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04. Januar 2015

Grüne Strahlen und Perlenblitze

Elfen und Kobolde gibt es nicht? Doch, über den Wolken existieren sie. Wir zeigen euch die spannendsten Blitzarten und verraten euch, welche Phänomene dahinter stehen.

Wenn wir Blitze beobachten, sehen wir, wie grelle Striche den Himmel durchziehen. Denn 90 % aller Blitze bilden sich zwischen Wolken. Nur jeder zehnte kommt zu uns auf die Erde. Aber habt ihr gewusst, dass es auch umgekehrt funktioniert? Der Erde-Wolke-Blitz steigt nämlich von hohen Gebäuden oder Bergspitzen auf. Ihr könnt leicht erkennen, um welche Art es sich handelt: Beim Erde-Wolke-Blitz sind die zackigen Verästelungen unten. Wenn sie oben sind, ist es ein Wolke-Erde-Blitz.

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Sind die Verästelungen unten (siehe links), handelt es sich um einen Wolke-Erde-Blitz. Ganz rechts erkennt ihr den Linienblitz – er hat keine Zweige. © Andrei (Flickr, Nickname: andreinvs)

Elfen und Kobolde in der Ionosphäre
Manche elektrische Entladungen finden in lichter Höhe statt. Früher galten Piloten als verrückt, wenn sie von prächtig-roten Erscheinungen am Himmel erzählten – bis erste Farbaufnahmen den Beweis erbrachten. Die sogenannten „Kobolde“ entstehen, wenn eine aufgeladene Bahn die Luft durchkreuzt, zum Beispiel nach einem Raketenstart. Sie sind tausendmal intensiver als normale Blitze, 1987 haben sie sogar eine unbemannte amerikanische Rakete zerstört. Doch nicht nur Kobolde tummeln sich mehr als 80 Kilometer über dem Erdboden in der Ionosphäre, auch Elfen strahlen über den Gewitterwolken. Durch Blitzentladungen entstehen ringförmige, rote Erscheinungen, diese sind aber weniger gut dokumentiert.

Das Geheimnis um den Kugelblitz
Das gleiche Schicksal teilt der Kugelblitz. Vielleicht könnt ihr euch an den Fußballer Ailton erinnern? Der Brasilianer war ein erfolgreicher Torjäger, dem aufgrund seiner rundlichen Statur und seiner Schnelligkeit der Spitznamen „Kugelblitz“ verpasst wurde. Ob Kugelblitze auch abseits des Rasens existieren, darüber streiten sich die Forscher. Es soll sich dabei um eine leuchtende Kugel handeln, die nach Gewittern entsteht, am Boden hüpft und durch Wände gehen kann. Augenzeugen berichten davon, aber die Ursache ist nach wie vor ungeklärt. Manche vermuten dahinter von Blitzen entzündete Tiere, andere glauben an eine optische Täuschung.

Grüne Blitze und die Kraft der Hoffnung
An eine Täuschung könnte man auch denken, wenn man einen grünen Blitz sieht. Dieses Phänomen ist mit viel Glück knapp vor Sonnenauf- oder -untergang zu bestaunen – aber nur für Bruchteile von Sekunden. Der grellgrüne Strahl am obersten Teil der Sonnenscheibe entsteht durch die Brechung des Lichts. Der französische Autor Jules Verne hat dem Phänomen einen ganzen Roman („Der grüne Strahl“) gewidmet. Darin wird Grün als die schönste aller Farben und als Sinnbild der Hoffnung beschrieben. Aber ist ein Strahl ohne Zacken überhaupt noch ein Blitz?

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Knapp vor dem Sonnenuntergang lässt sich das Phänomen des grünen Blitzes beobachten. Das ist keine elektrische Entladung, sondern eine Brechung des Lichts. © Kai Schreiber (Flickr, Nickname: Genista)

Perlen am Himmel
Es gibt sehr wohl auch Blitze ohne Verzweigungen. Ein Beispiel ist der Linienblitz, der sogar Knoten und Kreise formt. Oder den Perlschnurblitz, bei dem es überhaupt keine durchgehende Linie gibt. Dieser ist sehr selten und gleicht durch die Abstände zwischen den Lichtfunken einer Perlenschnur. Die Zacken des uns geläufigen Blitzes entstehen, weil er den geringsten Widerstand zur Erde sucht – da muss er eben oft Haken schlagen. Zum anderen besteht er aus vielen Entladungen, die wir mit unserem Auge nicht unterscheiden können. Wir sehen nur einen Blitz.

Beim nächsten Gewitter könnt ihr die verschiedenen Formen und Arten der Blitze beobachten – und eure Freunde davon überzeugen, dass es Kobolde und Elfen wirklich gibt.