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10. Oktober 2014

Archäologische Funde: Langes Messer - 15. Jhd

Beim Bau des Kraftwerks Ybbs Persenbeug kam einiges an historischen Funden zutage. Unter anderem auch dieses Lange Messer aus dem 15. Jahrhundert. Der "Messer-Spezialist" Martin Enzi hat dieses Lange Messer aus Ybbs Persenbeug nun analysiert.

flow_ Beim Bau des Kraftwerks Ybbs Persenbeug wurde diese Waffe im Boden gefunden. Können Sie uns näheres dazu sagen?

Martin Enzi_ Hierbei handelt es sich um ein sogenanntes Langes Messer, eine für das 15. Jahrhundert typische einschneidige Waffe. Verwendung fand solch ein Langes Messer in allen gesellschaftlichen Schichten - sowohl im militärischen als auch im zivilen Umfeld. Lange Messer waren dementsprechend häufig.

Mittelalterliches Hausbuch von Wolfegg (ca. 1480)

Auf zahlreichen Gemälden des 15. Jahrhunderts kann man erkennen, dass das tragen solch eines Langen Messers, unabhängig von Konfliktsituationen, im normalen täglichen Umgang durchaus üblich war. Nebst Werkzeug und Waffe war es auch ein modisches Accessoire und ist daher auch in den verschiedensten qualitativen Ausformungen zu finden.
Weiters deuten die Bild- und Schriftquellen auch auf die Rolle des Messers als Ordonanzwaffe bei damaligen Söldnerheeren bzw. Aufgeboten hin. So werden bei einem Ankauf von Böhmischen Söldnern „ein gut swert oder messer“ als Beiwaffe verlangt. Nebst Messer wird diese Waffe auch allgemeiner als Wehr bezeichnet, darunter fallen aber eine weitaus größere Anzahl an Blankwaffen als nur das Lange Messer.

flow_ In welchem Gebiet war das Lange Messer üblich?

Martin Enzi_ Der Verbreitungsraum diese Waffengattung war, mit einigen Ausnahmen, gesamt Mitteleuropa, bzw. das damalige Heilige Römische Reich Deutscher Nation und angrenzende Gebiete.
Da die Donau einerseits eine wichtige und hochfrequentierte Handelsader war und andererseits der Donauraum aufgrund mannigfaltiger Konflikte (z.b. Hussitenkriege oder der Bruderzwist des Hauses Habsburg) oft von Heereszügen, Söldnern, Händlern und Zivilisten durchquert wurde ist dieser Fund hier auch plausibel einordnbar.

flow_ Wie würden Sie den Zustand des Langen Messers beschreiben? Für uns sieht es recht gut erhalten aus.

Martin Enzi_ Trotz seines guten Zustandes fehlt der Waffe ein essentielles Stück nämlich der sogenannte Rüstnagel oder auch Wehrnagel bzw. Rüsthaken genannt. Dort wo sich am Gehiltz (in der Mitte der Parierstange) ein Loch befindet war ein dornähnliches Metallstück eingesetzt das primär die Hand vor Hieben schützte. - Siehe rote Markierung auf folgender Abbildung:

langes-messer-15. Jahrhundert gehiltz

flow_ Sie sind Spezialist in der rekonstruierten Fechttechnik mit dem Langen Messer. Wie rekonstruiert man Techniken aus dem 15. Jahrhundert?

Martin Enzi_ Anhand von zeitgenössische Quellen, die die Anwendung dieser Waffe detailliert beschreiben. So widmet sich z.B. ein Fechtbuch von 1482 gänzlich der Vermittlung zahlreicher Techniken für den Fall eines Zweikampfes mit einem Messer.

Fechthandschrift cgm582, Johann Lecküchner, Bayerischen Staatsbibliothek München