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14. Januar 2015

Eine frühlingsfrische Turbine in Ybbs

Da leuchten nicht nur Techniker-Augen: zum Jahresauftakt erhielt das Donaukraftwerk Ybbs-Persenbeug eine nagelneue Turbine. Wie schwierig sich die Geschenkübergabe des 106 Tonnen schweren Laufrades gestaltet, haben wir vor Ort beobachtet.

Während die Donau in träger Winterruhe dämmert, herrscht beim Kraftwerk Ybbs-Persenbeug Hochbetrieb. Über 30 Mann sind im Einsatz, um das neue Laufrad der Kaplan-Turbine einzuheben. 107 Tonnen Stahl sind zu heben. Die Spezialkräne auf dem Kraftwerksdach sind genau dafür konstruiert, aber dieser seltene Einsatz ist dennoch eine Herausforderung für Mitarbeiter und Lieferfirmen. Besonders gefordert ist heute Peter Fasching am Führersitz des 130-Tonnen-Portalkranes.

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Peter Fasching an seinem Führerstand hoch über dem Kraftwerk

Mit der Geduld eines erfahrenen Fischers behandelt er seine Beute. Das Kaplan-Laufrad ist nicht nur einige Millionen Euro und tausende Arbeitsstunden wert, es passt mit seinen 7,4 Metern Durchmesser auch genau in den Turbinenschacht. So genau, dass gerade 4 Millimeter (!) links und rechts bleiben, um das Kaplan-Laufrad einzupassen. Peter Fasching kennt nach über 33 Dienstjahren an der Donau seinen Kran besser als manch einer seine Ehefrau und verlässt sich auf die bewährte Technik.

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Am heißen Ende der Kranlast kommandiert Richard Merkan das Einheben

20 Meter unter ihm sind seine Augen: Richard „Richie“ Merkan gehört zur Lieferfirma Andritz und kaufmännisch ist es noch „sein“ Laufrad. Unablässig dreht seine fürsorglichen Runden um die Turbine wie ein Schäferhund um seine Herde. Neben dem Zollstock ist das Funkgerät sein wichtigstes Werkzeug. Auf sein Kommando wird das Kaplan-Laufrad ausgerichtet und nachjustiert. Wenn seine Stimme oben bei Peter Fasching aus dem Lautsprecher krächzt, senkt dieser seine kostbare Ladung wieder ein paar Millimeter.

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Ab hier geht's im Schneckentempo: Die letzten Zentimeter sind Präzisionsarbeit

Wenn anderswo Hoteliers über das außergewöhnlich milde Winterwetter klagen, begrüßt man die Witterung beim Kraftwerk: nach dem das Sturmtief Felix abgeflaut ist, herrscht für die Donau ungewöhnliche Windstille. Die Sonne strahlt mit dem Stahl der Laufradschaufeln um die Wette und verjagt den Dunstschleier des Flusstals. Lange genug haben Wetterkapriolen den Zeitplan behelligt. Um die verlorenen Tage aufzuholen, zimmerten die Arbeiter gleich ein Holzpodest auf die Turbine, um die Einbau-Arbeiten zu erleichtern. (Die grellgelben „Doka“-Platten sind eng mit dem Kraftwerksbau an der Donau verbunden, doch diese Geschichte soll ein andernmal erzählt werden.)

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Das Runde muss ins Eckige

Es vergehen Stunden, in denen Nerven und Stahlseile gleichermaßen gespannt sind, bis das Kaplan-Laufrad wohlbehalten an seinem Bestimmungsort angelangt ist. Die Erleichterung ist sichtlich groß, die Techniker gratulieren einander gegenseitig. Einer der heikelsten Arbeitsgänge ist zu Ende. Weitere Großteile warten noch auf ihren Transport.


Viktor Kaplan war ein genialer Erfinder: sein Patent einer Turbine, die wie eine Schiffsschraube konstruiert ist und mit verstellbaren Flügeln das Optimum aus Wasserkraft herausholen kann, ist bis heute im Einsatz. Über 50 Jahre und 430.000 Betriebsstunden hat das alte Kaplan-Laufrad in Ybbs-Persenbeug gehalten. Dank allerlei Effizienzsteigerungen, von den Kabeln bis zu den Transformatoren, wird das Kraftwerk seine Leistung um 6 % steigern - klingt wenig, bedeutet aber eine Mehrerzeugung, für die an Mur oder Salzach ein neues Kraftwerk nötig wäre. Mit dem zusätzlichen Strom kann man eine mittlere Stadt ein Jahr lang versorgen. Auch so geht Energiewende!

Mehr Infos zum Turbinentausch in Ybbs-Persenbeug unter www.verbund.com/ybbs2020

Das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug können Sie auch besuchen, Infos unter www.verbund.com/ybbs-persenbeug-besuchen