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01. April 2015

10 Mythen rund um Blitze

Ist es wirklich leichter, vom Blitz getroffen als Lotto-Millionär zu werden? Und ziehen Handystrahlen die Funken an? Wir verraten euch, was davon wahr ist und was wirklich hinter den populären Thesen rund um Blitze steckt.

Wer kennt sie nicht: Alte Sprüche und Weisheiten zu Blitzen oder Ratschläge, wie wir uns bei einem Gewitter verhalten sollen. Doch vieles davon gehört ins Reich der Mythen. Hier findet ihr eine kleine Auswahl.

1. Ein Blitz schlägt nicht zweimal an derselben Stelle ein.

Ganz im Gegenteil: Ein Blitz ist gerne an der Spitze und schlägt deswegen regelmäßig in hohe Objekte ein, von Bergen bis zu Wolkenkratzern. Das Empire State Building in New York wird pro Jahr angeblich bis zu 500 Mal von den elektrischen Entladungen heimgesucht – darum ist die Aussichtsplattform auch bei Gewittern gesperrt.

2. Kühe werden öfter vom Blitz getroffen.

Wer erstaunt ist, schaut sprichwörtlich wie eine Kuh, wenn es blitzt. Die Wiederkäuer glotzen aber nicht nur, sie beißen auch vermehrt ins Gras. Ihr Nachteil: Durch ihre vier Beine haben sie eine größere Schrittspannung. Wenn die Erde den Strom nach einem Blitzschlag leitet, ist der Stromfluss größer als beim Menschen. Die Kühe sterben daran häufiger.

 

3. Blitze lassen sich zur Stromerzeugung einsetzen.

Ein Blitz hat eine Stromstärke von bis zu 300.000 Ampere – eine Glühbirne 0,5. Damit könnte man theoretisch viele Häuser zum Leuchten bringen. Aber nur jeder zehnte Blitz geht auf die Erde, die Entladung ist sehr kurz, die Energie gering. Außerdem: Wie fängt man Blitze? Strom daraus zu gewinnen, bleibt wohl leider ein Wunschtraum.

4. Handystrahlung und Regenschirme ziehen Blitze an.

Der Blitz entscheidet meist in den letzten 50 Metern, wo er hin will. Oft ist er unentschlossen, deswegen auch die Zackenform. Sicher nicht angezogen fühlt er sich von Handystrahlen, diese sind viel zu schwach. Aber aufgepasst: Es passiert immer wieder, dass Menschen mit aufgespanntem Schirm getroffen werden – die Metallspitze leitet gut.

 

5. Männer werden 5 Mal öfter vom Blitz getroffen als Frauen.

Sind es höhere Gewalten, die die Herren der Schöpfung so anziehend machen? Nein, dafür gibt es keine Anzeichen – zumindest vor dem Blitz sind beide Geschlechter gleichberechtigt. Woran das liegt, daran scheiden sich die Geister.

6. Ein Blitzableiter bietet 100 % Sicherheit.

Benjamin Franklin, einer der Gründungsväter Amerikas, erforschte auch den Blitz. Dazu fing er mit einem Drachen einen Blitz ein und leitete diesen in einen Schlüssel. Der Blitzableiter war erfunden. Er bietet Häusern bis heute den wirksamsten Schutz. Doch Vorsicht: Schlägt ein Blitz in der Umgebung ein, kann er elektrischen Geräten trotzdem schaden.

 

7. In den Bergen blitzt es am meisten.

In Österreich hat es 2012 über 52.000 Mal geblitzt – am öftesten in der Steiermark und in Niederösterreich, am wenigsten in Wien. Das ist aber nichts im Vergleich zum Kongobecken. Dort kracht es in einem Jahr 50 bis 70 Mal pro Quadratkilometer, ein absoluter Weltrekord! Das tropische Klima am Äquator ist ideal für Gewitter.

8. Eichen sollst du weichen, Buchen sollst du suchen.

Nein, bei einem Gewitter solltet ihr überhaupt keinen Baum als Unterschlupf wählen. Wirklich sicher seid ihr nur in einem Faraday‘schen Käfig wie einem Auto oder in einem Haus mit Blitzschutzsystem. Daher gilt auf freiem Feld: Nicht hinlegen, sondern in die Hocke gehen. Wenn ihr im Wasser seid: Schnell heraus, auch dieses leitet.

 

9. Nach einem Blitzschlag fließt noch Strom im Körper.

Wer vom Blitz getroffen wird, fällt weder sofort tot um noch steht er „unter Strom“. Der Mensch kann keine Elektrizität speichern, daher könnt ihr gleich mit den Erste Hilfe-Maßnahmen beginnen. Wenn diese sofort erfolgt, besteht für das Opfer eine hohe Überlebenschance.

10. Vom Blitz wird man eher getroffen als im Lotto zu gewinnen.

Das kommt auf die Art der Wahrscheinlichkeitsrechnung an. Der Amerikaner Roy Cleveland Sullivan hat z. B. nie die 6 Richtigen erraten, wurde dafür aber 7 Mal vom Blitzgetroffen. Normalerweise überleben nur 4 von 10 Opfern. Er hat jedoch alle Blitzschläge überstanden und steht damit im Guinness-Buch der Rekorde. Trauriges Ende: Mit 71 Jahren beging er Selbstmord.

 

Blitze gehören zu den spannendsten Erscheinungen in der Natur. Wir hoffen, ihr habt einen unterhaltsamen Einblick in die Mythen rund um diese faszinierenden Entladungen bekommen.