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09. November 2015

Der Herbst trägt Grau und Blau in Greifenstein

Mit dem Sommer vergeht auch die Ausflugsaison an der Donau. Die Ruhezeit nutzen die Kraftwerker, um die gewaltigen Schleusen an der Donau im Winterschlaf zu pflegen.

schleuse

Der Herbstwind kann giftig sein an der Donau, doch heute früh ist es eher der Nebel, der für herbstliche Stimmung sorgt. Keine 20 Meter beträgt die Sicht, während wir auf das schier endlos weit entfernte Ende der Schleuse in Greifenstein zustapfen. Unter uns liegt eine gewaltige Betonwanne, 230 Meter lang und 24 Meter breit. In 20 Metern Tiefe wirken die Arbeiter mit ihren putzigen Helmchen wie Playmobil-Figuren.

arbeiter

Wo normalerweise Schub- und Ausflugsschiffe die Donau hinauf- und hinunterstampfen, ächzt und rumpelt ein kleiner Personen-Förderkorb mit uns in die Tiefe. Wie in einem Fantasy-Epos erheben sich die Stemmtore, die normalerweise die Wassermassen der Donau zurückhalten, vor uns. So ähnlich müssten sich die Hobbits Frodo und Sam vor dem Schwarzen Tor zu Moria gefühlt haben. Aber statt nackter Höhlentrolle patrouilliert nur ein Kraftwerker auf der Mauer, statt der Keule schwingt er die Kransteuerung. Sein Kollege im Förderkorb säubert das Stemmtor mit dem Hochdruckreiniger, um den Stahl unter dem Schlick später auf Verschleißspuren untersuchen zu können.

stemmtor

Bis zu 500 Mal pro Jahr müssen sie schwenken, um den Schiffen die Passage über 11 Meter Gefälle in Greifenstein zu ermöglichen. Alle 6 Jahre ist daher eine penible Inspektion nötig. Halten die Dichtungen, gibt es Rostschäden oder verborgene Risse? Bis März hat man sich Zeit gegeben, um im Falle unerwarteter Schäden die notwendigen Arbeiten noch vor Beginn der Ausflugssaison abzuschließen.

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300.000 Badewannen ließen sich mit einer einzigen Schleusung füllen. Kein Wunder, dass sich (Bade)Ente Doris bei diesen Vergleichen pudelwohl fühlt. Passend dazu setzt zu Mittag auch prachtvoller Sonnenschein ein und zur Freude des ORF-Kamerateams gleitet ein Schubverband in die zweite Schleuse, ein - ausgerechnet das DDSG-Schubschiff „Greifenstein“.

schubverband

Mit jeder Schleusenfüllung könnte in den benachbarten Turbinen des Kraftwerks der Jahresstromverbrauch eines Haushaltes erzeugt werden. Hoch über uns sitzt in seiner Aussichtskanzel ein Mitarbeiter der viadonau und überwacht das Geschehen auf der zweiten Schleuse. Außerhalb des Sommers ist der Betrieb gemächlicher, da die Ausflugsschiffe (die „Weiße Schifffahrt“) zumeist pausieren.

10 Millionen Tonnen Güter bewegen sich jährlich auf der Donau. Die Schleusen sind der Kompromiss zwischen Stromerzeugung und Schifffahrt. „Die Schifffahrt hat die älteren Rechte an der Donau“, erklärt Revisions-Ingenieur Bernhard Geistlinger dem mitgereisten ORF-Team. Daher sind die Schleusungen auch kostenlos. Die Donau-Begradigung ist hundert Jahre älter als die Kraftwerke. Die „Treppelwege“, bei Radfahrern an der Donau äußerst beliebt, waren angelegt für Zugpferde, die bei Fahrten die Donau aufwärts die Schiffe zu ziehen hatten.

geistlinger

Heute freut sich Geistinger zusammen mit 30 Mitarbeitern über das gute Wetter, aber es kann in der Schleuse im Winter empfindlich kalt werden. Angeblich steht der Rekord bei -30 Grad Celsius. Nicht zuletzt deswegen wünschen wir einen milden, aber nicht zu trockenen Winter.

www.verbund.com/greifenstein

www.viadonau.org