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Nur wenn wir Strom effizient speichern können, wird die vollständige Energiewende gelingen. In unserer Blogserie präsentieren wir innovative Speichertechnologien. Diesmal: Pumpspeicherkraftwerke – die Kraft aus dem Berg.

Majestätisch thront hoch über dem Kärntner Mölltal ein dicht bewaldetes Bergmassiv. Nichts lässt vermuten, dass sich tief im Gestein die größte Kraftwerksbaustelle Europas befindet. Das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II schmiegt sich nahtlos in die Landschaft. Ein von außen kaum wahrnehmbarer Eingriff in die Natur, mir großer Bedeutung für das Gelingen der Energiewende.

Pumpen, speichern, einspeisen
„Pumpspeicherkraftwerke sind die beste Technologie, um Strom effizient zu speichern“, erklärt Florian Seidl, Mediensprecher bei VERBUND. „Das wird immer wichtiger, je mehr alternative Energiequellen wir nutzen – denn deren Ertrag ist schwer steuerbar.“ Treibt etwa ein rauer Ostwind die burgenländischen Windparks stark an, steht mehr Strom zur Verfügung, als das Netz verträgt. Im Pumpspeicherkraftwerk wird daraufhin Wasser aus einem tiefer liegenden Speichersee in einen höher gelegenen gepumpt. Die überschüssige Windenergie kann somit in Form von Arbeit gespeichert werden.

Der Clou: Der Prozess ist umkehrbar. Bleibt der Wind aus und ist Strombedarf, wird innerhalb von wenigen Sekunden Wasser aus dem Speichersee in ein tiefer liegendes Krafthaus abgelassen. Das Wasser stürzt bis zu 500 Meter in die Tiefe und treibt über Turbinen zahlreiche Generatoren an. So kann Strom binnen Minuten erzeugt und ins Netz gespeist werden. Pumpspeicherkraftwerke nutzen damit dasselbe Wasser mehrmals – das ist nicht nur rentabel, sondern schont auch die Umwelt.

Mit der Kraft von 200 Windrädern
Doch von welchen Speicherdimensionen reden wir hier eigentlich? Das Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II hat künftig eine Leistung von 430 Megawatt (MW). Das heißt: Damit kann die Leistung von 200 Windrädern gespeichert werden. „Wir erhöhen die Kapazität der VERBUND-Kraftwerksgruppe Malta damit um 40 %“, berichtet Seidl. Bis zu 250 Fachkräfte arbeiten derzeit an der Errichtung des rund 400 Millionen teuren Projekts. Die Bauten sind fast abgeschlossen – nächstes Jahr startet der Betrieb.

Trotz dieser gigantischen Ausmaße bleibt das Landschaftsbild durch den Pumpspeicher weitgehend ungetrübt. Das zeigt auch das VERBUND-Projekt Limberg II in Kaprun/Salzburg. Alleine die Kraftwerkskaverne entspricht dem Fassungsvermögen des Wiener Stephansdoms. Dennoch verläuft die komplette Konstruktion unter der Erde. Von außen sind lediglich die Zufahrtstore zu sehen. Limberg II ist mit seinen 480 MW Leistung bereits seit 2012 in Betrieb und erzeugt rund 10 % der in Österreich benötigten Netzleistung zu Spitzenverbrauchszeiten.

Ausbau der grüne Batterien notwendig
Projekte wie Limberg II oder Reißeck II haben jedoch nicht nur für den heimischen Markt eine zentrale Rolle. „Österreich liegt geografisch in der Mitte – wir befinden uns aber auch im Zentrum des europaweiten Transportnetzes“, so Seidl. „Darüber hinaus verfügen wir über eine einzigartige Landschaft, um Pumpspeicherkraftwerke effizient zu nutzen“ Aus diesen Gründen habe sich Österreich längst zur grünen Batterie Europas gemausert. Die Fakten sprechen dabei für sich.

Europaweit sind derzeit rund 170 Pumpspeicherkraftwerke in Betrieb. Österreich hat einen Anteil von 12 % an der gesamten Speicherleistung. Zum Vergleich: In der Stromproduktion sind es gerade 2,1 %. Zusammen verfügen Österreich, Deutschland und Schweiz über eine Kapazität von 12.000 MW. Laut einer Studie von VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik) liegt der Bedarf alleine für Deutschland jedoch bei zusätzlichen 32.000 MW.

Es liegt somit auf der Hand, dass der Ausbau fortschreiten muss. Zu diesem Schluss kommt auch eine aktuelle Studie des Deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Laut den Gutachtern müssen sich die klassischen Pumpspeicherkraftwerke in Österreich, Deutschland und der Schweiz zwar im steigenden Wettbewerbsdruck bewähren. Auf einen Zeitraum von 20 Jahren gesehen sind sie für einen Umstieg auf eine nachhaltige Stromversorgung jedoch unverzichtbar. Damit ist klar: Die Zukunft unserer Netze steht somit weiterhin im Zeichen der Pumpspeicher.

Ihr wollt ein Pumpspeicherkraftwerk besichtigen? Alle Tipps dazu findet ihr hier. Weitere innovative Speichertechnologien erwarten euch im nächsten Beitrag unserer Blogserie.