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14. März 2014

Grüne Steckdosen: Strom aus der Natur

Bebende Vulkane, rauschende Meereswellen oder die Hitze der Wüste – die Natur liefert allerhand innovative Stromquellen. Wir zeigen euch faszinierende und kuriose Projekte, die aus der (Energie-)Not eine Tugend machen.

Die Energiewende bietet eine große Chance, umzudenken: weg von Öl und Kohle, hin zu sauberer und erneuerbarer Energie. Viele Länder machen sich schon heute natürliche Stromquellen zunutze. Erfahrt mit uns auf einer Reise rund um den Globus, was alles möglich ist.

An der Quelle: Vulkane und sprudelnde Geysire

Auf Island werden im Winter ganze Gehsteige geheizt. Denn unter der Erde brodelt es gewaltig. Rund 30 aktive Vulkane sorgen dafür, dass Geothermie als Energiequelle genutzt wird. Die Voraussetzungen dafür sind ideal, denn das Magma liegt gleich unter der Oberfläche. Und so können es sich die Isländer leisten, manche Fußwege in Reykjavík und Akureyri zu heizen. Insgesamt versorgen sie anhand von Erdwärme 90 % der Bevölkerung mit Warmwasser und Heizung.

Ähnlich spektakulär sind die sprudelnden Geysire. Leider wurden einige durch den Bau von geothermischen Anlagen zerstört. Dank Erdwärme und Wasserkraft erzeugt Island seine Strom komplett aus erneuerbaren Energiequellen – und das im Übermaß und zu günstigen Preisen. Damit wird aber auch die Schwerindustrie angelockt. Nicht leicht, die richtige Balance zu finden.

Die Kraft des Ozeans: Energie aus dem Meer

Ein anderes Beispiel sind Wellenkraftwerke. Loch Ness war gestern – denn an der schottischen Küste lebt eine Seeschlange. Sie hört auf den Namen „Pelamis“ und ernährt sich von Wasser. Hydraulikmotoren treiben Generatoren an und sorgen dafür, dass die Wellen in Energie umgesetzt werden. Solche Kraftwerke können noch keine bahnbrechende Versorgung leisten. Potenzial dürfte aber vorhanden sein. Mit dem Projekt „Mutriku“ ging 2011 im spanischen Baskenland das erste kommerziell genutzte Wellenkraftwerk in Betrieb.

Bereits etabliert sind Gezeitenkraftwerke. Das weltweit größte – „Sihwa-Ho“ in Südkorea – hat 254 MW Leistung. Dabei werden die Strömungen von Flut und Ebbe genutzt, um Turbinen anzukurbeln. Allerdings ist das nicht unumstritten: Ökosystem und Meerestiere können Schaden nehmen. Unbedenklich, aber (noch) utopisch, ist dagegen die Idee, Meereswärme in Energie zu verwandeln. Der Gedanke faszinierte bereits 1881 den französischen Physiker Jacques Arsene d'Arsonva. Aufwand und Ausbeute driften noch auseinander. Forschungsprojekte etwa in Japan sollen dem Traum von OTEC (Ocean Thermal Energy Conversion) bereits näher kommen.

Um die Wette strahlen: Solaranlagen

In der Wüste des indischen Bundesstaats Rajasthan gibt es 330 Sonnentage im Jahr – und damit eine günstige Energiequelle. Laut Plänen der Regierung soll dort die größte Solarkraftanlage der Welt mit insgesamt 4.000 MW Leistung entstehen. Das Wettrüsten um die Gunst der Sonnenkraft in der Wüste hat auch die USA erfasst: In Nevada könnte im Laufe des Jahres das Solarprojekt „Crescent Dunes“ fertig gestellt werden und in der Folge bis zu 75.000 Haushalte mit Strom beliefern.

Anders dagegen Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate), wo gleich eine ganze Stadt in die Wüste gesetzt wird. Die geplante Ökocity Masdar soll ausschließlich mit erneuerbaren Energien versorgt werden, vor allem mit Solaranlagen im Ausmaß von 50 Fußballplätzen. Die Fertigstellung des Projektes wurde jedoch auf das Jahr 2025 verschoben. Schuld daran sollen die Finanzkrise und willkürliche Entscheidungen der autokratischen Politiker sein. Ein Blick in das nahe Dubai mit seiner Skihalle in den Subtropen zeigt, dass der ökologische Fußabdruck wohl nicht im Vordergrund steht.

Schöner Mist: Strom aus Abfall

Erfindergeist ist auch gefragt, wenn man aus Dreck Gold machen will. Oder Energie. Denn in Verdauungsabfällen schlummern riesige Energiequellen, die über Biomethananlagen verwertet können. In Manchester wird beispielsweise aus dem Abwasser Biogas erzeugt und damit ein Rechenzentrum betrieben. Das Konzept des „Hamburg Water Cycle“  nutzt Vakuum-Toiletten, um Fäkalien zu filtern und damit Strom und Wärme zu erzeugen.

Schönen Mist produzieren auch Tiere: In Kuhfladen befindet sich so viel chemische Energie, dass Biogas erzeugt werden kann. In Indien wird der Kuhdung sogar getrocknet und als Heizmaterial verwendet. Doch auch Kleinvieh macht Mist: Der österreichische Nudelhersteller Wolf nutzt nicht nur die Eier der Hühner, sondern auch den Kot – damit wird Wärme und Strom für die Produktion erzeugt. Wie ihr seht, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt, um die Power der Natur zu nutzen.