Zur Übersicht

Wenn es Winter ist, liegt die Landschaft bei den Kaprun Hochgebirgsstauseen im Dornröschenschlaf. Dann ziehen Fuchs, Schneefink, Steinbock und weitere Gesellen ihre Runden im Schnee. VERBUND-Mitarbeiter Thomas Wurzinger und Nationalpark-Ranger Werner Schuh wandeln auf ihren Spuren.

Schleppend zieht uns die Gondel über eine winterliche Landschaft. Es ist die letzte Etappe des Winterweges, der zu den Kaprun Hochgebirgsstauseen führt. Zuerst mit einem Auto durch einen Tunnel, dann mit einem Schrägaufzug weiter und zum Abschluss, schwebend über das Tal, hinauf auf über 2.000 Meter Seehöhe bevor es mit den Schneeschuhen weitergeht. Diesen Weg nehmen auch einige VERBUND-Mitarbeiter. Es ist die einzige Möglichkeit, in den Wintermonaten zu den Bauten, die Kontrolle und Wartung brauchen, zu gelangen.



Eine zwei Meter dicke Schneedecke hat alles verschluckt. Nur die Staumauer ist frei. Zusammen mit Werner Schuh, Nationalpark-Ranger, erkunden wir den Mooserboden. Auf den ersten Blick wirkt alles verlassen. Der Wind pfeift, es ist fröstelnd kalt, der in den nächsten Tagen zu erwartende Schnee, schickt seine Vorboten. Es ist eine unwirkliche Gegend, die ihre schönen Seiten hat, aber auf den ersten Blick kein Leben bereithält.

spuren_6

Aber wie so oft können erste Eindrücke auch täuschen. „Da oben, links, hinter der Felskuppe“, flüstert Werner Schuh mir zu. So schnell ich mich auch umdrehe, der junge Fuchs ist bereits verschwunden. Wir finden später nur seine Spuren. Auf den zweiten Blick, tummeln sich einige Tiere, hier in der winterlichen Landschaft. „Füchse, Schneefinken, Steinböcke, Gämsen und sogar Geier sind hier unterwegs“, sagt der Ranger. Bartgeier bleiben das ganze Jahr über in ihrem Revier. Sie legen im Sommer „Knochenvorräte“ an, die sie dann in den Wintermonaten leeren. Derzeit sind zwei Bartgeier immer wieder an den Hochgebirgsstauseen unterwegs. „Die Chancen sind hoch, dass es hier einmal ein brütendes Paar geben wird“, erzählt Werner Schuh. Auch wenn man nicht alle Tiere zu Gesicht bekommt, die Spuren verraten alles. Einzelne Schneefelder und die darauf hinterlassenen Abdrücke können eine Geschichte  erzählen.



Im Sommer, von Mai bis Oktober, tummeln sich mehr als 100.000 Besucherinnen und Besucher an den Stauseen, derzeit sind hier unter anderem Füchse und Co unterwegs. Wir wagen uns in das freie Gelände. Wanderwege, Straßen, Gebäude sind nur schwer zu erkennen. Zu dick ist die Schneedecke, obwohl die großen Schneemengen noch auf sich warten lassen. Mit Schneeschuhen und Tourenschi geht es querfeldein. Den Gipfel der Höhenburg zu erreichen, ist für uns unmöglich. Wir schaffen es auf eine kleine Anhöhe. Hier haben wir einen perfekten Ausblick über das gesamte Ausflugsziel. Die Gletscher rund herum, wirken noch imposanter als in den Sommermonaten. Keiner wagt ein Wort, der Moment, der Anblick – unbeschreiblich.



Ein Schneefink zischt an uns vorbei. Diese kleinen Geschöpfe trotzen den Naturgewalten auf den Bergen. Mitten in den Hohen Tauern sind Windspitzen von 100 km/h keine Seltenheit. Trotzdem behaupten sich zahlreiche Lebewesen in dieser unwirklichen Welt.
Für uns ist dieser kurze Ausflug, mit zahlreichen Einblicken in eine Welt die ansonsten verborgen bleibt, vorbei. Zusammen mit den VERBUND-Mitarbeitern geht es zurück ins Tal. Weg von der Bergwelt, die unbeschreiblich schön vor sich hin zu schlummern scheint, und wo etwas im Verborgenen täglich Strom produziert wird.

spuren_1