Töging, wo sein Kollege weitere 13 Kraftwerke am Inn fernsteuert, im Zillertal und in Kaprun sowie in Wien, wo der Kollege alle neun Donaukraftwerke von Aschach bis Freudenau steuert und damit in Nord- und Ost-Österreich die Rund-um-die-Uhr-Stromversorgung sichert.