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24. Juli 2014

Traisen-Renaturierung: Ein Fluss kommt in Form

Das schlanke Flussbett der Traisen bekommt wieder Kurven. Im Zuge des derzeit größten Flussbau-Projektes Europas sollen vielfältige Uferzonen, Mäander und Ruheplätze die Aulandschaft in ihre ursprüngliche Form bringen. Schon Anfang Juli erreichte das Millionen-Projekt seinen ersten Meilenstein. Bis 2020 soll der Fluss seine ökologischen Funktionen wieder vollständig erfüllen können.


Ohne Umschweife bahnt sich die Traisen ihren Weg in Richtung Donau. Nahezu schnurgerade liegt das Flussbett in der Landschaft. Rund 41 geschützte Fischarten treten darin jährlich ihre Reise zu den Laichplätzen an. Zeit für Verschnaufpausen gibt es kaum - so zählt die Traisen zu den am stärksten regulierten Flüssen Europas. Von der ursprünglichen Form einer Aulandschaft ist nur noch wenig zu erkennen. Dem Stand der Technik in den 1970ern entsprechend, wurde der Traisen beim Kraftwerksbau Altenwörth keine Möglichkeit zur Entfaltung gelassen. Ein detaillierter Expertenplan soll die Traisen nun wieder zum Fluss werden lassen. Der erste Bauabschnitt - ein etwa 2 Kilometer langer Kurvenabschnitt - wurde Anfang Juli eröffnet. 

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Rund 5 Jahre nach dem Projektstart 2009 präsentiert Projektleiter Wimmer (re.) dem ORF den ersten Meilenstein.

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VERBUND lud anlässlich der Fertigstellung des Abschnitts „Mitte-West“ zum Spatenstich mit Landesrat Stephan Pernkopf, Zwentendorf-Bürgermeister Hermann Kühtreiber, Werksgruppenleiter Heinz Allmer und Geschäftsführer Michael Amerer von der VERBUND Hydro Power GmbH sowie Landesfischereimeister Karl Gravogel. Ihr gemeinsames Ziel bis 2020: Ein kurviges Umgehungsgerinne soll der Traisen ihr urspüngliches Aussehen wiedergeben und für Fische leichter passierbar machen.

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V.l.n.r.: Bürgermeister Hermann Kühtreiber (Zwentendorf), Werksgruppenleiter Heinz Allmer (VERBUND Hydro Power GmbH), Geschäftsführer Michael Amerer (VERBUND Hydro Power GmbH), Landesrat Stephan Pernkopf, Landesfischereimeister Karl Gravogel​

„Schon 15 Jahre ist es her, als meine Kollegen und ich im Zuge eines WWF-Projektes die Idee zur Renaturierung der Traisen hatten  – aber bei einem Projekt von dieser Größe sind die hohen Kosten und die Infrastruktur alleine nur schwer zu bewältigen“, erklärt BOKU-Professor Mathias Jungwirth anlässlich der Auftaktveranstaltung und dankt damit den Unterstützern. Seit zehn Jahren wird geplant, 2008 wurde das Projekt erfolgreich bei der EU eingereicht. Mit der Unterstützung von VERBUND, Geldern aus dem EU Life+ Fond, dem Niederösterreichischen Fischereiverband, Landschaftsfonds Niederösterreich, via donau, BMLFUW und Bundeswasserbauverwaltung NÖ erhielt das Projekt 2009 den lang ersehnten Startschuss.

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Hydrobiologe Mathias Jungwirth (Dritter von links) - Professor an der Universität für Bodenkultur in Wien und Schöpfer des Projekts.

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Das geradlinige Flussbett bot bisher kaum Ruhezonen für Wasserlebewesen. Doch selbst strömungsliebende Fischarten brauchen ihre Pausen. Im Schatten sogenannter Raubäume sollen Fische künftig wieder Schutz vor Stromschnellen finden. Umgelegt und mit Stahlseilen verankert sind die Bäume vor allem die Entwicklung junger Fische fördernd und tragen zur Belebung des Gewässers bei. Neben fischökologischen Maßnahmen beinhaltete das Projekt auch die Planung neuer Fahrradwege. So verläuft der ehemalige Donau-Radweg neuerdings ungestört durch Niederösterreichs ersten Fahrrad-Tunnel.

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Erst kürzlich machte das Projekt an der Traisen Schlagzeilen, als die Baustelle von heiklen Kriegsmaterialien gesäubert werden musste. Bis zu 4,5 Tausend Fundstellen bedeckten die Baustelle. Eine 70-Kilogramm-Fliegerbombe war bislang der größte Fund. 

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