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20. März 2015

Das war die Sonnenfinsternis 2015

Wir waren live dabei, bei einer astronomischen Seltenheit und einer energiewirtschaftlichen Premiere.

Eine „drollige“ Abkürzung der deutschen Sprache für ein seltenes astronomisches Ereignis, schmunzelte die Fachwelt über #SoFi2015, den Energie-Aufreger des Jahres. Tatsächlich war es die Premiere für eine unbekannte Größe: das rasche Anfahren der vor allem süddeutschen Photovoltaik. Die Premiere glückte dankt intensiver Vorbereitung und guter Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und Stromerzeugern.



Hinter den Kulissen der Stromerzeugung klicken sich heute drei Männer durch den VERBUND-Kraftwerkspark. Die zwei „Dispatcher“ und der Intraday-Händler verwalten einen Kraftwerkspark von Tirol bis Niederösterreich. Auf gezählten 22 Monitoren und einer Videowand sehen Stefan Berg und Patrick Pedronetto Verfügbarkeiten und Kennzahlen von über 100 Kraftwerken. Peter Hrca kümmert sich derweil um den Tages-Stromhandel. Einerseits sind sie die Lieferanten von Strom an Groß-Verbraucher wie Industrie und Landesgesellschaften, andererseits auch Leistung für den Betreiber des Übertragungs-Netzes, die Austrian Power Grid AG. Dort wird die Balance zwischen Angebot und Nachfrage hergestellt.

Genau diese Balance bereitete den Stromversorgern in den letzten Monaten Kopfzerbrechen: wenn die partielle Sonnenfinsternis einsetzt, geht die mittlerweile beachtliche Leistung der Photovoltaik-Anlagen stark zurück - das ist vorhersehbar und durch andere Kraftwerke auszugleichen. Der rasante Anstieg der Leistung beim Abflauen der Sonnenfinsternis aber war neu. Binnen 11:30 Uhr und 12:45 Uhr explodierte die Leistung deutscher Photovoltaik-Anlagen von 4,7 auf über 20 Gigawatt- das entspräche 16 Atomreaktoren, die binnen 45 Minuten ans Netz gehen. Solche Schwankungen schwappen zwangsläufig ins europäische Netz und damit nach Österreich, wo vor allem Pumpspeicherkraftwerke im Einsatz standen, um die fehlende Erzeugung zu kompensieren und später den Strom-Überschuss aus dem Netz zu bringen.