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14. April 2014

Eine Chance für die Natur

Fische wollen wandern, Flüsse wollen fließen – doch oft gelingt ihnen das nicht mehr. Daher stärkt und schützt VERBUND die Natur mit gezielten Maßnahmen. Ein Streifzug zu Orchideen und Murmeltierumsiedlungen.

Braune Kloaken, niedergetrampelte Pfade, aussterbende Pflanzen und Tiere: Beim Raubbau an der Umwelt wurde in der Vergangenheit oft weggeschaut. Ökologische Begleitprojekte von VERBUND steuern dagegen und helfen Flora und Fauna, sich bestens zu entwickeln.

Vom Kanal zum Fluss: Die neue Traisen

 „Wir haben nicht jede einzelne Orchidee gezählt“, sagt der Ökologe Thomas Kaufmann, „aber wir haben den Zustand der Au erhoben und zahlreiche biologische Daten gesammelt.“ Er ist als Berater bei LIFE+ Traisen, dem größten Einzel-Renaturierungsprojekt Österreichs an Bord. Das Ziel: Aus dem kanalartigen Gerinne der niederösterreichischen Traisen soll wieder ein naturnaher Fluss werden. Insgesamt werden rund 26,5 Mio. Euro investiert. Mit 12 Mio. Euro trägt VERBUND den Hauptteil dieses von der EU und weiteren Partnern geförderten Projekts.

„Diese Initiative ist eine große Chance für die Natur. Hier werden neue Lebensräume geschaffen, die es heute noch nicht gibt“, erklärt Kaufmann. Beim Bau des Kraftwerks Altenwörth in den 1970er-Jahren wurde die Traisen in einer geraden Linie verlängert, ohne Kontakt zu den umgebenden Gewässern und Auen. Die Au-Landschaft wird nun um Mäander, Seichtwasserzonen und Tümpel erweitert und ab 2019 wieder dem Kreislauf der Natur überlassen. Ende dieses Jahres ist der erste Bauabschnitt fertiggestellt, dann fließt dort bereits Wasser.

Die Traisen vor LIFE+ aus: Geradlinig, reguliert, eingesperrt. Bis 2019 soll daraus ein naturnaher Fluss werden, der mit den Au-Landschaften der Umgebung verknüpft ist.

Fische auf Wanderung: Umgehungsbach Greifenstein

 Ökologische Programme schaffen neue Lebensräume, sichern den Bestand gefährdeter Tiere und Pflanzen und erhöhen die Artenvielfalt. Ein weiteres Beispiel ist der Umgehungsbach beim Kraftwerk Greifenstein in Niederösterreich. Er soll als naturnahe Fischwanderhilfe fungieren. „Es gibt 45 Fischarten in der Donau, die wandern wollen. Und alle haben verschiedene Ansprüche und Schwimmleistungen“, erklärt Kaufmann. Die Vorteile eines Umgehungsbaches liegen auf der Hand: Ein natürlicher Fluss hat fast keine Einschränkungen und kann auf diese Bedürfnisse eingehen.

Das Wandern ist nicht nur der Fische Lust, sondern auch wichtig für das Überleben der Tiere. Daher setzt VERBUND nachhaltige Maßnahmen: Rund 14 Mio. Euro steuert das Unternehmen im Projekt LIFE+ Netzwerk Donau bei, damit Fische den größten Fluss Österreichs durchgängig passieren können. Die EU fördert dieses Vorhaben ebenso aus dem LIFE+Nature-and-Biodiversity-Fonds. Ende 2013 wurden die Genehmigungen für Greifenstein eingereicht, der Spatenstich soll dieses Jahr folgen.

Fischwanderhilfe, ganz natürlich: Oberhalb des Kraftwerks Greifenstein beginnt der Umgehungsbach, der auf die Bedürfnisse der Wasserbewohner eingeht.

Aus Schottersteinen werden Blumenwiesen: Reißeck II floriert

Chancen für die Natur werden auch beim Kraftwerksbau genutzt – aktuell beim Pumpspeicher-Kraftwerk Reißeck II in Kärnten. Neben Zusatzmaßnahmen wie der Fischaufstiegshilfe beim Wehr Rottau – sie wurde im Oktober 2013 als eine der höchsten Europas eröffnet – ist vor allem die Vegetation im Blickpunkt. „Die Begrünung von Felslagerstätten führt dazu, dass man in 5 Jahren nichts mehr vom Schotter sehen wird“, erklärt VERBUND-Projektleiter Markus Larcher ein Beispiel. Beim „Saat-Soden-Verfahren“ wird die Vegetation in 2.400 Meter Höhenlage abgebaut, im Talgebiet zwischengelagert und anschließend wieder rasterartig angeordnet.

„Das ist ein Quantensprung im Vergleich zum Bau von Reißeck I in den 1950er-Jahren, wo der Schutz der Umwelt noch nicht so im Vordergrund stand“, sagt Larcher. Mit dem innovativen Verfahren kann die Flora wieder hergestellt werden, was wertvolle Pflanzen schützt. Murmeltierumsiedlungen, Amphibienschutzzäune, der Bau neuer Biotope oder Maßnahmen zur Erhaltung von Europas höchstgelegener Erdkrötenkolonie zeigen: Auch auf die tierischen Bewohner wird geachtet. Und noch mehr: Eine Baustelle wie diese hat einen Mehrwert – sie ist eine Chance für die Natur.