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28. April 2015

Hat Strom einen Geruch? - oder - Elektrizität riecht!

"Schon lange wollte ich es loswerden. Auf die banalen Feststellung wie 'Strom hat kein Mascherl' und 'Strom schmeckt nach nichts' und 'Elektrizität kann man nicht angreifen' wollte ich schon lange entgegnen: falsch. Strom kann man auch mit der Nase erleben" - unser Kollege Florian Seidl widmet sich den olfaktorischen Aspekten des Stroms.

Strom ist charakteristisch. Wer je die Vielfalt der Anlagen gesehen hat, kann es berichten: Strom riecht. Auch wenn Puristen meinen, dass es die Produktionsanlagen sind, die den Geruch erzeugen, so verbinde ich es mit dem Ort, wo der Strom gewonnen wird. Jede Anlage, die Energie von Bewegung in Elektrizität umwandelt, erkenne ich am Geruch. 

Die Beispiele sind so vielfältig wie überraschend. Strom kann man – ganz unabhängig von seiner Anwendung - mit allen Sinnen erfahren, auch mit der Nase. Strom riecht zum Beispiel nach Moder, Schlamm und feuchtem Holz. Etwa in einem Turbineneinlauf, kurz nachdem er abgedichtet und das Wasser abgelassen wurde. 



Strom kann aber auch den unangenehmen Geruch von Schmieröl verströmen, etwa nahe den Lageröl-Behältern, die die Turbinen reibungslos laufen lassen.  



Strom riecht nach Ozon. Wer je ein ungelüftetes Kopierkammerl betreten hat, kann sich vorstellen, was ein großer 200 MVA-Trafo für stechende Ozondüfte fabriziert. Grund dafür ist die Ionisation der Luft durch die elektrische Ladung.  



Auch ein Biber, der sich in eine Anlage verirrt hat, hat mit Strom zu tun. Biber, so süß sie anzusehen sind, verströmen wie alle Wildtiere einen unangenehmen Geruch, dem man in der Küche mit Wacholder oder Lorbeere beizukommen sucht.



Schließlich kann es auch unheimlich werden: wer in der Kraftwerksanlage plötzlich den zarten Duft von Zitronenmelisse wahrnimmt, der möge sich nicht romantischen Träumen über arabische Gärten hingeben, sondern um sein Leben rennen: dann nämlich ist die CO2-Löschanlage aktiv und erstickt einen möglichen Brandherd. Um die Menschen im Nahbereich der Löschanlage zu warnen, wird das CO2 mit Parfüm versetzt und der charakteristische Geruch ist (neben der Brandalarm-Sirene) das Signal zur sofortigen Flucht.


Was sagt da die Meisterin der Marke VERBUND dazu, dass wir dem erzeugten Produkt solche Gerüche andichten?

Brand Managerin Winnie Matzenauer: "In meinem Metier ist man es gewohnt, Markeneigenschaften in visuelle oder akustische Signale zu übersetzen. Die Markenattribute Reinheit, Natürlichkeit und Nachhaltigkeit werden z.B. bei der Corporate Music in reine akustische Klaviertöne (statt Synthie-Sound) übersetzt. Im Corporate Design finden sie sich in viel reinem Weißraum und natürlichen Fotos wieder (ohne Effekte, kaum Models etc.).

Aber wie würde wohl ein VERBUND-Parfüm riechen? Wäre eine interessante Aufgabe. Wir freuen uns über eure Ideen dazu!"

 

Titelbild: Hannah Wilke, Gestures, 1974, Video, 35:30 min, s/w, Ton  © Hannah Wilke. Courtesy: SAMMLUNG VERBUND, Wien