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Nur wenn wir Strom effizient speichern können, wird die vollständige Energiewende gelingen. In unserer Blogserie präsentieren wir innovative Speichertechnologien. Diesmal: Wie Elektroautos zu Massenspeichern werden.

Leise, effizient und mit Strom statt fossilen Treibstoffen unterwegs: E-Fahrzeuge befinden sich bereits auf der Überholspur. Geht es etwa nach der Stadt Wien, sollen schon bis 2050 auf den Straßen ausschließlich Verkehrsmittel mit alternativem Antrieb zu sehen sein. Doch in einem E-Auto steckt mehr, als ein sauberer Fahruntersatz. E-Mobilität ist eine weitere Stütze für ein stabiles Stromnetz.

Privatkraftwerk auf vier Rädern

Wer auf sauberen Strom setzt, weiß: Erneuerbare Energieträger sind schwer steuerbar. Neben Pumpspeichern braucht es daher Alternativen, um Strom effizient zu speichern und das Netz stabil zu halten. Die Lösung dafür liegt wortwörtlich auf der Straße. „E-Autos haben als Massenspeicher große Potenziale und können im Parkzustand zum Kraftwerk mutieren“, so Gerd Schauer, Projektentwickler bei VERBUND. Die heimischen Fahrzeuge seien kaum unterwegs – zu 97 % sind sie reine „Stehzeuge“ und könnten daher zur Unterstützung des Netzes genutzt werden.

Möglich macht das künftig ein smartes Steuerungssystem: Die Batterie lädt auf, wenn zu viel Strom vorhanden ist und entlastet damit das Netz. Bleiben Wind und Sonnenschein aus und droht das Netz einzubrechen, könnte künftig das Fahrzeug Strom zurückspeisen. „Das Auto wird zum Zwischenspeicher und stellt Regelleistung zur Verfügung“, sagt Schauer. „Mit mehreren 100.000 Fahrzeugen würde das Netz erheblich an Stabilität gewinnen – 250.000 Autos könnten täglich Regelenergie von einer Gigawattstunde erbringen.“

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Fahren, laden, speichern: Schon bald kann dieses Konzept Früchte tragen. SMATRICS baut das E-Mobilitätsnetz in Österreich kontinuierlich aus. © VERBUND Solutions GmbH/APA-Fotoservice/Vogl


E-Mobility-Projekte als erster Schritt

Damit diese Vision Realität wird, gibt es noch viel zu tun – denn ohne Massen an E-Fahrzeugen gibt es keine Massenspeicher. „Schritt eins ist der Ausbau der Infrastruktur“, erklärt Schauer. „Auch für VERBUND bietet das neue Chancen, um sich als Dienstleister intelligenter Services neu zu positionieren“. Das mit Siemens gestartete Joint Venture SMATRICS hat mit Sommer 2014 die flächendeckende Versorgung mit mindestens einer Ladestation im Umkreis von rund 60 Kilometern abgeschlossen. Jetzt erfolgt eine Verdichtung entlang der Hauptrouten sowie in den Ballungszentren – und das mit Strom aus 100 % Wasserkraft.

VERBUND setzt aber auch die Grenzen unter Strom: Das Forschungsprojekt CROSSING BORDERS verbindet erstmals Bratislava, Wien, Salzburg und München mit 30 Schnellladestationen. Diese werden zudem in ein grenzüberschreitendes Roaming- und Abrechnungssystem eingebettet. Das 7,2 Millionen Euro teure Projekt läuft noch bis Juni 2016. Es baut auf den EMPORA Leuchtturm-Projekten auf, die ein integriertes System für E-Mobilität in Österreich entwickeln.

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Grenzenlos: Mitte August präsentierte CROSSING BORDERS neue Hochleistungs-Ladeinfrastruktur an der Westautobahn in Mondsee. © VERBUND Solutions GmbH/APA-Fotoservice/Vogl


Anreize schaffen – und weitere Knackpunkte
Doch auch wenn genügend E-Fahrzeuge auf die Straße gebracht werden: Noch gibt es einige Knackpunkte, bis der Massenspeicher aktiv wird. „Wir müssen neue Geschäftsmodelle finden“, meint Schauer. „Nur wenn wir den Kunden Anreize für intelligentes Laden bieten, werden sie bei Stehzeiten ihr Auto ans Netz anschließen.“ Herausfordernd ist zudem die Umsetzung. Intelligentes Management muss auch garantieren, dass nicht alle Kunden gleichzeitig laden: Denn sind erstmal eine Million E-Autos gleichzeitig angeschlossen, ergäbe das eine zusätzliche Last von drei Gigawatt.

International arbeiten Forscher emsig an Lösungen für das Übertragungsnetz. Ein Beispiel dafür ist das EU-Projekt GridTech, an dem sich auch VERBUND beteiligt. GridTech bewertet die meistversprechenden Technologien, die das Übertragungssystem direkt oder indirekt beeinflussen – darunter auch Innovationen zum Thema E-Autos als Speicheralternative. Das Ergebnis wird in Form dreier Modelle für die Jahre 2020, 2030 und 2050 auf Länder- und EU-Ebene bis Mitte nächsten Jahres veröffentlicht.

Mehr Informationen zu den E-Mobility Projekten von VERBUND.
Weitere innovative Speichertechnologien erwarten euch auch im nächsten Beitrag unserer Blogserie.