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Wasser und Strom haben vieles gemeinsam - beides muss fließen, damit wir es auch an Feiertagen behaglich haben. Deswegen hat sogar zu Weihnachten jemand ein Auge darauf, so wie in der Zentralwarte Steiermark in Pernegg an der Mur.


Karl Gruber würde man im Fußball-Jargon als „Eigenbau“ bezeichnen. Der gebürtige Murauer lebt seit über 30 Jahren für den Strom und weiß, wie unverzichtbar dieser ist. Darum hat er in der Zentralwarte der steirischen VERBUND-Kraftwerke auch zu Weihnachten ein waches Auge. Denn rund um die Uhr müssen die 42 VERBUND-Wasserkraftwerke in der Steiermark, die von Pernegg aus ferngesteuert werden, beobachtet sein. Dies geschieht im Schichtbetrieb und heuer ist die Reihe wieder einmal an Karl Gruber.

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Weihnachtlich strahlt das Turbinenmuseum in Pernegg bis in die Warte


Seit 1983 versieht der gelernte Elektriker seinen Dienst in der Warte. Zuerst wurden nur die Kraftwerke Pernegg, Laufnitzdorf und Dionysen von hier aus gesteuert, doch im Lauf von 30 Jahren kamen immer mehr Kraftwerke dazu. So gebieten Karl Gruber und seine Schichtkollegen per Fernsteuerung über 540 Megawatt Leistung und eine Jahreserzeugung von 2.700 Mio. Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft. Eigene Glasfaserkabel machen die Steuerung unabhängig vom öffentlichen Datennetz, ausgeklügelte Verständigungssysteme sorgen im Notfall für Alarmverständigung des Bereitschaftspersonals. So wird Karl Gruber auch am Heiligen Abend nicht alleine sein, denn in 7 Kraftwerksbereichen stehen Kollegen auf Abruf bereit, sollte sich ein Problem nicht aus der Ferne lösen lassen oder sofortigen Einsatz vor Ort erfordern. Um das zu beurteilen, hat Karl Gruber von seinen Monitoren aus Überblick über alle Einzelheiten jedes Kraftwerks - von der Temperatur einzelner Maschinenteile bis zur Kameraüberwachung der sensibelsten Teile. „Die Wasserabgabe ist bei einer Störung das wichtigste“, klärt uns Karl Gruber auf. Tatsächlich hat die Stromerzeugung nur geringe Priorität. Wichtig beim Laufkraftwerk ist der Wasserstand im Staubereich des Kraftwerks und die Wasserabgabe. Sollte aufgrund einer Störung eine Turbine die Stromerzeugung einstellen, muss das Wasser dennoch fließen, beispielsweise über ein Wehrfeld. Damit wird ungewollter Aufstau vermieden und verhindert, dass der Fluss über die Ufer tritt. Dabei muss unbedingt ein Mensch der Automatik über die Schulter schauen, denn hundertprozentige Sicherheit kann auch die modernste Automatisierung nie garantieren.

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Karl Gruber studiert den Dienstplan für 2015


Wenn es am Heiligen Abend ruhig wird, erinnert sich Karl Gruber an sein erstes Weihnachten im Schichtdienst der Warte: im ersten Dienstjahr musste der damals junge Familienvater den unbeliebten Abend-Dienst übernehmen - doch wurde er von seinem Kollegen überraschend früh abgelöst. Die Kollegialität im Team der Warte ist auch heute noch genau so hoch. „Wenn ich heutzutage am späten Abend die Warte an meine Ablösung übergeben habe und heim gehe, sehe ich die festlichen Lichter in den Wohnungen - da komme ich auch im Schichtdienst in weihnachtliche Stimmung“, sinniert Karl Gruber. Beim Studium seines Schichtplanes für 2015 freut er sich besonders. Kommendes Weihnachten wird er frei haben. Dann wird ein anderer Kollege dafür sorgen, das Wasser und Strom in der Steiermark ungestört fließen.

Das Kraftwerk Pernegg mit dem Turbinenmuseum kann man auch besuchen: www.verbund.com/schauturbine-pernegg