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10. Dezember 2015

Von Velm in die Welt: Der Erfolg der Kaplan-Turbine

Effizient, weltberühmt und revolutionär: Die Kaplan-Turbine ist das Herz vieler VERBUND-Kraftwerke. Wusstet ihr, dass sie zum ersten Mal in einer Strickgarnfabrik im niederösterreichischen Velm eingesetzt wurde? Begleitet uns auf eine Zeitreise!

Ein lauer Sommertag im Juni 1919 – heute ist es so weit. Viktor Kaplan präsentiert eine technische Innovation, die Geschichte schreiben wird. Als Ersatz für ein marodes Wasserrad, soll seine Turbine in der Börtel- und Strickgarnfabrik M. Hofbauers Witwe den Dienst versehen. Ihr Vorteil: Verstellbare Leit- und Laufradschaufeln machen sie auch bei geringen Fallhöhen und schwankenden Flussmengen hoch effizient. Mit über 80 % Wirkungsgrad übertrifft die Erfindung im Probelauf alle Erwartungen und startet damit ihren Siegeszug um die Welt.

Energie-Revolution made in Austria

Vom niederösterreichischen Velm hat die Kaplan-Turbine die moderne Energieerzeugung aus Wasserkraft entscheidend geprägt – und das tut sie bis heute auch in Österreich. Neun Laufkraftwerke an der Donau produzieren mit ihrer Hilfe Strom. Insgesamt befinden sich 280 Kaplan-Turbinen in VERBUND-Kraftwerken im Einsatz.

 Kaplan-Turbine vor dem Technischen Museum 

Thront vor dem Technischen Museum: Kaplan-Turbine aus dem Kraftwerk Kirchbichl in Tirol. © Technisches Museum Wien

Allein in Wien-Freudenau verarbeitet eine Rohr-Turbine 500 Kubikmeter Wasser in der Sekunde. Das entspricht einem kleinen Einfamilienhaus. Gigantisch sind auch die Ausmaße: Die Laufräder haben einen Durchmesser von rund acht Metern. Sie gleichen einem Schiffspropeller, durch dessen Schaufeln die Wassermassen fließen und die Turbinen antreiben.

Viktor Kaplan – Erfinder aus Leidenschaft

Aber es sind nicht nur die Dimensionen, die außergewöhnlich sind. Viktor Kaplan war ein genialer Kopf, der sich nicht von seinen Ideen abbringen ließ. In einem bescheidenen Büro im tschechischen Brünn arbeitete er unaufhaltsam an der Optimierung seiner Innovation. Im Jahr 1913 meldete er die Turbine schließlich zum Patent an. Allerdings boykottierten ihn die großen Maschinenfabriken, später brach der Erste Weltkrieg aus. Erst 1918 ließ die Brünner Fabrik Storek die Turbine bauen, der Rest ist Geschichte.

Porträt von Viktor Kaplan 

Ein Pionier, der Neues wagte: Viktor Kaplan (1876 – 1934) hat die moderne Stromerzeugung geprägt. © Technisches Museum Wien

Kaplans allererstes Baby – das Wunderwerk aus Velm – trieb bis in die späten 1950er Jahre die Maschinen der Strickgarnfabrik an. Als erste kommerziell genutzte Kaplan-Turbine der Welt ist sie heute im Technischen Museum Wien zu bestaunen. Der Erfinder selbst wurde im Leben wie im Tod mit Ehrungen überhäuft, so zierte sein Konterfei einst die Tausend-Schilling-Note. Seine Faszination für Wasserkraft verleitete den Tüftler dazu, Neues zu wagen. Echter Pioniergeist, von dem wir heute noch profitieren.

Herzlichen Dank an die fachliche Beratung von Dietmar Linzbacher vom Technischen Museum Wien!
Ihr wollt wissen, in welchen Kraftwerken Viktor Kaplan seine Spuren hinterlassen hat? Eine Übersicht findet ihr hier: Kaplan-Turbinen bei VERBUND.

 

© Technisches Museum Wien